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Korruptionsprozess
„Tatort“-Krimi vom Ex-Bürgermeister

Aus dem Skandal um das Ex-Hotel Auf Kappelt in Saarhölzbach wollte Ex-Rathauschef Carsten Wiemann offenbar einen Film machen.
Aus dem Skandal um das Ex-Hotel Auf Kappelt in Saarhölzbach wollte Ex-Rathauschef Carsten Wiemann offenbar einen Film machen. FOTO: bub/fb / BeckerBredel
Saarbrücken/Mettlach . Mettlachs Ex-Rathauschef Wiemann wollte den Skandal um das Ex-Hotel „auf Kappelt“ verfilmen. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Krimireif sind die Vorgänge um das Flüchtlingsheim „Auf Kappelt“ im Mettlacher Ortsteil Saarhölzbach ganz bestimmt. Immerhin sitzen derzeit der frühere SPD-Bürgermeister Carsten Wiemann, der Ex-SPD-Fraktionschef Markus Rausch und der ehemaligen SPD-Parlamentarier Hans-Georg Stritter vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Saarbrücken auf der Anklagebank. Sie müssen sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten. Jetzt wurde im Rahmen des Prozesses bekannt, dass Ex-Rathauschef Wiemann sich offenbar selbst als möglicher Drehbuchautor profilieren wollte. Demnach hat Wiemann, damals noch amtierender Bürgermeister, im September 2015 per Mail der „Tatort“-Redaktion beim Saarländischen Rundfunk einen Vorschlag für ein Drehbuch zu einem TV-Krimi mit dem Arbeitstitel „Kriegsgewinnler“ angeboten. Angeblich ging es dabei um schmutzige Geschäfte bei der Vermittlung und Vermietung von Wohnraum an Flüchtlinge. Wiemann soll sich, so der SR, als Rathauschef selbst als Darsteller vorgeschlagen haben. Seine Rolle: Bürgermeister und wohl auch Opfer. Am Rande der gestrigen Gerichtsverhandlung wollte der Ex-Bürgermeister über seine Ambitionen als Krimiautor nicht reden. „Dazu sage ich nichts“, war sein knapper Kommentar, kurz bevor er neben seinem Verteidiger Joachim Giring auf der Anklagebank Platz nahm. Wiemann, Rechtsanwalt und Ex-SPD-Gemeinderatschef Rausch sowie Sparkassen-Verwaltungsrat Stritter wird - wie berichtet - vorgeworfen, versucht zu haben, sich mit der Ersteigerung und Vermietung des ehemaligen Saarhölzbacher Hotels, persönlich zu bereichern. Das Objekt sollte gewinnbringend an die Gemeinde als Flüchtlingsunterkunft vermietet werden. Wiemann sollte dafür sorgen, dass ein lukrativer Mietvertrag mit einer von Rausch im fernen Berlin gegründeten „Grüner Kreis Immobilien GmbH“ abgeschlossen wurde. Die Anteile dieser GmbH sollten die Beteiligten selbst oder ihre Frauen halten. Wiemanns Frau stieg bereits nach kurzer Zeit wieder als Gesellschafterin aus.



Die ermittelnde Oberstaatsanwältin Sabine Kräuter-Stockton trat gestern selbst in den Zeugenstand und berichtete von der Vernehmung des Angeklagten Rechtsanwaltes und SPD-Kommunalpolitikers Rausch. Weil sie als Zeugin gehört wurde, wird Kräuter-Stockton die Anklage im weiteren Prozessverlauf nicht mehr vertreten. Dies übernimmt Staatsanwalt Thomas Haug, der voraussichtlich am Montag sein Plädoyer halten wird.