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Kommunen wollen Premium-Nationalpark

Markenzeichen: Die Skulptur "Windklang" von Christoph Mancke steht im Idarwald nahe dem Gipfel des Erbeskopfs. Foto: Thomas Frey dpa/lrs
Markenzeichen: Die Skulptur "Windklang" von Christoph Mancke steht im Idarwald nahe dem Gipfel des Erbeskopfs. Foto: Thomas Frey dpa/lrs
Hoppstädten-Weiersbach/Nohfelden Von SZ-Mitarbeiter Kurt Knaudt

Hoppstädten-Weiersbach/Nohfelden. Zwei zentrale Botschaften sendet das 42 Seiten dicke kommunale Eckpunktepapier zur Gründung eines Nationalparks Hochwald-Idarwald aus, das jetzt bei einem öffentlichen Workshop mit rund 120 Teilnehmern auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld präsentiert und diskutiert wurde: Zum einen wird darin bekräftigt, dass nur ein in sich geschlossener Premium-Nationalpark mit einer Größe von rund 10 000 Hektar in Frage kommt. Die Kombilösung mit dem Soonwald haben die beteiligten Kommunen im Hochwald bereits ad acta gelegt.


Zum anderen wird in dem mit begleitender Hilfe des Taurus-pro-Instituts an der Universität Trier erarbeiteten Papier betont, dass der Hochwald nicht nur naturschutzfachlich, sondern auch kulturhistorisch bestens geeignet ist. Kelten, aber auch Römer und Germanen, das große Thema Edelsteine, historische Mühlen und Bergwerke: Das alles sind Pfunde, mit denen sich vortrefflich wuchern lässt.

Das unter dem Dach des Naturparks Saar-Hunsrück erarbeitete Konzept sieht einschließlich der rund 900 Hektar aus dem Saarland eine Fläche von insgesamt 10 500 Hektar vor. Bei der noch ausstehenden Detailabstimmung mit den Kommunen soll darauf hingewirkt werden, dass weitere schutzwürdige oder zur Abrundung geeignete Waldbestände durch Ankauf oder freiwilligen Tausch von Gemeinde- und Privatwald gegen Staatsforst einbezogen werden. Dabei geht es unter anderem auch um wertvolle Flächen bei Morbach und Deuselbach.



In drei Arbeitskreisen hatten Vertreter der Landkreise, Verbandsgemeinden, Ortsgemeinden und des Naturparks mit Experten von Ministerien und Landesbehörden zu den Themen "Natur, Umwelt Bildung", "Rechtsfragen, Organisation, Entscheidungsprozess" und "Erholung, Tourismus, Regionalentwicklung" unter der Leitung der Bürgermeister Michael Hülpes (Verbandsgemeinde Hermeskeil), Bernhard Alscher (VG Birkenfeld) und Uwe Weber (VG Herrstein) die Eckpunkte erarbeitet.

Der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider machte beim Workshop keinen Hehl daraus, dass er den Nationalpark vor allem als Strukturförderungsprojekt sieht. Beispiele sind Verbesserungen der DSL-Versorgung und des öffentlichen Personennahverkehrs bis hin zur Reaktivierung der Hunsrückbahn. Bei dem Versuch, an möglichst viele gut gefüllte Fördertöpfe heranzukommen, sieht der Landrat die Region wegen anstehender Veränderungen bei der EU allerdings "in einem Wettlauf mit der Zeit. Wir müssen deshalb Gas geben."

Das Hunsrückhaus am Erbeskopf wäre als Zentrum für einen Nationalpark geeignet, heißt es in dem Papier. Mit Blick auf die auch beim Workshop noch spürbaren Widerstände und Bedenken erinnerte Uwe Weber an die Entstehung des Umwelt-Campus. Dessen Vater, der damalige Landrat Ernst Theilen, sei wegen seiner Vision anfangs vielfach belächelt und auch verunglimpft worden, ehe der Erfolg ihm Recht gegeben habe. "Kann das Land sich einen Nationalpark leisten?", fragte ein Zuhörer. Für die Hochwald-Region stelle sich die Frage anders, antwortete Weber: "Kann sie es sich leisten, eine solche Chance zu verpassen?"