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Komiker machten Show zum rasanten Comic-Strip

Völklingen. Viel zu staunen gab es gestern in Völklingen bei der Sommer Szene. Das Duo Gi-Jo ließ die Schimpansen twisten, die Compagnie Tutti Frutti probte den Aufstand. Was auf der Straße begann, endete mit Hortkind auf der großen Bühne. Von SZ-MitarbeiterinKerstin Krämer

Verflixt, wie funktioniert so etwas? Das wird sich wohl so mancher gefragt haben. Die beiden Schimpansen namens Boris und Tasja, die da zusammen einen flotten Twist aufs Straßenparkett legten, waren nicht echt, das sah man. Aber dass tatsächlich eine Frau mit je einer Körperhälfte in beiden Affen steckte, verblüffte dann doch: Die Niederländerin Anja van Wijngaarden verausgabte sich hier als Puppenspielerin der etwas anderen Art, während ihr österreichischer Partner Johannes Fischer den ob unanständiger Dreistigkeiten seiner Primaten peinlich berührten Tierhalter gab. Zusammen bilden sie das Duo Gi-Jo und eröffneten am Dienstag im Völklinger Pfarrgarten das Programm der Sommer Szene, gefolgt vom holländischen Akrobatik-Duo Oddlings als cleverem Agenten-Paar. Mit ihrer Produktion "Mannekino" über eine höchst vitale Schaufensterpuppe hatten Angela Dirven und John Kessels bereits 2011 im Deutsch-Französischen Garten begeistert.

Geturnter Krimi

Mit einer ähnlich schlüssig ausgearbeiteten Handlung kann ihre neue Show "Double-X" als Reminiszenz an 60er-Jahre-Fernsehserien leider nicht dienen: Einen roten Faden fand man in diesem geturnten Krimi nur mit gutem Willen. Dafür entschädigten die Oddlings durch originelle Bodenartistik mit Kampfkunst-Elementen und ausgefallenen Bildern: Wann etwa sieht man schon mal eine Frau als lebendige Pumpgun? Danach sorgte am anderen Ende des Platzes der französische Clan Pellet alias "Compagnie Tutti Frutti" für Aufruhr. Stepptanzgruppe? Marching Band? Sinfonisches Miniblasorchester? Das fünfköpfige Familienunternehmen ist eine Symbiose aus all dem: In bunten Kostümen und Steppschuhen blies das Quintett zu einem theatralischen Spektakel und spannte das Publikum als Wappenträger und Polonaise-Tänzer ein. Eine hier von dem Arbeiterkampflied "Internationale" entfachte Revolte wurde mit Peitsche und Radetzky-Marsch niedergeschlagen - eine hübsche Parodie auf Tierdressur-Nummern mit wiehernden Saxofonen und elefantös trompetendem Sousaphon.

Den Abschluss bildete nebenan auf dem Adolph-Kolping-Platz der einzige Bühnen-Akt des Tages. Wortlose Darstellungskunst war jahrelang die Domäne von Nils Hellmuth und Steffen Lemke alias "Edd & Lefou". Damit holten die beiden markant frisierten Absolventen der Berliner Schule für Pantomime, Clownerei und Animation 2005 den Jury- und Publikumspreis bei der St. Ingberter Pfanne. Nun haben die zwei Brachialkomiker allerdings "die Schnauze voll vom Fressehalten" und unter dem neuen Namen "Hortkind" ihre Stimmen und damit zu einer speziellen, oralperkussiven Form der Stand-up-Comedy gefunden.

Lebendige Schachfiguren

In ihrem Programm "Nackt & unplugged" veralbern die beiden in einer Art lautmalerisch synchronisierter Pantomime Themen wie Privatfernsehen, Tourismus, Konsum, Boxkampf und sich selbst und kommen als lebendige Schachfiguren daher. Eine Show wie ein Comic-Strip - schrill, laut, bizarr, visuell brillant, voller Nonsens und so rasant, dass bei mancher Parodie erst in Zeitlupe-Wiederholung jede mimische Entgleisung sichtbar wird.