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30 Jahre naturnahe Waldwirtschaft
Klimawandel und Müll gefährden den Wald

Der „Urwald vor den Toren der Stadt“ ist ein Vorzeigeprojekt für die naturnahe Waldwirtschaft.
Der „Urwald vor den Toren der Stadt“ ist ein Vorzeigeprojekt für die naturnahe Waldwirtschaft. FOTO: Wulf Wein
Saarbrücken. Saarforst und Umweltministerium feiern mit Bürgern 30 Jahre naturnahe Waldwirtschaft im Saarland. Von Udo Lorenz

Trotz Stress mit dem Klimawandel und immer mehr Problemen mit wilden Müllkippen: Die saarländischen Wälder werden grüner, größer und vielfältiger. Dieses durchweg positive Fazit von 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft im Saarland zog Umweltminister Reinhold Jost (SPD) am Freitag in der Zentrale des Saarforst-Landesbetriebs in Saarbrücken-Von der Heydt. Zugleich kündigte er eine Reihe von Bürgerveranstaltungen zu diesem Jubiläum an und betonte: „Wir werden den Wald als Wirtschaftsraum, Lebensraum und Erholungsraum fit machen für die Zukunft.“ Eine Video- oder Drohnenüberwachung der Wälder werde es nicht geben, dafür aber mehr Kontrollen gegen die zunehmenden wilden Müllablagerungen.


„Naturnahe Waldwirtschaft, das heißt: Kein Kahlschlag, kein Chemieeinsatz, keine Monokultur und dafür mehr Ökologie im Wald“, erklärte der Umweltminister. Vor 30 Jahren war das Saarland unter dem damaligen Wirtschafts- und Umweltminister Hajo Hoffmann (SPD) das erstes Bundesland überhaupt, das die naturnahe Waldwirtschaft für den Staats- und Kommunalwald einführte. Ein Vorzeigeprojekt ist bis heute der zwischen 1997 und 2002 auf über 1000 Hektar Fläche ausgewiesene „Urwald vor den Toren der Stadt“ Saarbrücken. Zehn Prozent des Staatswaldes werden forstlich überhaupt nicht genutzt. Dort, wo Bäume für die Möbelindustrie oder als Brennholz gefällt werden, achten die Forstleute darauf, dass es keinen Kahlschlag gibt und neue Aufforstungen erfolgen.

Seine Bilanz: „Trotz hoher Bevölkerungsdichte ist der Waldanteil im Saarland mit 36 Prozent höher als im Bundesschnitt.“ Und obwohl der Saarforst jährlich rund zehn Millionen Euro Erlöse mit Holzeinschlag erzielt und so laut seinem Chef Hans-Albert Letter seit einem Jahrzehnt schwarze Zahlen schreibt, wachsen mehr Bäume in den Staatswäldern nach als andere gefällt werden. Alleine 2017 wurden 80 000 neue Bäume gepflanzt, wobei die immer mehr dem Klimawandel zum Opfer fallenden Fichten öfters durch Weißtannen und Laubhölzer ersetzt werden.

„Sorge macht uns die Vermüllung im Wald, die hat enorm zugenommen“, beklagt Letter: „Da werden Altreifen, ganze Kühlschränke und rostige Fässer im Wald abgelagert.“ Trotz verstärkter Kontrollen könne nicht alles bewacht werden und es würden viel zu wenig Täter gefasst. Im letzten Jahr mussten 173 000 Euro für die Müllbeseitigung im Wald ausgegeben werden. Bei den ersten Jubiläumsveranstaltungen von Saarforst und Umweltministerium zum „Tag des offenen Reviers“ am 21. März in mehr als der Hälfte der Saar-Kommunen erhoffen sich die Fachleute konstruktive Kritik und Anregungen von Bürgern zur Zukunft der Wälder. Man müsse den Wald schützen, aber auch nutzen. „Für den Bürgerwald muss es auch Grenzen geben“, sagt Minister Jost: „Der Wald kann nicht unbegrenzt den Freizeitdruck aushalten“.