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Klimaradler
4600 Kilometer rund um Deutschland

Mit ihrer 46-tägigen Radtour wollten Carmen und Bodo Groß (Mitte) auf die Ziele des Kulturforums Köllertal aufmerksam machen.
Mit ihrer 46-tägigen Radtour wollten Carmen und Bodo Groß (Mitte) auf die Ziele des Kulturforums Köllertal aufmerksam machen. FOTO: Kulturforum Köllertal
Püttlingen. Der Püttlinger Bahnhof will erstes klimaneutrales Industriedenkmal im Saarland werden. Dafür radelten Carmen und Bodo Groß.

„Pause ist später!“ Das steht auf den Fahrrädern von Bodo und Carmen Groß. Am Rucksack baumelt ihr Maskottchen, „sHäsje“. Ansonsten: „Braucht man gutes Material, speziell einen vernünftigen Sattel, gescheite Kleidung, einen Rucksack“, sagt das Ehepaar, das unterwegs Silberne Hochzeit feierte. Über Saar, Mosel, Sauer, Maas zur holländischen und belgischen Küste ist das Paar im Uhrzeigersinn geradelt, über Ostseeküste, Oder, Neisse, Erzgebirge, Alpenrand, Bodensee, den Rhein und durch die Pfalz zurück nach Hause. 4600 Kilometer in 46 Tagen, pannenfrei, zwischen dem 5. August und dem 25. September. Das alles, um Werbung für den klimaneutralen Kulturbahnhof in Püttlingen zu machen.


„Die ersten Tage waren mörderisch, um die 39 Grad. Wir haben an jeder Tankstelle, an jeder Bäckerei gehalten, um Wasser nachzufassen“, erzählen sie. Dann wurde es kühler zum Schluss, in den Morgenstunden, sogar kalt. Von Regen sind sie bis auf einen Tag verschont geblieben. Ihre Unterkünfte haben sie morgens per Smartphone gefunden. Anhand ihrer Trikots mit der Aufschrift „Klimafahrplan“ seien sie auch häufig mit ihren Gastgebern und Zufallsbekanntschaften, „in traumhaft schönen Landschaften übrigens“, ins Gespräch gekommen.

Denn Anlass ihrer heftigen Strampeltour sind die ambitionierten Pläne des Kulturforums Köllertal als Betreiber des Bahnhofs Püttlingen (siehe Info), klimaneutral zu werden . „Aktuell befinden wir uns in der ersten Bauphase, für die uns 210 000 Euro bereits zur Verfügung stehen“, sagt Clemens Sebastian, Vorsitzender des Kulturforums. Dabei gehe es um neue Fenster und Türen, den Einbau einer Pelletheizung. In weiteren Bauabschnitten sei die Anlage einer Solaranlage zur Erzeugung eigenen Stromes auf der ehemaligen Bahnsteig-Überdachung sowie die Optimierung technischer Anlagen in Lokal, Stückguthalle, Seminar- und Lagerräumen geplant. Sebastian: „Bis 2022 wollen wir klimaneutral sein, als erstes denkmalgeschütztes Ensemble saarlandweit“.



Die beiden Extrem-Radler resümieren: „So eine Tour geht nur mit Unterstützung der Arbeitgeber“. Bodo Groß arbeitet als promovierter Wissenschaftler für das Saarbrücker Energie-Forschungsinstitut IZES, seine Frau in einem Baumarkt. Jetzt haben sie erst mal Zeit, ihre malträtierten Räder zu pflegen, ihrem Maskottchen ein Päuschen zu gönnen und die weiteren Reisepläne „natürlich mit dem Rad“ zu überdenken.