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Umsatzrückgang im Geschäftsjahr 2017
Saartoto zahlt weniger für Kultur und Sport

Auch für Sportstätten wie diese Halle auf dem Gelände der Landessportschule in Saarbrücken wird künftig weniger Geld zur Verfügung stehen. 
Auch für Sportstätten wie diese Halle auf dem Gelände der Landessportschule in Saarbrücken wird künftig weniger Geld zur Verfügung stehen.  FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Lottogesellschaft bucht 6,2 Prozent weniger Umsatz in 2017 und hat die Monatsraten an Landessportverband reduziert. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Für die Verantwortlichen beim Landessportverband (LSVS), die eine Millionen-Finanzlücke stopfen müssen, ist diese Hiobsbotschaft aus der Chefetage von Saartoto nicht neu. Nach einem Umsatzrückgang um 7,8 Millionen Euro oder 6,2 Prozent auf 118,2 Millionen Euro zum Jahresende 2017 fallen die monatlichen Überweisungen der Saarland Sporttoto GmbH aus dem gesetzlich festgeschriebenen Sportachtel an den LSVS geringer aus. Der Sportverband hält drei Siebtel (42,86 Prozent) der Gesellschaftsanteile an Saartoto. Mehrheitsgesellschafter ist das Land. Saartoto-Chef Peter Jacoby, (CDU), der mit Michael Burkert (SPD) die Geschäfte der GmbH führt, sagte unserer Zeitung: „Die Entwicklung kommt für den LSVS nicht überraschend.“ Der Gesellschafter war vorgewarnt und Saartoto plante die Umsätze 2017 intern ohnehin defensiv. Nach dem Rekordjahr 2016, in dem fast 126 Millionen Euro in den Kassen der Lottogesellschaft klingelten, backte Saartoto von Beginn an kleinere Brötchen. Ein Grund dafür: Im Vorjahr bescherte der Kalender ohnehin eine Wochenausspielung mehr und größere Jackpots im Lotto 6 aus 49 und in der europaweiten Lotterie Eurojackpot brachten Umsatzrekorde. Für 2017 melden alle Gesellschaften im Lottoblock Rückgänge. Rheinland-Pfalz nach Angaben Jacobys 6,9 Prozent.


Unter dem Strich muss der LSVS für das Geschäftsjahr 2017 mit 768 546,27 Euro weniger als im Vorjahr aus seinem Umsatzanteil rechnen. Für das Sportachtel sind Umsätze aus Lotto, Toto, Eurojackpot, Oddset und Keno relevant, nicht aber aus der Glücksspirale und den Rubbellotterien. Insgesamt wird das Sportachtel 2017 mit 12,8 Millionen Euro (Vorjahr: 13,6) errechnet.

Peter Jacoby
Peter Jacoby FOTO: Saartoto / Peter Kerkrath/Saartoto


Auch für die Stiftung Kulturbesitz und andere kulturelle Einrichtungen sowie Naturschutzprojekte steht weniger Geld zur Verfügung. Statt 6,1 Millionen Euro 2016 sind es jetzt noch 5,5 Millionen Euro. Für soziale Zwecke bleibt es bei 800 000 Euro.

Neben den gesetzlich festgeschriebenen Quoten profitieren Sport und Kultur von Zuweisungen, die der Saartoto-Aufsichtsrat beschließt. In dem Gremium sitzen Vertreter von Land und LSVS. 1,3 Millionen Euro gingen so zweckgebunden an den Sport, 250 000 Euro an die Kultur.

Quer durch die Palette der angebotenen Spiele und Wetten zieht sich der Rückgang bei Saartoto, das mehr als die Hälfte des Umsatzes (59,7 Millionen Euro) mit Lotto 6 aus 49 erzielt. Hier wird ein Rückgang von 5,1 Prozent und bei Eurojackpot (16,5 Millionen Euro) gar von 9,4 Prozent ausgemacht. Der Verkauf der Rubbellotterien (6,9 Millionen Euro) ging um 11,7 Prozent zurück.

Saartoto-Geschäftsführer Jacoby macht für die Entwicklung die aus Steueroasen gelenkte illegale Konkurrenz der Wettanbieter im Internet verantwortlich. Nachdem eine Verständigung auf einen Glücksspielstaatsvertrag gescheitert sei, schauten staatliche Stellen tatenlos zu. Jacoby: „Das Lotterie-Monopol steht nur noch auf dem Papier.“ 2017 kassierte der Saar-Fiskus übrigens 19,3 Millionen Lotteriesteuer von Saartoto.