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Klein-Oldenburg im Naheland

Heute ist Schloss Birkenfeld Sitz der Kreisverwaltung. Es stammt aus Oldenburger Zeit. Foto: Wein
Heute ist Schloss Birkenfeld Sitz der Kreisverwaltung. Es stammt aus Oldenburger Zeit. Foto: Wein FOTO: Wein
Birkenfeld. Mit einer Serie will die SZ Lust machen auf Neu- oder Wieder-Entdeckungen in der Region. Denn es gibt abseits der großen Attraktionen Ziele, die sich für einen Ausflug anbieten. Heute: das Städtchen Birkenfeld im Naheland. Von SZ-Mitarbeiter Wulf Wein

Die ziemlich ähnlichen und durchaus repräsentativen klassizistischen Gebäude fallen direkt ins Auge. Beim Besuch in Birkenfeld fragt sich der Gast recht bald, was das denn zu bedeuten hat. Wer durch das Zentrum des Städtchens im Naheland streift, der kommt fast nicht umhin, sich mit der Vergangenheit des Ortes zu beschäftigen. Die massiven Häuser zeugen nämlich von der Phase, als Birkenfeld zum Großherzogtum Oldenburg gehörte - und sozusagen ein Klein-Oldenburg war.

Daher ist in der Stadt heute noch so etwas wie ein kleines Regierungsviertel zu besichtigen. Es gibt sogar ein Schloss samt Schlossallee, was überhaupt nichts mit dem Spiel "Monopoly" zu tun hat, sondern davon zeugt, dass zu diesem hochherrschaftlichen, wenn auch nicht sehr großen Anwesen tatsächlich eine baumbestandene Straße führt. Das Hotel-Restaurant "Oldenburger Hof" zeugt vom Namen her ebenfalls davon, dass für geraume Zeit Niedersachsen die Geschicke Birkenfelds bestimmten. Allerdings stehen dort regionale und italienische Spezialitäten auf der Speisenkarte und nichts, was kulinarisch an die ehemaligen "Machthaber aus dem Norden" erinnert.

Im Landesmuseum kann der geschichtsinteressierte Ausflügler hingegen sehr viel über das "oldenburgische Fürstentum Birkenfeld" erfahren. Von 1817 bis 1937 wurde das Städtchen aus 450 Kilometer Entfernung regiert. Nach dem Wiener Kongress erhielt das damalige Großherzogtum Oldenburg das Gebiet um Birkenfeld "mit 21 000 Seelen auf 502 Quadratkilometern" als Ausgleich für Flächenverluste anderswo. Und so kam es, dass Beamte aus Niedersachsen für geraume Zeit in Birkenfeld ansässig wurden und die Oldenburger Exklave verwalteten. Dazu wurden auch die bereits erwähnten Häuser in der Stadt errichtet. Selbst eine Kaserne für eine kleine militärische Einheit gab es. Es sollte ja schließlich alles seine obrigkeitsstaatliche (damals absolutistische) Ordnung haben.

Bilder, Urkunden, Siegel und eigene Münzen belegen, dass sich die Bürger offenbar weitgehend mit der Regentschaft arrangierten, wobei ihnen wohl nicht viel anderes übrig blieb. Einige Dokumente deuten aber auch daraufhin, dass die Menschen in der Region zwischen Hunsrück und Nahe ein gewisses "Eigenleben" führten und sich manche Freiheit herausnahmen. Das war übrigens nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls der Fall. Im Juli 1919 riefen mutige Revolutionäre die "separatistische Republik Birkenfeld" aus, die jedoch nicht lang bestand. Die Zugehörigkeit zu Oldenburg währte offiziell noch bis 1937. "Das war ja anscheinend ein wohl organisiertes Gemeinwesen", meint meine aus Niedersachsen stammende Begleiterin: Sei's drum. Im Museum wird jedenfalls auch "das Wirken" anderer Herrscher im Raum Birkenfeld gewürdigt. Die Kelten und Römer waren ganz früh da. Von 1293 bis 1771 regierten die Sponheimer und Wittelsbacher (1293-1771) Ort und Umland. Die setzten seinerzeit auch ein erstes Schloss als Regierungssitz auf den Hügelzug über dem Tal. Davon blieben aber nur kümmerliche Reste wie einige Mauern und Türmchen. Immerhin hat man von oben einen guten Blick auf Birkenfeld - und kann das Regierungsviertel aus der Oldenburger Zeit erspähen. Das architektonische Erbe der "sturmfesten und erdverwachsenen Niedersachsen", wie es in deren Hymne heißt, prägt Birkenfeld bis zum heutigen Tag. Kurios. . .

birkenfelder-land.de


Zum Thema:

Auf einen BlickDas Landesmuseum Birkenfeld ist außer an Feiertagen dienstags bis donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12.30 und 13.30 bis 15 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr (bis Oktober) geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene drei Euro, für Familien sechs Euro. Führungen sind nach Vereinbarung möglich; Tel.: (0 67 82) 9 83 45 74.Tourist-Information des Birkenfelder Landes, Tel.: (0 67 82) 9 83 45 70. Für Kultur- und Geschichtsinteressierte bietet die Tourist-Info auch Audio-Stadt-Touren. in