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King-Size-Crew bittet zum Tanz

Saarbrücken. Manchmal ist die Welt ganz anders, als sie zu sein scheint. Wenn von jungen Einwanderern die Rede ist, geht es zum Beispiel meistens um Probleme. Dass man an junge Einwanderer denkt, wenn die Worte "Disziplin und Ehrgeiz" fallen, ist dagegen eher selten. Zu Unrecht, wie Melody Adjdadi findet Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Manchmal ist die Welt ganz anders, als sie zu sein scheint. Wenn von jungen Einwanderern die Rede ist, geht es zum Beispiel meistens um Probleme. Dass man an junge Einwanderer denkt, wenn die Worte "Disziplin und Ehrgeiz" fallen, ist dagegen eher selten. Zu Unrecht, wie Melody Adjdadi findet. "Disziplin und Ehrgeiz", sagt der 32-Jährige, sind ganz wichtig für die jungen Leute, mit denen er zu tun hat. Melody Adjdadi ist - unter anderem -Breakdance-Trainer.


King-Size-Crew nennt sich die Gruppe, mit der Melody Adjdadi seit Jahren erfolgreich ist - europaweit. "Es gab wenige Gruppen hier in Saarbrücken. Wir waren die einzigen, die raus aus dem Saarland sind und Preise gewonnen haben", sagt Alexander Solomon, der mit Melody Adjdadi die King-Size-Crew leitet und mit ihm vor einem Jahr den Verein "Academy of Urban Dance Arts" gegründet hat.

Die Wettbewerbe in anderen Ländern, der "Zusammenhalt und der kulturelle Austausch", habe ihnen viel gebracht sagt Melody Adjdadi. Deshalb hat die King-Size-Crew vor fast einem Jahrzehnt begonnen, Breakdancer aus ganz Europa nach Saarbrücken einzuladen. "Wir wollen Präsenz zeigen, darauf aufmerksam machen: In Saarbrücken ist auch was." "Ready 2 Rumble" nennt sich die Europameisterschaft der Breakdancer in Saarbrücken. Am Samstag, 4. Dezember, lädt die King-Size-Crew zum siebten Mal dazu ein. Ab 17.30 Uhr steigt der Wettkampf im VHS-Zentrum am Schlossplatz.



Sechs Gruppen, "alles Profitänzer", wie Alexander Solomon sagt, sind eingeladen: jeweils ein Team aus Belgien, Frankreich, Holland und der Schweiz sowie zwei Gruppen aus Deutschland. Zehn weitere Gruppen können sich anmelden, müssen allerdings auf eigene Kosten anreisen, erklärt Alexander Solomon.

Im Wettbewerb treten fünf gegen fünf Tänzer an. Eine internationale Jury mit Experten aus der Schweiz, Frankreich und Spanien bewertet die Leistungen unter anderem danach, wie ausgefeilt die Technik der Tänzer ist, wie kreativ ihre Darbietung ist, welche Ausstrahlung die Gruppe hat - und ob es ein Gruppengefühl gibt. Es gebe viele gute Einzeltänzer, die topfit sind und große Akrobatik zeigen, sagen die Trainer. Aber das heißt noch lange nicht, dass der Teamgeist stimmt.

Der ist der King-Size-Crew wichtig. Und sie achtet darauf, "dass auch jüngere Gruppen eine Chance haben und Erfahrungen sammeln können".

"Die Kleinen unterstützen", das sei der King-Size-Crew von Anfang an wichtig gewesen. Das heißt nicht nur "viel Training" in den Jugendzentren und im Saarbrücker Fitness-First-Studio. Das heiße eben auch "Disziplin und Ehrgeiz". Breakdance sei Hochleistungssport, erklärt Melody Adjdadi. "Bei uns raucht deshalb kaum einer. Und wenn einer schlecht in der Schule ist, darf er weniger trainieren und muss erstmal mehr für die Schule tun", sagt der Trainer. Und da Breakdance "süchtig" nach noch mehr Breakdance mache, arbeite da mancher plötzlich sehr viel für die Schule. "Wir wollen darauf auf- merksam machen: In Saarbrücken ist auch was."

Melody Adjdadi