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Kinderfragen als Basis aller Philosophie

Saarbrücken. Was macht Bücher zu philosophischem Werkzeug für Kinder? Sind alle Kinder geborene Philosophen? Diese Fragen stellen sich beim Motto der Kinder- und Jugendbuchmesse, "Ganz philosophisch". Hans- Ludwig Freese habe die These geprägt "Kinder sind Philosophen" Von SZ-Mitarbeiterin Ruth Rousselange

Saarbrücken. Was macht Bücher zu philosophischem Werkzeug für Kinder? Sind alle Kinder geborene Philosophen? Diese Fragen stellen sich beim Motto der Kinder- und Jugendbuchmesse, "Ganz philosophisch". Hans- Ludwig Freese habe die These geprägt "Kinder sind Philosophen". "Das war natürlich auch provokativ gemeint, das stimmt ja so nicht", findet Philosoph, Theologe und Erziehungswissenschaftler Hans-Bernhard Petermann aus Heidelberg. "Aber wir müssen die Kinder wie Philosophen nehmen, bei dem, was sie bemerken und bei den Fragen, die sie stellen." Das setze eine Kompetenz voraus zuzuhören, ernst zu nehmen und aufmerksam zu sein gegenüber Kindern. Petermanns Buch "Kann ein Hering ertrinken? Philosophieren mit Bilderbüchern", zu dem er auf der Buchmesse ein gleichnamiges (und bereits ausverkauftes) Impuls-Atelier leiten wird, verfolgt den Ansatz, wie man durch das Betrachten von Bildern in Gespräche reinkommen und Fragen reifen lassen kann. Texte und Bilder müssten als Impuls-Geber wirken und Nachfragen wecken.Klingt einfacher, als es ist. Viele, auch hoch gelobte Bücher hält Petermann schlicht für ungeeignet. Petermann: "Gaarders ,Sophies Welt' ist da ein schlechtes Buch, Philosophie wird hier einfach nur geschildert über hunderte Seiten. Kinder finden das langweilig, jedenfalls sehe ich das an ihren Reaktionen. Der Leser wird bei Gaarder nicht ins eigene Fragen hineingeführt." Gelungene Bücher machen nachdenklich. Jürg Schubiger oder Franz Hohler etwa würden das spielend schaffen, durch poetische Strukturen und verdrehte Sätze, die in verdrehte Welten führen und "Was ist das?"-Erlebnisse wachrufen. Auch bei Paul Maars "Herr Bello" funktioniere es mit dem merkwürdigen Hunde-Menschen und seiner speziellen Sprache. Als Erwachsener gerate man bei solchen Büchern auch ins Stocken.



Was die Bilderbücher beträfe, da zeige sogar Helmut Spanner mit seinem Katzenkampf in "Ich bin die kleine Katze" philosophische Ansätze. "Da sieht man auf den ersten Blick nur fünf Pfötchen und drei Augen. Man muss eben genau hinsehen." Dann komme man oft ins Grübeln. Warum sind die Dinge so, wie sie sind? Ist die Blume, die ich sehe, auch in meinem Kopf? Was macht eine Katze aus? Petermann: "Bilder müssen einerseits zum Staunen anregen, das ist ganz eklatant, aber sie müssen für Kinder auch erkennbar, lesbar sein." Viele Künstler würden sich zu sehr verkünsteln. Erlbruch liebe er zwar, sein "Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" sei toll für Kinder, aber "Tod und Tulpe" oder "Am Anfang" seien eindeutig Erwachsenenbücher. Künstlerischer Ansatz und Lesbarkeit müssen sich aber nicht widersprechen. "Rotraut Susanne Berner beispielsweise bekommt diese Balance bewundernswert hin", so Petermann. Ihre Karlchen-Geschichten, die Wimmelbücher, sind für Kinder unmittelbar verständlich und doch künstlerisch.

Mehr als 20 Jahre war Petermann Gymnasiallehrer, seit über zehn Jahren unterrichtet er an der pädagogischen Hochschule in Heidelberg Philosophie und beschäftigt sich schon lange intensiv mit Kinderphilosophie. Gerade leitet er eine Kinder-Akademie für 3. und 4. Klassen, da geht's unter anderem auch hinaus in die Natur, um den tieferen Sinn in den Dingen aufzuspüren. "Kinder haben da viele Fragen, für sie ist ja noch alles neu, Kinderfragen ernst nehmen, das ist die Basis aller Philosophie" findet Petermann.

Im Impuls-Atelier in der K4 Galerie wird er zeigen, wie man beim Bilderbetrachten die eigene Sichtweise anstoßen und das Staunen lernen kann.

Auf einen Blick

Impulsateliers für Erwachsene: Nicht nur Kinder und Jugendliche werden bei den zahlreichen Veranstaltungen der Kinder- und Jugendbuchmesse (13.-17. Mai im Schloss) angesprochen. Für Lehrer, Erzieher und Eltern geben Verlagsleiter, Buchhändler und Pädagogen Ratschläge, Tipps und Impulse für den Umgang mit Büchern, erklären zum Beispiel wie ein mehrsprachiges Buch entsteht (Mittwoch, 13. Mai, 14 Uhr) oder zeigen in einem kleinen Marktplatz die Vielfalt der mehrsprachigen Bücherangebote (Mittwoch, 13. Mai, 15.30 Uhr) Für diese Veranstaltungen sind noch Plätze frei. Anmeldung unter (0681) 93 88 333.Bücherflohmarkt: Kinder und Jugendliche, die Bücher tauschen, verkaufen oder sogar verschenken wollen, können das am Samstag, 16. Mai, bei der Kinder- und Jugendbuchmesse auf dem Schlossplatz. Bei Regen steht die Zeltlounge auf dem Schlossplatz zur Verfügung. Um 10 Uhr geht's los. Standgebühr wird nicht erhoben.

Kontakt: Tel. (0681) 93 88 333. rr

www.buchmesse-saarbruecken.de