| 21:10 Uhr

Kinder schreiben für Kinder"Woher kommt die Welt?"

Saarbrücken. Sie in der Hand zu halten, ist ein Gedicht. Sie zu lesen, ein Vergnügen. Jedes der Bücher, die der Verein Buchkinder Leipzig veröffentlicht, ist ein kleines Kunstwerk. Alle Geschichten sind von Kindern erfunden, aufgeschrieben und illustriert. "Das Fert bin ich", beginnt eine der Geschichten, "Es war einmal ainä Fauarwahrkatze" eine andere Von SZ-Mitarbeiterin Alexandra Raetzer

Saarbrücken. Sie in der Hand zu halten, ist ein Gedicht. Sie zu lesen, ein Vergnügen. Jedes der Bücher, die der Verein Buchkinder Leipzig veröffentlicht, ist ein kleines Kunstwerk. Alle Geschichten sind von Kindern erfunden, aufgeschrieben und illustriert. "Das Fert bin ich", beginnt eine der Geschichten, "Es war einmal ainä Fauarwahrkatze" eine andere. "Wir korrigieren bei Schreibanfängern keine Rechtschreibfehler, weil Kinder in diesem Alter einen viel größeren Wortschatz haben, als sie schreiben können. Und wir legen Wert darauf, dass sich die Kinder ausdrücken, mit allen Worten, die ihnen zur Verfügung stehen", sagt Rulo Lange. 2001 gründete der Lehrer den Verein Buchkinder Leipzig, der inzwischen mehr als 100 Bücher von Kindern veröffentlicht hat. Die meisten Titel erscheinen in einer Auflage von nur 19 Exemplaren und sind mit Originalgrafiken versehen. Einige wenige wurden für den Buchhandel in größeren Stückzahlen gedruckt. Zur Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse ist Rulo Lange zusammen mit einem der Buchkinder, dem elfjährigen Arne Estelmann, angereist. Der Andrang am Messestand in der obersten Etage des Saarbrücker Schlosses ist groß. Denn die Bücher sind so schön, dass auch Erwachsene nicht widerstehen können. Die Idee ist wunderbar. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sie nicht auch in Saarbrücken Nachahmer fänden. Nachahmer finden, das ist es, was Rulo Lange sich wünscht. Deshalb ist er zur Kinder- und Jugendbuchmesse gekommen, wo die Buchkinder Leipzig bereits im vergangenen Jahr einen Stand hatten. "Damals hatten sich acht Frauen eingetragen, die sich vorstellen konnten, die Buchkinder Saarbrücken zu gründen", erzählt Lange. Doch dann sei wohl zu viel Zeit ins Land gegangen, ehe er von Leipzig aus mit den gründungswilligen Saarbrückerinnen in Kontakt trat. "Da war die Euphorie wahrscheinlich schon verflogen", vermutet Lange. Deshalb unternimmt er jetzt einen zweiten Anlauf und sammelt die Namen und Adressen von Menschen, die Kindern auch im Saarland die Möglichkeit geben wollen, eigene Bücher zu gestalten. "Ein Buch braucht Zeit", weiß Rulo Lange. Text und Bild gehen dabei immer Hand in Hand. Arne Estelmann, Autor von "Kapitän Enterhaken I und II", "Die Nussknacker" und "Löwe Leopold", ist mit der Technik des Linolschnitts schon so vertraut, dass er auch die Flugzettel zur Ankündigung der täglichen Lesungen am Messe-Stand kurzerhand als Linoldrucke herstellt. Täglich um 12 Uhr lesen Arne und Rulo Lange aus Büchern der Buchkinder Leipzig vor. Zu hören gibt es unter anderem die Geschichte eines pfiffigen Bären, der sich vor dem Jäger schützt, indem er sich hinter dem Lauch versteckt - und als "Bärlauch" verschont bleibt.Buchkinder Leipzig: 9. Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse: Saarbrücker Schloss, 3. OG links. Saarbrücken. Warum müssen Menschen sterben? Warum regnet es? Können Tiere sprechen? "Wenn Kinder eine philosophische Frage stellen, möchten sie von uns keine Antwort, sondern suchen das Gespräch", sagt Katharina Zeitler. Im Rahmen der 9. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse, die gestern im Schloss eröffnet wurde, erklärte die Mitarbeiterin der Münchner Akademie "Kinder philosophieren" in einem Workshop, wie man mit Kindern über existenzielle Fragen sprechen kann. "Woher kommt die Welt?" hieß das Thema des Impulsateliers, zu dem rund 30 Erzieherinnen, Bibliothekarinnen und Mütter gekommen sind. In Dreiergruppen beugen sie sich über ein Arbeitspapier, das Katharina Zeitler mitgebracht hat. "Es geht darum, Kriterien für philosophische Fragen herauszufinden, die dabei helfen, philosophische Fragen von anderen Fragen zu unterscheiden", erklärt Zeitler das Ziel der zweistündigen Veranstaltung. Anders als bei Wissensfragen gehe es bei philosophischen Fragen "nicht um eine Antwort, die man irgendwo nachschlagen oder erfragen kann". Vielmehr geht es um "mehrere mögliche Standpunkte - abhängig von den Überzeugungen und Wertvorstellungen des Einzelnen". Bis Sonntag lädt die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse zu zahlreichen weiteren Veranstaltungen ein. Viele der Lesungen, Workshops, Filme und Mitmachangebote setzen sich gemäß dem Motto der diesjährigen Messe, "Ganz philosophisch", mit dem Philosophieren auseinander. rae