| 21:12 Uhr

Comedy
Keine Angst vor Peinlichkeiten

Sascha Grammel verbindet auf der Bühne seine Leidenschaften Puppenspiel und Bauchreden. Von Benjamin Rannenberg

Herr Grammel, Sie touren mit Ihrer Show „Ich find‘s lustig“ und Ihrem Puppen-Ensemble durch die ganze Republik. Gibt es Tage an denen Sie die einfach gestrickte Schildkröte Josie lieber spielen als den trotteligen Doppel-Hamburger Prof. Dr. Peter Hacke?


Grammel: Ja, die gibt‘s tatsächlich, denn auch ich habe so etwas wie eine Tagesform, bin zum Beispiel einfach mal ganz besonders albern und abgedreht drauf, dann liegt mir natürlich Professor Hackes skurrile Art näher als zum Beispiel die naive, eher emotionale Erlebniswelt von Josie. Aber ich denke, dass das Publikum diese kleinen alltäglichen Stimmungsschwankungen beim Puppenspiel nicht bemerken wird.

Sie haben einen eigenen Puppen-Comedy-Stil entwickelt. Braucht man Talent, um Bauchreden zu lernen?



Grammel: Ich denke, theoretisch kann jeder Bauchreden lernen. Weil wir eigentlich alle die dazu nötigen körperlichen Voraussetzungen von Mutter Natur und Papa Evolution mitbekommen haben. Die zu erlernende Technik ist für jeden dieselbe, nur fällt‘s dem einen leichter als dem anderen.

Fürchten Sie sich als Bauchredner vor peinlichen Momente während der Show?

Grammel: Früher hatte ich immer echte Panik davor, dass ich auf der Bühne den Text vergessen könnte. Heute vergesse ich ständig auf der Bühne den Text, habe aber inzwischen gelernt, dass gerade diese in Anführungsstrichen fehlerhaften Momente in der Show vom Publikum mit am meisten geliebt werden. Weil es mal kurz nicht perfekt ist. Ich fürchte mich also nicht mehr vor peinlichen Momenten, sondern sehe sie inzwischen eher als eine Art Angebot, etwas Neues zu kreieren.

Sie und Ihre Puppen nehmen einander nicht sonderlich ernst. In den Nummern lachen Sie über diese und lassen die Puppen über sich lachen. Fühlen Sie sich durch diesen Humor auf besondere Weise mit Ihren Puppen verbunden?

Grammel: Ohne Frederic, Josie, und Professor Hacke gäb‘s mich gar nicht. Die Big Three haben fast im Alleingang das erste Programm „Hetz mich nicht!“ getragen. Das war der große Moment, aus meiner Leidenschaft Puppenspiel und Bauchreden meinen Beruf zu machen. Ohne meine Puppen wäre ich wohl immer noch Zahntechniker - und zwar ein echt lausiger. Daher habe ich sowieso ein besonderes Verhältnis zu Frederic, Josie und Co.

Ihre Puppen unterscheiden sich in Temperament, Mimik, Sprechtempo und Stimme. Wie sind Sie darauf gekommen, eine Puppe wie die berlinernde Fischkatze Mieze zu erfinden?

Grammel: Ich liebe einfach Albernheiten und da kann es dann schnell mal passieren, dass am Ende des Tages eine neue Puppe, die aussieht wie ein Fisch, aber meint, sie wäre eine Katze, auf dem Schreibtisch sitzt. Bei Professor Hacke war es so, dass ich das Thema Ernährung, Diäten, Kochen und so weiter unbedingt im Programm haben wollte, und da bot sich ein sprechender Hamburger mit Doktor- und Professortitel irgendwie an.

Vor einigen Jahren sah man Sie im Fernsehen mit Ihrem Adler-Fasan Frederic Freiherr von Furchensumpf. In einer Nummer erwiderte der „Noch so‘n Ding und ich geh‘ zu René Marik“. Schätzen Sie das, was Ihr Comedian-Kollege René Marik macht?

Grammel: René mag ich sehr! Seine bewusst reduzierte Art ist unverwechselbar, sein Maulwurf zu Recht Kult. Und wer weiß, vielleicht hat sein damaliger riesiger Internet-Erfolg eben mit „Maulwurfn“, „Zehage“ und so weiter auch ein bisschen die Tür für meine Art Puppet-Comedy geöffnet.

Ihre Bühnenkunst wurde etliche Male prämiert. Steckt auch harte Arbeit und viel Selbstdisziplin hinter diesen Erfolgen?

Grammel: Ach, überhaupt gar nicht. Ich gehe jeden Abend auf die Bühne und lasse mir spontan etwas einfallen. Nein, natürlich nicht! Am aktuellen „Ich find‘s lustig“-Programm haben mein Team und ich 18 Monate gewerkelt. Man muss sich nur mal den Abspann auf meinen DVDs anschauen, wie viele Menschen inzwischen hinter den Kulissen am jahrelangen Erfolg des Ganzen mitarbeiten. Und eine Regel gilt auch für meine Kunst: Damit etwas leicht aussieht, muss man meist dafür schwer gearbeitet haben.

Die Fragen stellte Benjamin Rannenberg.

Ich find‘s lustig, Mittwoch, 13. Dezember, Saarlandhalle, Beginn 20 Uhr.