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Kein Ort für Kerzen und Draht

Die Grünflächenabteilung der Stadt muss viel Geld aufwenden, um den Müll, der in den Homburger Friedhöfen anfällt, zu trennen. Denn vieles, was auf den Grünschnitthaufen geworfen wird, gehört dort gar nicht hin. Verblühte Stiefmütterchen hingegen schon. Fotos: dpa
Die Grünflächenabteilung der Stadt muss viel Geld aufwenden, um den Müll, der in den Homburger Friedhöfen anfällt, zu trennen. Denn vieles, was auf den Grünschnitthaufen geworfen wird, gehört dort gar nicht hin. Verblühte Stiefmütterchen hingegen schon. Fotos: dpa
Homburg. Werden die Friedhofsgebühren erhöht, trifft es oft alleinstehende Witwer oder Witwen, die das Geld nicht locker ausgeben können. Andererseits treibt eine gedankenlose Müllentsorgung auf den Friedhöfen die Kosten nach oben, weil eine Fremdfirma engagiert werden muss. maa

Manchmal ist es Gedankenlosigkeit, Faulheit - oder einfach nur Unwissenheit, wenn man auf den Friedhöfen Dinge hinterlässt, die dort nicht hingehören. "Wir bieten schon seit Jahren auf unseren 14 Friedhöfen ein Trennsystem für Friedhofsabfälle bereit", erklärt Manfred Schmidt, Leiter der Grünflächenabteilung der Stadt, "damit soll den Friedhofsbesuchern eine umweltgerechte Entsorgung der Friedhofsabfälle ermöglicht werden." Doch leider funktioniere das System nicht so gut, wie man sich das erhofft.

Denn die Friedhofsbesucher entscheiden oftmals nach eigenem Gutdünken, was sie für organisch halten und was nicht. Und so finden die städtischen Mitarbeiter nicht selten Papier, Pappe oder Holzobjekte im Grünschnitt. Alles Materialien, die dort nicht hingehören. "Würden wir nur echte organische Abfälle vorfinden, könnten wir den Grünschnittcontainer einfach zur Kompostieranlage fahren, und das würde uns nichts kosten," erklärt Schmidt. Doch leider sei dies derzeit unmöglich, weil die organischen Abfälle wie Pflanzen, Laub und Schnittgut mit anderem Abfall wie Kunststoff, Papier und Glas vermischt würden. "Damit verweigert die Kompostieranlage die Annahme", erklärt Schmidt.

Mit dem Ergebnis, dass die Container erst zu einer Firma gefahren werden, die den Friedhofsabfall mit großem Aufwand trennt, bevor er dann entsprechend entsorgt wird. Hierbei können Kosten, je nach Verschmutzungsgrad, von bis zu 200 Euro je Tonne anfallen. Diese Kosten, sagt Schmidt, müssten dann über Friedhofsgebühren wieder reingeholt werden: "Es ist aber doch ärgerlich, wenn Friedhofsgebühren wegen falscher Mülltrennung erhöht werden müssten." Derzeit sei festzustellen, "dass so gut wie jeder Abfallbehälter für pflanzliche Abfälle Fremdstoffe enthält", betont Manfred Schmidt. Diese reichten von Grabkerzen, Zeitungs- oder Packpapier über Glas bis hin zu Plastikabfällen und Drähten. Und welche Teile haben den größten Anteil an den Verunreinigungen? Manfred Schmidt kann die Objekte benennen: Kerzen und Kerzenbehälter aus Plastik sowie Plastik- und Metall, das in Kränzen und Gestecken benutzt wird. Wenn hier Floristen und Kunden zusammenarbeiten, könnten sicherlich einige Dinge "organischer" geregelt werden.

Man kann sich bei Fragen ans Grünflächenamt der Stadt wenden, Tel.: (0 68 41) 10 16 11


Zum Thema:

Auf einen BlickFriedhofsabfälle, die in den Behälter für organische Abfälle gehören: Blumensträuße, Kränze und Grabgestecke - aber nur ohne Binde-, Halte-, und Dekorationsmaterial. Grabpflanzen und Pflanzenreste, Baum-, Strauch- und Heckenschnitt, Wildkräuter, Laub, Rasenschnittgut.Friedhofsabfälle, die in den Restabfall gehören, falls sie nicht dem Wertstoffsystem zugeführt werden können: Grabkerzen, Blumenvasen, Blumentöpfe, Blumenanzuchtbehälter, Steine jeder Art, auch künstliche Steine, defekte Werkzeuge, abgebrochene Holzstiele, defekte Gießkannen, Blumensträuße, Kränze und Grabgestecke mit Binde-, Halte- und Dekorationsmaterial, Papier, Packpapier, Kartonagen, Plastik, Holzkreuze, Glas und Erdmassen. Dafür stehen auf dem Friedhof keine Behälter zu Verfügung. Diese Abfälle müssen anderweitig entsorgt werden. red

Oft sind unter den Blumengestecken Draht und Plastik verborgen. Doch diese Materialien gehören nicht auf den Kompost.
Oft sind unter den Blumengestecken Draht und Plastik verborgen. Doch diese Materialien gehören nicht auf den Kompost.