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Trier
Kardinal Marx fühlt sich „ein wenig marxistisch“

Trier. Zum 200. Geburtstag des Philosophen Karl Marx haben sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Trierer Bischof Stephan Ackermann mit dessen wirtschaftswissenschaftlichen Lehren auseinandergesetzt. Die „sozialen, politischen und ökologischen Folgen eines ungebremsten Kapitalismus“ ließen sich nicht allein mit wirtschaftlichem Wachstum auffangen, sagte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Samstag in Trier. In der Finanzkrise habe sich gezeigt, dass ein globaler Kapitalismus, dem das Soziale untergeordnet werde, ein Irrweg sei.

Der Kardinal, der von 2002 bis 2008 Bischof in der Geburtsstadt seines Namensvetters war, verwies auf die Wirtschaftsgeschichte der vergangenen 200 Jahre. Es habe zwar große ökonomische Fortschritte und Wachstum gegeben, aber auch Inflation, Ungleichheit sowie Kriege. „Man kann sagen: Das hat mit der Ökonomie doch gar nichts zu tun. Da bin ich doch ein wenig marxistisch und sage: Halt, Freunde, die sozialen Verhältnisse sind auch in einer Relation zu sehen mit dem, was hier passiert. Mit Verteilungskämpfen: Wer hat verloren? Wer hat gewonnen?“, erklärte Marx.


Am Freitagabend hatte der Trierer Bischof Stephan Ackermann gesagt, das Jubiläum von Karl Marx fordere dazu heraus, zu unterscheiden, welche Anteile des Marx‘schen Denkens „in ihrer Auswirkung zu Menschenverachtung und Unterdrückung geführt haben“ und welche Anliegen heute noch gültig seien. Darunter sei die Forderung, „dass etwa die Wirtschaft dem Menschen zu dienen hat und nicht umgekehrt“.

Am 5. Mai jährt sich der Geburtstag des 1818 in Trier geborenen Karl Marx zum 200. Mal. Die Aufstellung einer großen Karl-Marx-Statue aus China hatte zuletzt heftige Kritik ausgelöst. Denn Marx war einer der geistigen Väter des Kommunismus, der auch viel Leid verursacht hatte.