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Kann Kunst zu anspruchsvoll sein?

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Walzinger in Saarlouis zeigt unter anderem dieses Werk des verstorbenen Künstlers Jesus Raphael Soto aus Venezuela. Foto: Thomas Seeber
Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Walzinger in Saarlouis zeigt unter anderem dieses Werk des verstorbenen Künstlers Jesus Raphael Soto aus Venezuela. Foto: Thomas Seeber
Saarlouis. Was man sieht, bekommt man auch: In diesem Fall keinen Kultusminister, denn die vereisten Straßen hatten Ulrich Commercon abgehalten, als Schirmherr der aktuellen Ausstellung der Saarlouiser Galerie Walzinger bei der Vernissage dabei zu sein Von SZ-Mitarbeiterin Sabine Graf

Saarlouis. Was man sieht, bekommt man auch: In diesem Fall keinen Kultusminister, denn die vereisten Straßen hatten Ulrich Commercon abgehalten, als Schirmherr der aktuellen Ausstellung der Saarlouiser Galerie Walzinger bei der Vernissage dabei zu sein. Dieser Anspruch erfüllte sich nicht, doch ansonsten fand sich Antwort auf die Frage "Anspruch oder zu anspruchsvoll?", mit der Anita und Axel Walzinger die Ausstellung überschrieben haben."Das hat seinen Grund", erklärte Axel Walzinger seinen Gästen. Als er vor ein paar Wochen bei der Redaktion des "Kulturspiegels", dem Kulturmagazin des SR-Fernsehens anfragte, ob man einen Beitrag über seine Galeriearbeit drehen wollte, bekam er zur Antwort: Tut uns leid, aber die Ausstellungen der Galerie seien zu anspruchsvoll. Würde er Arbeiten von Rockveteran und Nebenbeimaler Udo Lindenberg zeigen, komme man gerne vorbei. So berichtete es Axel Walzinger dem Publikum.


"Das ist eigentlich ein Kompliment", stellte er fest und sagte sich dennoch: Jetzt erst recht mit Anspruch, "denn etwas anderes können wir vor unserem Publikum nicht verantworten", vor allem nicht nach 32 Jahren Galeriearbeit, fügte Anita Walzinger hinzu.

Daher versammelten sie 26 meist kleinformatige Arbeiten aus der Sammlung seiner Galerie. Darunter sind, so vermerkt es die Einladung, neun - zum Teil mehrfache - Teilnehmer an der Kasseler documenta, bekanntlich so etwas wie die Weltausstellung der Kunst. Mit Namen: Leo Erb, Rupprecht Geiger, Heijo Hangen, Almir Mavignier, Jo Niemeyer, Günter Uecker, Erich Reusch, Jesus Raphael Soto und Victor Vasarely. Nicht zu reden von Leo Kornbrust, Eva Niestrath, Hartmut Böhm, Dirk Verhaegen und weiteren angesehenen Vertretern der Konkreten Kunst, die seit Jahrzehnten zum festen Stamm der Galerie gehören.

Auch deshalb beschäftigte sich die Einführung in die Ausstellung von Cornelieke Lagerwaard, Leiterin des Stadtmuseums St. Wendel, damit, was "anspruchsvoll" in gutem wie im schlechten Sinn bedeutet, bemühte allerlei Definitionen, prüfte gewitzt und klug mit dem Ergebnis: Meist ist es ein Vorurteil, noch verstärkt, wenn Populäres oder Kitsch zum Thema der Kunst wird und ins Museum wandert, das damit zum Teil der Unterhaltungsindustrie wird, erinnerte Cornelieke Lagerwaard. Dagegen ist die Konkrete Kunst "bloß leise" und das komme heute nicht mehr so gut an. Dabei verlangt die Konkrete Kunst noch nicht einmal große Kenntnisse der Kunstgeschichte: "Hinschauen ist das Wichtigste", sagte Cornelieke Lagerwaard. Sie ist "die reinste Variante der Bildenden Künste", weil sie das ist, was sie zeigt: ein Bild oder ein Objekt. "Das könnte man ideal übers Fernsehen vermitteln", stellt sie fest. Könnte, wie gesagt. In die Galerie gehen und hinsehen jedoch kann man immer und jederzeit.

Ausstellung: bis Samstag, 9. März; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr