| 20:26 Uhr

Rheinland-Pfalz
Kandel wehrt sich gegen rechte Aufmärsche

Kandel. Das neue Bündnis „Wir sind Kandel“ will mit friedlichen Aktionen dagegen angehen, dass Rechtsextreme aus ganz Deutschland die südpfälzische Stadt weiter zu ihrem Aufmarschgebiet machen. „Wir wollen auf kreative Weise und mit ein bisschen Humor unseren Standpunkt deutlich machen“, sagte Pfarrerin Mirjam Dembek. Sie gehört wie ihr Ehemann Arne dem Organisationsteam der Initiative an. Gewaltfrei und Spannungen vermeidend werde man auf Rassismus sowie Fremden- und Demokratiefeindlichkeit reagieren – etwa mit Kunstaktionen und Informationsveranstaltungen.

Das neue Bündnis „Wir sind Kandel“ will mit friedlichen Aktionen dagegen angehen, dass Rechtsextreme aus ganz Deutschland die südpfälzische Stadt weiter zu ihrem Aufmarschgebiet machen. „Wir wollen auf kreative Weise und mit ein bisschen Humor unseren Standpunkt deutlich machen“, sagte Pfarrerin Mirjam Dembek. Sie gehört wie ihr Ehemann Arne dem Organisationsteam der Initiative an. Gewaltfrei und Spannungen vermeidend werde man auf Rassismus sowie Fremden- und Demokratiefeindlichkeit reagieren – etwa mit Kunstaktionen und Informationsveranstaltungen.


Anlässlich einer für den heutigen Samstag in der 8500-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Germersheim geplanten rechtspopulistischen Demonstration hat „Wir sind Kandel“ zu einem „Gegenprotest“ aufgerufen. Dieser wird neben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auch von zahlreichen Vertretern aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft unterstützt.

Das Bündnis geht am Samstag von rund 800 bis 1000 Gegendemonstranten aus. Rund 2000 Teilnehmer werden zu der Demonstration erwartet, zu der Landtagsabgeordnete der AfD und rechtsextreme Netzwerke aufgerufen haben. Hintergrund ist der gewaltsame Tod eines 15-jährigen Mädchens vor mittlerweile fast drei Monaten. Als mutmaßlicher Täter gilt ihr Ex-Freund, ein angeblich minderjähriger afghanischer Flüchtling.



„Wir sind Kandel“ entsteht derzeit nach den Worten des Pfarrer-Ehepaars Dembek als breites gesellschaftliches Bündnis und erhalte zahlreiche Sympathiebekundungen und Unterstützungsangebote. Ihm gehören Vertreter aus Verbänden, Vereinen, Parteien, Kirchengemeinden sowie Einzelpersonen an. Rund 150 Kandeler seien zu einer Versammlung im Vorfeld eines großen rechtspopulistischen Aufmarsches am ersten Märzwochenende gekommen. Daran hatten sich rund 4000 Demonstranten und 500 Gegendemonstranten beteiligt. Mit einer Luftballon-Aktion hatte „Wir sind Kandel“ ein Zeichen gesetzt, das weithin „positiven Anklang“ gefunden habe, wie Pfarrer Dembek berichtet.

Nach der Tötung des Mädchens sei auch auf ihn und seine Ehefrau bis Mitte Januar ein regelrechter „Shitstorm“ aus beleidigenden und fremdenfeindlichen Hass-Mails und anonymen Telefonanrufen eingeprasselt, erzählt der Pfarrer. Er hatte das getötete Mädchen vor zwei Jahren konfirmiert und auch den Trauergottesdienst gestaltet. Das Presbyterium und die Speyerer Kirchenleitung stärkten dem Pfarrerehepaar Dembek den Rücken. „Das war eine große Stütze“, sagte Dembek, der rechtliche Schritte gegen die anonymen Absender der Hass-Mails prüfte. Die Anfeindungen seien jedoch kaum zurückzuverfolgen.

Mirjam und Arne Dembek glauben, dass das braune Gespenst noch einige Zeit in Kandel umhergeistern wird. „Das Problem bleibt uns erhalten, es wird nicht schnell verschwinden“, sagte Arne Dembek. Auch die Gefühle in der Bevölkerung seien durch den Medienrummel und die häufigen rechtsextremen Kundgebungen in Folge der Bluttat aufgewühlt. Viele Einwohner reagierten darauf verärgert, erzählt Mirjam Dembek. Andere sorgten sich um die Angehörigen des toten Mädchens und fühlten sich benutzt, weil Rechtsextreme und Medien das Ereignis ausschlachteten.