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Kampf um höhere Entschädigung
Forbacher Bergleute ziehen vor das höchste französische Gericht

Forbach. Die Kumpel verlangen eine Entschädigung, weil sie gesundheitsschädlichen Stoffen ausgesetzt wurden. Das letzte Wort hat nun der Kassationshof in Paris. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Seit fünf Jahren beschäftigt der Fall von mehr 700 ehemaligen Bergleuten aus Forbach die französischen Gerichte. Nach zwei gegensätzlichen Entscheidungen ist der Rechtsstreit nun beim Kassationshof – Frankreichs höchstem Gericht – in Paris gelandet.


Dabei geht es um die Frage, ob der ehemalige Grubenbetreiber Charbonnages de France (CdF) seine Vorsorgepflicht verletzt hat, indem er die Bergbauleute gesundheitsschädigenden Stäuben und Formalin ausgesetzt hat. Eine Rolle spielte auch der im französischen Recht anerkannte immaterielle Schaden („préjudice d’anxiété“), die Angst von einer drohenden Erkrankung.

Drei Jahre nachdem 786 Betroffene ihre Klage eingereicht hatten, wurde 2016 das 17-tägige Verfahren eröffnet. Damals fällte das Arbeitsgericht Forbach das erste Urteil in der Sache zugunsten der Bergleute. Entscheidend waren unter anderem ärztliche Gutachten, die belegen, dass das Risiko einer Berufskrankheit bei Bergarbeitern 43 Mal höher ist als in anderen Berufsfeldern. Darüber hinaus sah die Kammer durch die Vorsorgepflichtverletzung des Grubenbetreibers den immateriellen Schaden als erwiesen. Dieser habe zwangsläufig die Lebensqualität der Kläger eingeschränkt.



Zwar wurde den ehemaligen Kumpeln mit dem Urteil Recht gegeben, doch die Entschädigungen von rund 1000 Euro pro Kopf blieben unter ihren Erwartungen. Ihre Anwälte hatten durchschnittlich 10 000 Euro pro Person gefordert (wir berichteten). Deshalb gingen die meisten Kläger in Berufung. Ein Jahr später wurden jedoch alle Klagen vor dem Berufungsgericht in Metz abgewiesen. Diesen Rückschlag wollten die Kläger nicht hinnehmen; sie brachten ihren Fall vor den Kassationshof. Dort soll er am 18. Dezember verhandelt werden. Dabei wird der Fall allerdings nicht mehr inhaltlich verhandelt, sondern das Urteil des Metzer Berufungsgerichts auf Rechtsfehler überprüft. Wird dieses aufgehoben, geht der Rechtsstreit in die nächste Runde vor einem neuen Berufungsgericht.