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Kampf um den Platz am Flügel

Sulzbach. Die "Sulzbacher Meisterkonzerte" sind meistens Konzerte. Doch Leiter Uwe Brandt hat seine Reihe nicht nur als Podium für rein musikalische Darbietungen konzipiert. Durch die Einbeziehung musikalischen Kabaretts möchte Brandt dem Wort einen neuen Gehalt erschließen; denn "konzertieren" bedeutet in seinem ursprünglichsten Wortsinn "kämpfen"

Sulzbach. Die "Sulzbacher Meisterkonzerte" sind meistens Konzerte. Doch Leiter Uwe Brandt hat seine Reihe nicht nur als Podium für rein musikalische Darbietungen konzipiert. Durch die Einbeziehung musikalischen Kabaretts möchte Brandt dem Wort einen neuen Gehalt erschließen; denn "konzertieren" bedeutet in seinem ursprünglichsten Wortsinn "kämpfen". Gekämpft wurde am Freitagabend in der Sulzbacher Aula vor allem um die Vorherrrschaft am Flügel. Detlev Schönauer und Sebastian Voltz rivalisierten in "Jacques Bistro" um den Platz auf dem schwarzen Hocker. Schönauer eröffnete zunächst sein Bistro in seiner bekannt humorigen Art, doch sein Witz war spärlich und erzielte nur wenige Lacher. Auf der Suche nach einem erotischen Hochzeitsständchen betrat dann Voltz die Bühne. Man griff auf den in den 1920er Jahren von Fritz Löhner-Beda geschriebenen und seinerzeit als anzüglich gescholtenen Hit "Was machst Du lieber Hans mit dem Knie beim Tanz" zurück. Voltz bot "Jacques" immer neue Variationen über jenes Thema an, und die Leichtigkeit und glaubhaft gespielte Spontanität, gepaart mit feinster Virtuosität ließ die immer neuen Stilkopien tatsächlich als Einfall des Augenblicks erscheinen; obwohl die "Eskapaden eines Gassenhauers" in Wahrheit aus der Feder Karl Hermann Pillneys stammen. Den Kampf um den Flügel konnte Voltz für sich entscheiden. Und diesen Sieg hatte er nicht allein der Dramaturgie zu verdanken. Schönauers Grimmassen und Slapstik wirkten einfallslos und abgegriffen. Es war eher Voltz's Bistro. anw