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Die kuriosesten Polizeimeldungen im Jahr 2017
Kamerascheu und wild versessen durchs Jahr

Mit dieser Gummipuppe wurde der Blitzer in Dillingen bedeckt.
Mit dieser Gummipuppe wurde der Blitzer in Dillingen bedeckt. FOTO: Polizei Dillingen
Saarbrücken. Sie attackieren Blitzer, suchen ihr Auto, verirren sich auf dem Heimweg oder fallen von der Brücke: ein Überblick über die kuriosesten Meldungen der Saar-Polizei in 2017. Von Johannes Schleuning
Johannes Schleuning

Die zweifelsohne verrückteste Spezies ist der Mensch. Das merkt man, wenn man Donald Trump zu verstehen versucht, oder liest, wie ein anderer, offenbar ebenso geistig begnadeter Mann des nachts lediglich mit roter Unterhose und Mantel bekleidet einen Bürostuhl durch St. Wendel schiebt – einfach so (kuriose Polizeimeldung aus dem Juni 2011). Einen faszinierenden Einblick in das Kuriositäten-Kabinett des Menschseins erhält jedes Jahr die Polizei. Die hat – wie gewohnt – zum Jahresende für die SZ ihr Füllhorn an kuriosen Meldungen ausgeschüttet.


Erfahrene Polizisten haben schon so einiges gesehen, aber der Erfindungsreichtum von Gegnern stationärer Radarkontrollen im Saarland dürfte bei den Beamten dann doch für Erstaunen gesorgt haben. Denn 2017 war auch ein Jahr von mehr oder minder ideenreiche Attacken gegen Blitzer. Auftakt bildeten Ende März zwei Radarsäulen in Saarbrücken, die Unbekannte im Schutze der Nacht auf geradezu historische Weise „bestraften“: Sie wurden geteert und gefedert. Eine Meldung, die bundesweit Schlagzeilen machte – und wohl tausendfach heimliche Schadenfreude provozierte. Wen wundert’s: Dass die Blitzer verhasst sind (außer beim Stadtkämmerer), davon weiß die Polizei ja ein traurig’ Lied zu singen.

Geteert und gefedert: Stationäre Blitzer hatten in diesem Jahr im Saarland einiges auszuhalten. 
Geteert und gefedert: Stationäre Blitzer hatten in diesem Jahr im Saarland einiges auszuhalten.  FOTO: Oliver Dietze / picture alliance / Oliver Dietze

Ein fröhlich’ Lied gesungen hatte im Juni dagegen ein Rentner bei einem Gesangsabend in Oberwürzbach. Doch lang nachdem der letzte Ton verklungen war, sorgte man sich allmählich in einem St. Ingberter Seniorenheim, in dem der stimmgewaltige Rentner wohnte. Denn dieser war dorthin nicht wie gewohnt pünktlich mit dem Taxi zurückgekehrt. Also rief eine Pflegerin die Polizei zu Hilfe. Die machte alsbald einen Gesangskollegen des Rentners ausfindig und erfuhr: Der Mann hatte den Senior im Auto mitgenommen und vor dem Altenheim abgesetzt. Daraufhin wurden Heim und Umgebung von einem Großaufgebot der Polizei durchsucht. Doch keine Spur. Was eigentlich nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, was die Polizei im Laufe der Nacht dann noch weiter erfuhr: Dass der freundliche Herr, der die Mitfahrgelegenheit für den Renter angeboten hatte, diesen nämlich vor dem falschen Altenheim abgesetzt hatte. Wo der arme Mann dann auch wohlbehalten um 4 Uhr morgens wiedergefunden wurde – und endlich ins Bett zum Schlafen konnte.

An Schlaf war dagegen eines Nachts im Juli für zahlreiche Bewohner von Ensdorf nicht zu denken. Ein lauter Knall hatte sie geweckt. Woher der kam? Unbekannte hatten wieder einmal eine stationäre Blitzersäule beschädigt. Genauer: Diesmal hatten sie sie gesprengt. Der Blitzer war erst seit zwei Wochen im Einsatz. Und dann erstmal nicht mehr. Wild versessen ihrem Unmut Luft gemacht hatten Unbekannte zuvor schon mehrfach an einer Radarsäule in Fechingen – indem sie das Gerät wiederholt mit Farbe beschmiert und vorübergehend unbrauchbar gemacht hatten.



Unbrauchbar hatte eine 17-Jährige Anfang September auch ihr Handy gemacht. Was die Polizei nicht weiter beschäftigt hätte, wenn die Jugendliche sich nicht bei dem Versuch, ein Selfie zu schießen, so weit über das Geländer der Wilhelm-Heinrich-Brücke in Saarbrücken gelehnt hätte, dass sie das Gleichgewicht verlor – und in der Saar baden ging. „Glücklicherweise wurde sie nicht verletzt und kam lediglich mit dem Schrecken davon“, wie die Polizei mitteilte.

Mit dem Schrecken davon kam wenig später nun auch mal eine Blitzersäule. Peinlich steif und starr zwar war, was das Kamera-Auge zunächst noch sah. Aber es entpuppte sich auch als sanft und leicht, wenn erst die Luft entweicht. – Unbekannte hatte direkt vor dem Kameraschacht der Radaranlage in Dillingen eine aufblasbare, lebensgroße männliche Sexpuppe gestellt. Obwohl die Polizei „dem Sachverhalt“ eine gewisse Orginalität bescheinigte, betonten die Beamten sogleich gewissenhaft: Das Unbrauchbarmachen von Geschwindigkeitsmessanlagen stelle eine Straftat dar.

Mit einem Wunder klingt das Jahr schließlich aus. Ende November meldet ein Mann in Saarbrücken den Diebstahl seines Autos. Er hatte es auf einem Waldparkplatz hinter einer Gärtnerei geparkt, abgeschlossen und war spazieren gegangen. Als er zurückkommt, ist das Auto weg. Er greift zum Handy und alarmiert die Polizei. Die fahndet nach dem Wagen – und findet ihn kurze Zeit später auf dem Parkplatz des Waldfriedhofs. Etliche Kilometer entfernt vom ursprünglichen Parkplatz. Der Wagen ist in einwandfreiem Zustand. Nichts fehlt. Offenbar auch dem Verstand des Besitzers nicht. „Ebenso wenig stellen die Beamten bei dem Mann Hinweise auf Alkohol-, Medikamten- oder Drogenmissbrauch fest“, heißt es entsprechend im Polizeibericht. Es bleibt: ein Wunder.

Die Liste dieser Polizeimeldungen ließe sich fortsetzen. Die SZ tut dies auch – und zwar wie immer im nächsten Jahr an gleicher Stelle. Bis dahin: Bleiben Sie gesund, lassen Sie Ihre Sexpuppe niemals am Straßenrand zurück und stellen Sie sicher, wenn man Sie freundlicherweise nach Hause gebracht hat, dass sie dort auch wirklich wohnen.

Unbekannte  Taeter haben in der Nacht zum Donnerstag den Ensdorfer Blitzer am Schwalbacher Berg gesprengt.
Foto: Rolf Ruppenthal/ 6. Juli 2017
Unbekannte Taeter haben in der Nacht zum Donnerstag den Ensdorfer Blitzer am Schwalbacher Berg gesprengt. Foto: Rolf Ruppenthal/ 6. Juli 2017 FOTO: Ruppenthal