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Junger Jazz zum alten Film

Saarbrücken. Wenn am Donnerstag im Kunstwerk "Malzeit" in der Scheidter Straße 1 eine Stummfilmvertonung auf dem Programm steht, ist das schon ungewöhnlich. Die aus Fischbach stammende Nicole Johänntgen am Saxofon und das Trio von Rémi Panossian aus Toulouse werden noch dazu alles andere als eine klassische Version dieses Genres bieten Von SZ-Redakteurin Ulrike Conrath

Saarbrücken. Wenn am Donnerstag im Kunstwerk "Malzeit" in der Scheidter Straße 1 eine Stummfilmvertonung auf dem Programm steht, ist das schon ungewöhnlich. Die aus Fischbach stammende Nicole Johänntgen am Saxofon und das Trio von Rémi Panossian aus Toulouse werden noch dazu alles andere als eine klassische Version dieses Genres bieten. Zu den Bildern der Salomé-Verfilmung von Charles Bryant, mit der die Protagonistin Alla Nazimova 1923 für einen Skandal sorgte, werden die Musiker frei improvisieren. Sie versprechen eine "explosive Jazz-Mischung als opulentes Gegenstück zum Film".Das ist ganz im Sinn von Pablo Assandri, dem Leiter des "Institute of Incoherent Cinematography" (IOIC) aus Zürich, das die Stummfilmvertonung präsentiert. "Wir wollen den Stummfilm in die Gegenwart holen", erklärt der Schweizer das Ziel seines Institutes. Das IOIC ist zum ersten Mal in Deutschland. Nicole Johänntgen hat das Gastspiel in der Malzeit vermittelt. Die Saarländerin, die jetzt seit sieben Jahren in Zürich lebt, ist dort schon oft aufgetreten. Außerdem hat die Live-Bühne in der Scheidter Straße gegenüber einem Kinosaal einen großen Vorteil: Es gibt hier eine Konzertmusikanlage. Und die brauchten Johänntgen und ihre Musikerkollegen, um eine moderne Vertonung des Stummfilms zu spielen.



Nicole Johänntgen war letztes Jahr mit dem IOIC in China auf Tour. "Das musst du dir zum Beispeil so vorstellen: Da haben wir - sechs chinesische Musiker und sechs Schweizer - in Peking in einem alten Tempel auf dem Boden gesessen, ein alter Synthesizer in der Mitte" beschreibt die Saxofonistin ihre Tour-Erfahrungen. Der Dirigent habe den Musikern, die den Stummfilm nicht kannten, vorher nur kurz das Konzept erklärt, erläutert Pablo Assandri die Vorgehensweise des Improvisationsorchesters, mit dem das IOIC in China unterwegs war. Im Gegensatz zur klassischen Stummfilmvertonung soll keine historische Version nachgespielt werden. "Wir wollen, dass etwas Neues entsteht", betont Assandri.

Sein Institut, so beschreibt es der Leiter, soll eine "Plattform" bieten für Musiker, die Interesse haben, Stummfilme mit Live-Vertonung zu verbreiten. Dabei wollen er und seine Kollegen gern auch Musiker ansprechen, die sich auf anderen Gebieten einen Namen gemacht haben und denen dieses Metier fremd ist. Den größten Teil der Arbeit des IOIC erledigen die Gründungsmitglieder Pablo Assandri und Martin Boyer. Andere Helfer engagieren sich bei Übersetzungen, Trailern oder der Homepage. Für größere Projekte habe das IOIC unter anderem Unterstützung von der Stadt Zürich erhalten. Mittelfristig suche man noch Sponsoren, sagt Assandri: "In erster Linie steckt aber einfach viel Herzblut in der ganzen Geschichte."

Stummfilmvertonung "Salomé" am Donnerstag, 31. Januar, 20.30 Uhr, im Kunstwerk "Malzeit", Scheidter Straße 1. Tel. (06 81) 9 38 01 98.

Auf einen Blick

Das "Institute of Incoherent Cinematography" (IOIC) ist ein wanderndes Institut mit Sitz in Zürich. Es will den Stummfilm in die Gegenwart holen. Jährlich veranstaltet es einen Stummfilm-Marathon in Zürich, Filmzyklen in der Schweiz und Umgebung sowie eine große Tour ins Ausland. Die aktuelle Saison ist der Weiblichkeit im Stummfilm gewidmet. Bei den Vertonungen wechseln sich Musiker und Ensembles verschiedener Stilrichtungen ab. red

ioic.ch

Alla Nazimova 1923 in Charles Bryants Stummfilm "Salomé". Sie lieferte die Idee für den Film. Foto: doctormacro
Alla Nazimova 1923 in Charles Bryants Stummfilm "Salomé". Sie lieferte die Idee für den Film. Foto: doctormacro