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Ernennung neuer Kommissare
Jung-Polizisten beginnen Dienst ohne Angst

Noch tragen sie den Streifen der Anwärter auf der Schulter. Nach der offiziellen Urkundenübergabe durften sich die 74 neuen saarländischen Kommissare auf Probe jedoch Schulterklappen mit einem silbernen Stern anlegen und das blaue Band um die Polizeimütze durch ein silbernes austauschen.
Noch tragen sie den Streifen der Anwärter auf der Schulter. Nach der offiziellen Urkundenübergabe durften sich die 74 neuen saarländischen Kommissare auf Probe jedoch Schulterklappen mit einem silbernen Stern anlegen und das blaue Band um die Polizeimütze durch ein silbernes austauschen. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Innenstaatssekretär Christian Seel ernannte gestern 74 Polizeianwärter zu Kommissaren. Sie dürfen nun offiziell einen Stern auf der Schulterklappe tragen. Von Stephanie Schwarz

Stolz zeigt Jung-Kommissar Andreas Oberhauser auf seinen Stern, den er zukünftig auf der Schulterklappe tragen wird. „Dieser kleine silberne Stern bedeutet mir so unglaublich viel“, sagt der 28-Jährige aus Tholey. „Er ist die Anerkennung für die harte Arbeit der vergangenen Jahre.“ Die Freude und Erleichterung ist bei den 74 gerade ernannten Kommissaren deutlich zu spüren. Von Stern und Urkunde werden erst einmal ausgiebig Fotos gemacht. „Der Druck der vergangenen dreieinhalb Jahre ist endlich abgefallen“, sagt Oberhauser.


Innenstaatssekretär Christian Seel (CDU) ernannte gestern in der Polizeikaserne auf dem Wackenberg in Saarbrücken 54 Anwärter und 20 Anwärterinnen zu Kommissaren auf Probe. Er dankte den jungen Polizisten, dass sie sich für diesen Beruf entschieden haben: „Sie werden da, wo es weh tut, da wo es wichtig ist – in Brennpunkten – die staatliche Gewalt einsetzen. Ich danke Ihnen, dass Sie dazu bereit sind, diese Aufgabe auszuführen.“

Mit 82 weiteren Anwärtern hatte Oberhauser im September 2014 die Ausbildung zum Kommissar begonnen. Zahlreiche Prüfungen und eine Diplomarbeit später haben 74 davon gestern diese erfolgreich abgeschlossen. Für die restlichen Anwärter bedeutet dies aber nicht das Ende, sagt ein Ministeriumssprecher. „Sie haben noch eine Chance und können die Prüfungen wiederholen.“



Für den 28-Jährigen ist es bereits die zweite Ausbildung. „Der Beruf als Elektroniker hat mich nicht mehr erfüllt.“ Er habe nach etwas anderem, etwas Abwechslungsreichem gesucht, sagt er: „Polizist ist ein verantwortungsvoller und spannender Beruf mit täglich wechselnden Einsätzen.“ Auch die Arbeitszeiten im Polizeidienst machten ihm nichts aus. „Klar, die Nachtschicht ist nicht immer ganz so angenehm, aber ich komme damit zurecht. Die Polizei muss nun mal rund um die Uhr da sein.“

Auch die 24-jährige Anna Hahn aus Ottweiler haben die Dienstzeiten der Polizei nicht abgeschreckt. Ganz im Gegenteil: „Mir war von Anfang an bewusst, dass es Wechselschichten und Nachtschichten gibt. Das ist kein Problem für mich.“ Obwohl in den vergangenen Jahren die Angriffe und die Respektlosigkeit gegenüber Polizisten zugenommen haben, mache sie sich darüber eher weniger Gedanken, sagt sie. „Angst habe ich nicht, denn wir werden in der Ausbildung auf solche Situationen gut vorbereitet.“

Gewalt gegen Polizisten ist auch für die Kommissaranwärter ein Thema. Bereits in seiner Ausbildung ist Oberhauser von einem Motorradfahrer angegriffen worden, erzählt er. „Wir mussten bei diesem Mann, der des Öfteren wegen Fahrens ohne Führerschein auffällig geworden war, die Identität feststellen.“ Der Mann habe sich daraufhin zur Wehr gesetzt und dem jungen Anwärter ins Gesicht geschlagen. Es habe etwas weh getan, aber er sei nicht verletzt worden, sagt er. „Angst ist während der Arbeit einfach völlig fehl am Platz.“

Ab heute geht es offiziell für die neuen Kommissare los. Sie beginnen ihren Dienst in verschiedenen Polizeiinspektionen im Saarland und bei der Bereitschaftspolizei. Die Probezeit dauert insgesamt drei Jahre. „Dem Ministerium war es wichtig, dass die Ernennung vor der Fastnachtszeit stattfindet, damit die jungen Kommissare die Polizei in dieser Woche unterstützen können“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Für Oberhauser beginnt der Dienst in der Polizeiinspektion Sulzbach aber erst am Freitag, bis dahin hat der Jungkommissar noch frei, während einige seiner Kollegen bereits gestern ihre erste Nachtschicht mit dem silbernen Stern auf der Schulterklappe absolvierten.

Kommissarin auf Probe, Anna Hahn aus Ottweiler
Kommissarin auf Probe, Anna Hahn aus Ottweiler FOTO: Oliver Dietze
Kommissar auf Probe, Andreas 
Oberhauser 
aus Tholey
Kommissar auf Probe, Andreas Oberhauser aus Tholey FOTO: Oliver Dietze