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Jugendliche erobern die Bühne

Ins dunkle Mittelalter führt die Geschichte um Bettler Olaf. Foto: Thomas Seeber
Ins dunkle Mittelalter führt die Geschichte um Bettler Olaf. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Ottweiler. Der Workshop in der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler stand unter dem Motto „Gaukler, Gammler und s(S)onstige G(g)estalten“. Passend dazu erarbeiteten die Jugendlichen in dem einwöchigen Kurs in Kleingruppen verschiedene Stücke. Von SZ-Mitarbeiterin Caroline Henning

. Fünf Tage lang war die Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler die Hochburg theaterbegeisterter Jugendlicher aus dem ganzen Saarland. Für den jährlichen Jugendwochenlehrgang (Juwole) des Vereins Wildwuchs, der Dachverband und die Interessenvertretung des Kinder- und Jugendtheaters im Verband Saarländischer Amateurtheater, pilgerten Ende der ersten Sommerferienwoche 47 Jugendliche in die alte Residenzstadt. Unterstützt wurde der Juwole wieder vom Kinder- und Jugendtheater Überzwerg; letztes Jahr fand er noch in Wallerfangen statt.

Die 14- bis 22-jährigen Hobbyschauspieler kamen in einem Kostüm nach Ottweiler, das dem diesjährigen Motto "Gaukler, Gammler und s(S)onstige G(g)estalten" entsprach. "So reißen wir die Jugendlichen direkt in eine andere Welt hinein", erzählte Referent Frank Engelhardt.

Am Donnerstagabend zeigten die Teilnehmer dann in der Ellipse der Landesakademie, was sie zusammen und in Kleingruppen erarbeitet hatten. Zunächst brachte die Gruppe rund um Referent Sebastian Hammer eine Geschichte mit einem Bettler und einer zweiköpfigen Wahrsagerin auf die Bühne: Der arme Schlucker Olaf verliebt sich unsterblich in eine Geschäftsfrau. Als er zum Geburtstag einen Gelben Sack voller Pfandflaschen bekommt, löst er das Pfand gegen eine Wahrsagung ein. Bei einem Blick ins dunkle Mittelalter zeigt sich, dass Olaf, einst Gaukler, einmal in eine Prinzessin verliebt war. Als die Beziehung aufflog, war die Queen "not amused" und wollte Olaf köpfen lassen - nicht mal ein herzerwärmendes Liebesduett konnte sie umstimmen. Blutige Szenen blieben den Zuschauern jedoch erspart: Es folgt eine spaßige Zensur auf der Bühne. Zurück in der Gegenwart verfällt die Geschäftsfrau Olaf auf den zweiten Blick.

Die Gruppe von Referentin Angelina Haug entführte das Publikum in eine Irrenanstalt. Um sich vor einer Mathe-Arbeit zu drücken, täuschen Schüler vor, geisteskrank zu sein. Die Freude über die Einweisung in die Irrenanstalt ist groß, bis eine Pseudo-Verrückte folgende Erkenntnis hat: "Wir kommen hier nie wieder raus." Die Jugendlichen stoßen markerschütternde Schreie aus - Gänsehaut pur. Als dann einer aus ihren Reihen tot umfällt, müssen sie die Irren nicht mehr spielen. Angelina Haug war stolz auf ihre "Verrückten": "Bei jedem konnte ich eine Entwicklung sehen."

Zum Abschluss tanzten in der Landesakademie die Puppen: Ein Liebespaar entdeckt angriffslustige Puppen und nur eine Puppenspielerin kann die beiden vor dem Tod bewahren. Daraufhin zeigt die Lebensretterin dem Paar, wie sich die Puppen lenken lassen - ein fataler Fehler. Die Besucherin missbraucht dieses Wissen, quält die Puppen und wird dabei selbst zum willenlosen Spielzeug. Ein Weltuntergang für ihren Freund, der sie zum dramatischen "Love hurts" (Nazareth) von der Bühne trägt. Referent Frank Engelhardt hat den Auftritt zusammen mit seiner Gruppe erarbeitet; gleiches gilt für die beiden anderen Gruppen.

Nach einem Tanz zum beschwingten "I'm gonna be" (The Proclaimers) lagen sich alle Teilnehmer glücklich in den Armen und das Publikum stand Kopf. Auch Referent Frank Engelhardt war wieder einmal vom Juwole begeistert: "So schön es immer ist . . . Ich bin froh, dass es nur einmal im Jahr stattfindet." Schließlich sei der Lehrgang sehr arbeitsintensiv. Am Freitag hieß es Abschied nehmen, aber Kyra Gebhard (16) aus Neunkirchen freut sich schon jetzt auf den Juwole 2014. Dann sieht sie ihre "zweite Familie" wieder.