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Johanneum will Missbrauchsfälle aufklären

Pater Werner Gahlen. Foto: thw
Pater Werner Gahlen. Foto: thw
Homburg. Er ringt an mancher Stelle nach Worten und nach Fassung, bemüht nichts zu verharmlosen, aber auch nicht vorzuverurteilen: Es ist ein sichtlich von den Ereignissen gezeichneter Pater Werner Gahlen, der in der Homburger SZ-Redaktion von den Missbrauchs-Vorwürfen, die vor Jahren am Johanneum vorgefallen sein sollen, berichtet

Homburg. Er ringt an mancher Stelle nach Worten und nach Fassung, bemüht nichts zu verharmlosen, aber auch nicht vorzuverurteilen: Es ist ein sichtlich von den Ereignissen gezeichneter Pater Werner Gahlen, der in der Homburger SZ-Redaktion von den Missbrauchs-Vorwürfen, die vor Jahren am Johanneum vorgefallen sein sollen, berichtet. Er hat in den vergangenen Tagen in menschliche Abgründe geblickt, das merkt man ihm an.

Das, was Anfang der Woche noch Verdacht war, scheint sich zu erhärten und möglicherweise weitere Kreise zu ziehen. Was Gahlen bislang bekannt ist: Ein Pater der Hiltruper Missionare aus Münster hat ihm gestanden, vor etwa 25 Jahren sexuelle Übergriffe an Schülern vorgenommen zu haben, die damals das mittlerweile längst geschlossene Internat besucht haben. Der Geistliche, 65, wurde versetzt, nach seinen eigenen Angaben aus diesen Gründen und war seit mehr als zwei Jahrzehnten als Seelsorger im Bistum Münster tätig - vor allem als Kaplan in einer Kirchengemeinde. Er lebt seit Mittwoch in einem Kloster im Sauerland. Nun kamen weitere Vorwürfe auf, es soll einen zweiten Täter geben und einen Pater, der davon wusste. Dies erfuhr Gahlen von der Organisation "Wir sind Kirche".

An der Schule, die mittlerweile eine Stiftung ist und an der auch keine Patres mehr unterrichten, war die Aufregung groß: "Das ist unglaublich und empörend", war von Eltern zu hören. Allerdings zeigten sich viele nicht besonders überrascht. "Wenn es woanders vorkommt, warum dann nicht auch hier? Das liegt ja auf der Hand", sagte etwa ein ehemaliger Schüler. Etliche können sich an Gerüchte erinnern. Ihrer Schule halten sie dennoch die Treue. "Das kommt woanders auch vor", hieß es. Und: "Wir würden unsere Kinder immer wieder dorthin schicken." Allerdings: Sie erwarten auch Aufklärung.

Die soll es geben, verspricht nicht nur Pater Gahlen, sondern auch der Schulträger. Gahlen ist nicht zuletzt deshalb stark daran gelegen, weil er selbst viele Jahre Direktor des Johanneums war.

Der heutige Ordensobere kann sich auch vorstellen, dass man auf die Opfer zugeht, um ihnen zu helfen - sofern diese das wünschten. Beispielsweise könne man zur Seite stehen, wenn es um die Finanzierung psychologischer Betreuung geht. Die Schulleitung des Gymnasiums Johanneum bedauert im Gespräch mit der SZ "in höchstem Maße Vorfälle von Übergriffen sexueller Art an Schutzbefohlenen". Direktorin Eva-Maria Wenzel-Staudt: "Wir sind uns unserer großen Erziehungsaufgabe als Bildungsinstitution der katholischen Kirche bewusst und befürworten eine saubere und vollständige Aufklärung der Vorwürfe." Die Verantwortlichen des Gymnasiums Johanneum seien weiterhin bemüht, jungen Menschen geistige, personale und soziale Orientierung zu bieten. "Diesem Anspruch versuchen wir unter anderem seit mehr als zehn Jahren durch ein gestaffeltes Präventionsprogramm gerecht zu werden. Die derzeitigen Ereignisse werden uns eher noch mehr in die Pflicht nehmen, für die uns anvertrauten jungen Menschen da zu sein", so Wenzel-Staut weiter. pn/ust

Hintergrund

Das Johanneum hat einen Vertrauensmann benannt, an den sich Missbrauchs-Opfer wenden können. Es ist der Schulseelsorger Stephan Seckinger. Er ist am Gymnasium erreichbar unter Telefon (0 68 41) 93 47 70. Opfer oder Angehörige können sich auch ans Bistum Speyer wenden, das ebenfalls Hilfen anbietet. red