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Johanneum beschwört Geschlossenheit

Blicken ernst, aber zuversichtlich in die Zukunft: Helmut Seiwert, der jetzt das Johanneum leitet, und der Geschäftsführer der gemeinnützigen Schul-GmbH Christoph Basler beim Besuch in der Homburger Redaktion unserer Zeitung. Foto: Thorsten Wolf
Blicken ernst, aber zuversichtlich in die Zukunft: Helmut Seiwert, der jetzt das Johanneum leitet, und der Geschäftsführer der gemeinnützigen Schul-GmbH Christoph Basler beim Besuch in der Homburger Redaktion unserer Zeitung. Foto: Thorsten Wolf
Homburg. Die vergangenen Monate waren nicht die ruhigsten, die das Homburger Gymnasium Johanneum in der Zeit seines Bestehens erlebt hat: Zuerst der Missbrauchs-Skandal, dazu kam immer wieder auch öffentlich aufblitzendes Gerede über ein internes Kompetenzgerangel - nun, für viele doch recht überraschend flott, ein neuer Mann an der Spitze zum neuen Schuljahr Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Homburg. Die vergangenen Monate waren nicht die ruhigsten, die das Homburger Gymnasium Johanneum in der Zeit seines Bestehens erlebt hat: Zuerst der Missbrauchs-Skandal, dazu kam immer wieder auch öffentlich aufblitzendes Gerede über ein internes Kompetenzgerangel - nun, für viele doch recht überraschend flott, ein neuer Mann an der Spitze zum neuen Schuljahr. Nach den Ferien nämlich ist die bisherige Direktorin Eva Maria Wenzel-Staudt nicht mehr auf ihren Posten zurückgekehrt (wir berichteten) - trotz anerkannt guter Arbeit. Geleitet wird die Schule aktuell von Helmut Seiwert, 57. Und dieser kam jetzt zusammen mit Rechtsanwalt Christoph Basler, Geschäftsführer der gemeinnützigen Johanneum GmbH, in unsere Redaktion.Eines machten sie gleich zu Anfang klar: Seiwert, seit neun Jahren bereits als stellvertretender Leiter im Amt, seit 26 Jahren an der Schule tätig, soll keine Zwischenlösung sein. "Er soll die Schulleitung fest übernehmen", betonte Basler. Und das sollte nicht länger dauern als bis nach den Herbstferien. Im schnellen Wechsel und der Tatsache, dass sich Direktorin Wenzel-Staudt selbst wegbeworben hat, sehen sie nichts Ungewöhnliches. Bislang seien die Schulleiter zwar immer sehr viele Jahre im Amt geblieben, doch "dass es mal schon nach drei Jahren einen Wechsel gibt, ist nicht so unüblich im normalen Leben von Schulen". Die Nachfolgeentscheidung sei im Kollegium auf breite Zustimmung gestoßen. Und die Kontinuität sehen die beiden mit Seiwert sowieso gewährleistet. Er sei schließlich ein erfahrener Mann und nicht jemand, der komplett neu eingearbeitet werden muss. Er kenne die Stärken dieser Schule. Auch an der erweiterten Schulleitung, zu der etwa Willi-Günther Haßdenteufel gehört, soll sich nichts ändern: Sie setzt sich aus vier Personen zusammen, darunter Direktor und Stellvertreter. Und was ist mit dem internen Kompetenzgerangel, dem wenig guten Klima von dem in der Vergangenheit immer wieder zu hören war? Das sehen sie nicht. "Es geht positiv weiter im Johanneum", unterstrich Basler. "Jetzt ist auf jeden Fall Geschlossenheit da und alle ziehen an einem Strang", stellte er heraus. "Und alle ziehen in der gleichen Richtung", ergänzte Seiwert. Vom weiteren großen öffentlichen Thema, dem Missbrauchs-Skandal sei die aktuelle Schulsituation nicht beeinflusst. Dafür sprächen etwa die aktuellen Anmeldezahlen von 102 Fünftklässlern, im Vorjahr waren es 97. Bei der Aufarbeitung sei der Orden gefordert, man sei da auf einem guten Weg, es gebe Entschädigungszahlungen an und Gespräche mit den Opfern.



Insgesamt halten Seiwert wie Schulgeschäftsführer das Gymnasium für gut gerüstet - auch für den Kampf um Schüler, der vermutlich in den kommenden Jahren härter wird, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge zum Tragen kommen. "Das Johanneum ist gut aufgestellt", unterstrich Seiwert. Pluspunkte für ihn sind unter anderem das engagierte Kollegium mit jetzt sechs neuen Lehrern, eine gute Mensa, in der frisch gekocht wird, eine Nachmittagsbetreuung, die auch von Lehrern der eigenen Schule getragen wird, die Sprachenfolge, die mit Latein ab der fünften Klasse einzigartig in Homburg sei, der bilinguale Zweig mit dem Abi-Bac und auch die vielen Investitionen von Orden und Bistum, etwa in die Chemieräume, das Dach, die Joharena oder die Heizungsanlage in der Turnhalle. "Wir sind sehr dankbar, dass so viel Geld in die Schule investiert wird", wandte sich Seiwert an den Schulträger Orden und das Bistum Speyer. Die stünden übrigens fest zum Johanneum Basler: "Weder der eine noch der andere Partner hat vor, sich zurückzuziehen."

Meinung

Anpacken, nicht wegreden

Von SZ-RedakteurinUlrike Stumm

Augen zu und durch - heißt es so schön, wenn es um Situationen geht, die alles andere als angenehm sind. Nicht jeder ist gut beraten, sich daran zu orientieren. Das könnte auch beim Johanneum auf dem Lehrplan stehen. Die Privatschule hatte mit vielem zu kämpfen - und sie hat es nicht immer gut gemacht. Das fängt beim Umgang mit den Missbrauchsfällen und vor allem mit den Opfern an und hört beim Express-Wechsel an der Schulspitze nicht auf. Probleme wegzureden, hilft sicherlich nicht weiter. Und auch wenn manches lange zurückliegt: Seiner Geschichte muss sich jeder stellen, das lehrt eben diese.

Andererseits kann das Gymnasium schon mit vielen Dingen punkten, muss sich aber darauf konzentrieren, dass diese jetzt im Mittelpunkt stehen. Das ist bitter nötig, denn für Schulen wird der Wettbewerb härter - schlicht deswegen, weil es künftig allgemein weniger Kinder und damit Schüler geben wird. Eine gute Hand ist der neuen Spitze zu wünschen bei der Suche nach dem richtigen Kurs. Interne Konflikte helfen bestimmt nicht weiter, wenn es gilt, sich für die Zukunft zu positionieren. Letztendlich sollte allen Verantwortlichen daran liegen, den Fortbestand des Johanneums zu sichern.