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Je steiler, desto spritziger

Die Weinlese an den Steilhängen der Ayler Kupp ist harte Knochenarbeit. Foto: Rolf Ruppenthal
Die Weinlese an den Steilhängen der Ayler Kupp ist harte Knochenarbeit. Foto: Rolf Ruppenthal
Perl/Saarburg. Saar-Wein kommt von der Saar und damit aus Rheinland-Pfalz. Der saarländische Wein stammt dagegen von der Obermosel. Mit einer Ausnahme: Seit dem Ralf und Brigitte Petgen vom größten saarländischen Weingut Ökonomierat Alfons Petgen aus Sehndorf hinter Saarburg einen Weinberg gekauft haben, dürfen sie getrost einen saarländischen Riesling von der Saar verkaufen Von SZ-Mitarbeiter Rolf Ruppenthal

Perl/Saarburg. Saar-Wein kommt von der Saar und damit aus Rheinland-Pfalz. Der saarländische Wein stammt dagegen von der Obermosel. Mit einer Ausnahme: Seit dem Ralf und Brigitte Petgen vom größten saarländischen Weingut Ökonomierat Alfons Petgen aus Sehndorf hinter Saarburg einen Weinberg gekauft haben, dürfen sie getrost einen saarländischen Riesling von der Saar verkaufen. Er wächst an den Steilhängen der berühmten Ayler Kupp am Ufer der Saar und wird im saarländischen Perl-Sehndorf an der Obermosel zu einem hervorragenden Spitzenwein ausgebaut.Das war auch die eigentliche Motivation von Ralf und Brigitte Petgen. Die Rieslinge von Saar sind weltberühmt, und ihre Qualität sucht ihresgleichen. Quasi aus "Jux und Tollerei", genau genommen aber aus großem Winzer-Ehrgeiz heraus, kauften sie 2005 den Weinberg, auch wenn seine Bewirtschaftung und auch die Weinlese eine richtige Plackerei bedeuten.



Hier in den Steillagen geht es nur noch zu Fuß extrem hoch und runter, und wirklich alles ist Handarbeit, genau genommen Knochenarbeit. Denn die Rackerei geht an die Substanz der Arbeitskräfte. Ein außergewöhnlicher Wein belohnt den Winzer jedoch für diesen Aufwand.

Und nachdem Ralf und Brigitte Petgen mit ihrem Riesling von der Ayler Kupp auf Anhieb bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen hatten, nutzten sie die "Gunst der Stunde", auch die Nachbarlage zu kaufen, nachdem das Weingut Hausen-Marbillon seine Arbeit einstellte.

Mit der Hotte zum Traktor

Den letzten Sommertag im Herbst nutzten jetzt die Mitarbeiter von Ralf und Brigitte Petgen, um die Riesling-Ernte in einem wahren Kraftakt einzufahren. Ein kompletten Tag lang rackerten die Erntehelfer um Carlo Jakobs und Lech Prykowski, die Weintrauben in der Stirnseite der Ayler Kupp zu lesen und wie in der "guten alten Zeit" mit der Hotte talabwärts zum Traktor zu schaffen. Mit von der Partie waren auch Lisa (17) und Max Petgen (13), die Kinder des Winzerehepaars Ralf und Brigitte Petgen. Sie nutzten die Herbstferien, um mit Hand an zu legen, zumal es in dem Weingut seit Wochen rund geht.

Die hervorragenden Ergebnisse lassen Ralf Petgen jubeln: Sowohl Quantität als auch Qualität liegen nicht zuletzt dank der Niederschläge im Sommer und der Sonnenperiode im Herbst deutlich über den Ergebnissen der guten vergangenen Jahre. Bei seinem Riesling von Saar konnte Ralf Petgen ein Mostgewicht um die 105 Öchsle messen. Und auch die Ergebnisse von der Obermosel sorgen für Freude. Die Ernte ist vor der angekündigten Regenperiode rechtzeitig unter Dach und Dach, wobei auch an der Obermosel ein hervorragender Jahrgang zu erwarten ist.

Im Perler Hasenberg, einer der besten Lagen der saarländischen Obermosel, hat Ralf Petgen bewusst seinen Riesling stehen lassen. Da sich die Trauben in prächtigem Zustand befinden, hofft der Winzer auf grimmigen Frost im November oder Dezember, um dann wieder einen hochwertigen Eiswein lesen zu können.

Davor gilt es jedoch, die aktuelle Ernte zu verarbeiten und den Most zu einem vorzüglichen Wein zu verarbeiten. Bis zum Jahresende wird es den saarländischen Winzern jedenfalls nicht an Arbeit mangeln. Ein hervorragender Wein wird ihnen diesen Einsatz jedoch lohnen.