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Ist Yoga Teufelswerk?

Beckingen. Diskriminierend und radikal nennen SZ-Leser die Ansicht, die Marga Lauer in in ihrem Buch „Die Yoga-Falle“ vertritt. Dass ein Auszug im Beckinger Pfarrbrief erschienen ist, bringt für sie das Fass zum Überlaufen. Von SZ-RedakteurinMargit Stark

Dass der Teufel den Schnaps gemacht hat, um uns zu verderben, wissen wir spätestens, seit es Udo Jürgens verkündet hat. Im Detail soll Beelzebub bekanntermaßen ebenfalls stecken. Und jetzt auch im Yoga? Das jedenfalls behauptet Marga Lauer aus Beckingen. "Das Angebot von Yoga-Kursen ist für erlöste Christen nichts anderes als eine getarnte Verführung des Widersachers zur Untreue gegenüber dem Taufversprechen", wettert die 62-Jährige, die sich nach eigenen Angaben in der Pfarrei St. Johannes und Paulus engagiert, in ihrem Buch "Die Yoga-Falle".

Bistum: extreme Position

Ob sich der Feind der Seele mehr über den "Sonnengruß" oder ein sattes "Om" freut oder ihm eher an Übungen wie "Berg" oder "Fisch" gelegen ist, um Fans dieser Gymnastik geradewegs in die Hölle schicken zu können, verschweigt die Autorin. Selbst einmal begeisterte Yoga-Anhängerin, zieht Lauer seit Jahren "gegen diesen für erlöste Christen unseligen Kult zu Felde", wie sie sagt. Dem bösen Feind, da ist sie sich sicher, ist es geglückt, "Yoga-Praktiken in das Gesundheits- und Bildungssystem einzuschleusen, natürlich unter "völlig falschen Deckmänteln, die die Wahrheit verschleiern". Diese Meinung darf sie ja haben, auch ihre Gedanken zu Papier bringen, sind sich Leser aus der Gemeinde Beckingen einig. Doch was einige in Harnisch gebracht hat, war die Veröffentlichung dieser Thesen im Pfarrbrief, gültig vom 15. Juni bis 14. Juli.

Eine Diskriminierung der Hindus und ihrer Religion nennen SZ-Leser am Telefon Lauers Aussagen, andere sprechen von einer extrem radikalen Meinung, die in einem Pfarrbrief absolut nichts zu suchen habe. In die Reihen der Kritiker reiht sich auch Matthias Neff, Weltanschauungs-Referent des Bistums Trier, ein. Für ihn ist es eine einzelne, extreme Position, die Yoga bewerte und die das Bistum keinesfalls teile. Neff spricht davon, dass diese Ansicht von den weitaus meisten Katholiken und der katholischen Kirche in Deutschland abgelehnt wird: "Es ist eine extreme Position, geprägt von einer engen Weltsicht."

Pastor bedauert Fehler

Pfarrer Christoph Eckert bedauert auf SZ-Anfrage die Veröffentlichung im Pfarrbrief. "Ich wollte Frau Lauer, die Mitglied in unserer Pfarrgemeinde ist, die Gelegenheit geben, ihr Buch vorzustellen." Per E-Mail habe sie ihm den Auszug geschickt, der als Lückenfüller in die kirchlichen Nachrichten reingerutscht sei. "Es war ein Fehler, das nicht vorher gelesen zu haben", gibt der Geistliche zu.

Marga Lauer versteht Ärger nicht

Marga Lauer kann die Aufregung nicht verstehen. Sie beharrt auf ihren Thesen. "13 Jahre habe ich Yoga unterrichtet und gelebt." Dann kam nach ihrer Darstellung der seelische Supergau, aus dem sie sich durch den katholischen Glauben befreit habe. Längst hat sie Übungen wie Kapotasana, die Balance, Stärke und Sicherheitsgefühl fördern, abgeschworen.