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Ist das Kunst oder kann das weg?

Sachverständige Elisabeth Feilen und eine Kundin. Foto: Sick
Sachverständige Elisabeth Feilen und eine Kundin. Foto: Sick
St. Wendel. Ist es ein orientalisches Spiel oder doch eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Schreibwerkzeug? Die Saarbrücker Kunstsachverständige Elisabeth Feilen ist sich erstmal gar nicht so sicher, was ihr da zur Bewertung ins St. Wendeler Stadtmuseum mitgebracht wurde Von SZ-Mitarbeiterin Jennifer Sick

St. Wendel. Ist es ein orientalisches Spiel oder doch eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Schreibwerkzeug? Die Saarbrücker Kunstsachverständige Elisabeth Feilen ist sich erstmal gar nicht so sicher, was ihr da zur Bewertung ins St. Wendeler Stadtmuseum mitgebracht wurde. Fachmännisch dreht sie das kunstvoll gearbeitete Kästchen, betrachtet Deckel und Rückseite und nimmt das Innenleben genauer in Augenschein. Schließlich ist sie sich sicher: Was sie da in ihren Händen hält, ist ein Hilfsmittel zum Opiumkonsum und sicherlich eines der interessanteren Objekte in der Kunstsprechstunde.Zum ersten Mal bot das St. Wendeler Stadtmuseum eine solche Kunstsprechstunde an. Jeder, der im Besitz vermeintlicher Schätze war, konnte diese mit ins Mia-Münster-Haus bringen, wo sie dann von Elisabeth Feilen fachmännisch beurteilt und auch geschätzt wurden.


Unterstützung fand die Sachverständige dabei von der Museumsleiterin Cornelieke Lagerwaard. "Sehr oft kommen Leute zu uns und wollen, dass wir irgendwelche Kunstgegenstände oder Antiquitäten schätzen", erklärt Lagerwaard die Idee, die hinter der Veranstaltung steckt. "Leider ist uns das aber nicht immer möglich, deshalb wollen wir ab jetzt regelmäßig solche Termine mit Frau Feilen anbieten."

Und der Bedarf dazu besteht. Schon in der ersten Sprechstunde kamen rund 30 Leute mit unterschiedlichsten Objekten, von Bildern aus Schmetterlingsflügeln über kunstvoll gearbeitete Schmuckkästchen bis hin zu mexikanischen Kupfertellern. Dabei stieß die Sachverständige auch auf wirklich wertvolle Gegenstände, die man auf einem Dachboden gefunden oder von der Großmutter geerbt und lange gar nicht groß beachtet hatte. "Oft wissen die Menschen gar nicht, was für Schätze sie haben", erklärt Feilen dazu. Aber wer kann als Laie auch ahnen, dass ein simples Glasgefäß über 1000 Euro wert sein kann?

Leider war aber nicht alles, was Feilen und Lagerwaard zu sehen bekamen, auch wirklich Kunst und damit wertvoll. Vieles gehörte eher zu der Kategorie Krempel und es war die schwierige Aufgabe der beiden Expertinnen, die Besitzer möglichst taktvoll wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. In solchen Fällen war es eben der sentimentale Wert der zählte und nicht der materielle. "Ich würde es einfach behalten", riet die Sachverständige mehr als einmal.

Bei all der Vielfalt an Objekten kam es natürlich auch vor, dass weder die Kunstsachverständige, noch die Museumsleiterin wirklich weiter wussten. Doch auch in diesem Fall wurde niemand ohne Hilfe nach Hause geschickt. Fehlte es an dem nötigen Wissen, konnten die Expertinnen doch immer mit Adressen aufwarten, die garantiert weiterhelfen würden. So verwies Feilen zum Beispiel an das ostasiatische Museum in Köln oder auch an das Aktionshaus Kleefisch, die Besitzern von Kunstgegenständen ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auf diese Weise verließ niemand die erste von vielen geplanten Kunstsprechstunden unzufrieden und manch einer sogar mit dem Wissen, etwas wirklich Wertvolles zu besitzen.



Künftig finden die Kunstsprechstunden an jedem letzten Samstag im Monat statt, ausgenommen Juni und Juli.