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In der Hitze der Zirkusnacht

Oben: Rollschuh- und BMX-Radfahrer springen von einer 15 Meter hohen Rampe. Unten: Die russische Artistin Alexandra ist die Herrin des Rings. Fotos: B&B
Oben: Rollschuh- und BMX-Radfahrer springen von einer 15 Meter hohen Rampe. Unten: Die russische Artistin Alexandra ist die Herrin des Rings. Fotos: B&B
Saarbrücken. Besucher mit Höhenangst könnten beim Anblick der artistischen Darbietungen anfangen zu zittern. Am Samstag feierte der Zirkus FlicFlac mit seinem neuen Programm „Exxtrem“ Premiere in Saarbrücken. Von SZ-Mitarbeiter Marko Völke

"Mir ist kalt, so kalt", tönt es in düsterer "Rammstein"-Manier aus den Boxen. Die Premieren-Besucher des Circus FlicFlac, der bis 18. August auf den Saarbrücker Saarterrassen gastiert, gerieten dagegen bei den hochsommerlichen Graden bereits vor der Vorstellung ganz schön ins Schwitzen. Feuer-Fontänen und brennende Bagger trieben zu Beginn der "Exxtrem"-Show die Temperaturen in dem 120 mal 60 Meter großen Zelt zusätzlich in die Höhe. Doch schon als Nicolai Kuntz als "Eisbrecher" die erste Nummer am Trapez zeigte, unterstützte das saarländische Publikum seine Darbietungen lautstark. Und bei der anschließenden Bodenakrobatik-Darbietung sorgten schließlich 14 Turner mit ihren spektakulären Überschlägen für eine kühle Brise im Riesenzelt.

Rollschuh- und BMX-Radfahrer sprangen von einer 15 Meter hohen Mega-Rampe, Motorradfahrer flogen durch das riesige Zelt - in der neuen Show gibt es viele Extreme zu erleben. Doch die Saarländer lieben einfach die Kugel. Als das 6,5 Meter hohe Stahlgestell "Globe Of Speed" auf die Bühne rollte, übertönte der Jubel fast das Röhren der Motorräder. "Das kann man einfach immer wieder sehen", stand für Marianne Czembov fest. Und Gerlind Schiemann ergänzte: "Das letzte Mal waren fünf oder sechs Fahrer drin, nun sind es neun. Da fragt man sich, wie die da alle reinpassen." "Ich hätte mir die Show nicht so düster vorgestellt", überlegte Markus Baldauf, der mit seiner Frau zum ersten Mal den modernen Zirkus besuchte. Doch den beiden habe es super gefallen. Einem anderen Gast gefiel besonders, dass FlicFlac es immer wieder schaffe, bekannte Nummern neu aufzuziehen und dabei eine Geschichte zu erzählen. So wurde etwa die Hand-auf-Hand-Akrobatik von Dima & Dima als Aufeinandertreffen zweier rivalisierender Straßengangs inszeniert, die ihre Konflikte auf dem Kopf, den Händen und Füßen balancierend austragen. Fast wie die "Westside Story", die man ins 21. Jahrhundert katapultiert hat.

Als die Show um kurz vor 22 Uhr zu Ende ging, gab es von dem Saarbrücker Premieren-Publikum viel Jubel und stehenden Applaus. "Die künstlerischen Darbietungen waren top", lobte die saarländische Sängerin Nicole, die zu den prominenten Gästen gehörte, die Artisten. Was die Dramaturgie angeht, hatte die Grand-Prix-Gewinnerin allerdings noch einen kleinen, gut gemeinten Verbesserungs-Vorschlag parat: Die "übergewichtige Dame", die im roten XXL-Mini immer wieder für Lacher sorgte und sich dann als muskulöser Kerl entpuppte, hätte zum Schluss noch etwas Spektakuläres zeigen müssen. Aber wer weiß - laut FlicFlac-Sprecher Sebastian Rottner-Hönike ist "Exxtrem" ja keine fertige Inszenierung, sondern ein Projekt, dass sich ständig weiterentwickelt. So trainiert Nicolai Kuntz, der bereits mit seiner Trapez- und Diabolo-Jonglage-Nummer das Publikum begeisterte, zurzeit für das doppelte Todesrad. Vielleicht gibt es ja die extremere Version des FlicFlac-Klassikers, auf denen Artisten wie Hamster in und auch auf dem Eisengestell rennen und springen, noch in Saarbrücken demnächst live zu erleben?

FlicFlac gastiert mit seinem Programm "Exxtrem" bis zum 18. August in Saarbrücken. Infos: Tel. (0 18 05) 99 06 09 und im Internet www.flicflac.de.