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Das Saarland in Karten
In Beckingen steckt am meisten Saarland

Was die Verteilung von Wäldern, Wiesen und dünn besiedelten Wohngebieten angeht, ähnelt Beckingen am stärksten dem Landesdurchschnitt. Auf der Karte in den drei dunkleren Grüntönen sind Laub-, Misch- und Nadelwälder eingefärbt, hellgrün ist nicht bewässertes Ackerland, gelb gefärbt sind die Flächen für Wiesen und Weiden, pink sind Obst- und Beerenobstbestände, rot ist die städtische Prägung, das beerenfarbene Feld westlich von Beckingen sind Industrie- und Gewerbeflächen, das ockerfarbene Feld nordöstlich von Saarfels sind diverse kleinere, verschiedenartige Parzellen, darunter unter anderem Weideland.
Was die Verteilung von Wäldern, Wiesen und dünn besiedelten Wohngebieten angeht, ähnelt Beckingen am stärksten dem Landesdurchschnitt. Auf der Karte in den drei dunkleren Grüntönen sind Laub-, Misch- und Nadelwälder eingefärbt, hellgrün ist nicht bewässertes Ackerland, gelb gefärbt sind die Flächen für Wiesen und Weiden, pink sind Obst- und Beerenobstbestände, rot ist die städtische Prägung, das beerenfarbene Feld westlich von Beckingen sind Industrie- und Gewerbeflächen, das ockerfarbene Feld nordöstlich von Saarfels sind diverse kleinere, verschiedenartige Parzellen, darunter unter anderem Weideland. FOTO: Corine Land Cover/Open StreetMap/Broniewski
Losheim am See. Was ist typisch für die saarländische Landschaft? Der Geograph Frank Broniewski ist der Frage nachgegangen und hat Satellitenfotos ausgewertet. Der SZ erklärt er, warum Beckingen am saarländischsten ist. Von Ute Kirch
Ute Kirch

Wenn vom Saarland die Rede ist, wird es gerne als Industrieland oder als Wanderland bezeichnet. „Irgendwie widersprüchlich – was ist es denn nun die typisch saarländische Landschaft?“, fragte sich vor einiger Zeit der Geograf Frank Broniewski. Ihn als von Mönchengladbach nach Losheim-Waldhölzbach Zugezogenen ließ die Frage nicht los. Ist es das eher industriell geprägte Saartal von Beckingen bis Saarbrücken oder eher der dünner besiedelte Nordwesten zwischen St. Wendel und Wadern?


Diplom-
Geograf 
Frank 
Broniewski
Diplom- Geograf Frank Broniewski FOTO: Broniewski

Auf die Idee, wie er Antworten auf diese Frage finden könnte, brachte ihn im vergangenen Jahr eine Dokumentation des britischen TV-Senders BBC. Anhand von Daten aus einem Projekt der Europäischen Union wurde die Landnutzung in England unter die Lupe genommen. Das Projekt, das vom europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus organisiert wird, stellt seit den 1990er Jahren für alle 39 europäischen Länder flächendeckend Informationen zur Landbedeckung und Landnutzung zur Verfügung.



Regelmäßig werden die Daten anhand von Satellitenbildern erhoben und aktualisiert. „Diese können wesentlich mehr als bloße Fotografie“, sagt Broniewski. So komme auch Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung zum Einsatz, die zeige, wie viel Feuchtigkeit im Boden ist – was Aussagen dazu möglich mache, ob es sich um Sümpfe, Flüsse oder landwirtschaftlich genutzte Fläche handle.

Aus den für jedermann frei zugänglichen Daten – die aktuellsten stammen aus 2012 – hat Frank Broniewski das Saarland genauer betrachtet. 44 Nutzungsklassen kennt das Projekt. Im Saarland finden sich davon 25. „Das ist nicht verwunderlich, Wüsten oder Küstenabschnitte gibt es hier schließlich nicht“, sagt der Geograf. Im Landesschnitt sind die drei Haupt-Nutzungsklassen: Waldflächen mit 40 Prozent, Wiesen und Weiden mit 23 Prozent sowie mit 15 Prozent „nicht durchgängig städtische Prägung“ – also ländliche, dünn besiedelte Regionen.

Doch welche Gemeinde ist nach diesen Kriterien die saarländischste und kommt dem Landesdurchschnitt am nächsten? Hierfür hat Broniewski mit dem Programm OpenStreetMap die Gemeindegrenzen über die Satellitendaten gelegt und sich jede der 52 Kommunen genau angeschaut. „Beckingen ist die typischste Gemeinde im Saarland“, lautet das Fazit des 44-Jährigen. 46 Prozent Waldflächen, 22 Prozent Wiesen und Weiden und 16 Prozent „nicht durchgängig städtische Prägung“ – so dicht an den Landesschnitt schafft es keine andere Gemeinde.

Doch aus den Zahlen lassen sich zahlreiche weitere Details lesen. Wer hätte gewusst, dass Sulzbach die Stadt mit den prozentual betrachtet meisten Laubwäldern ist? Auf 60,39 Prozent des Stadtgebiets wachsen sie. Den größten Anteil an Nadelwald hat übrigens Losheim (19,22 Prozent). Die meisten Straßen-, Einsenbahnnetze und funktionell zugeordnete Flächen hat Neunkirchen (1,19 Prozent des Stadtgebiets), Saarlouis die meisten Hafengebiete (0,95 Prozent des Stadtgebiets), Weiskirchen punktet mit Sport- und Freizeitanlagen (2,54 Prozent des Stadtgebiets).

Wenig überraschend hingegen, dass Perl saarlandweit die meisten Weinbauflächen hat (0,82 Prozent des Gemeindegebiets), Saarbrücken die größte Flughafenfläche (0,71 Prozent des Stadtgebiets) und Ensdorf bei den Deponien und Abraumhalden führend ist (9,55 Prozent des Gemeindegebiets).

Mitunter stößt das Material jedoch an Grenzen. „Lineare Objekte wie fließendes Gewässer tauchen erst ab einer Breite von 100 Metern in den Karten auf“, sagt Broniewski. Mit der Folge, dass die Saar nur um Mettlach herum zu finden ist. Ansonsten wird der Fluss „Wald-Strauch-Übergangsstadien“ zugerechnet. Für Flächen beträgt die Mindestkartiereinheit 25 Hektar. Daher erkennt das Programm auch Losheim-Scheiden nicht als Ortschaft.

Auf seinem Blog (www.frankbroniewski.com) hat Broniewski Karten aller 52 Kommunen online gestellt, sodass jeder einsehen kann, wie dicht oder dünn besiedelt sein Wohnort ist, ob es vergleichsweise viele Industrieflächen gibt oder Obst- und Beerenobstbestände. Für letzteres ist übrigens Rehlingen-Siersburg saarländischer Spitzenreiter (1,68 Prozent des Gemeindegebiets).