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Obst- und Gartenbau
Diebe, die nach Früchten und Nüssen greifen

Die Polizei stellt mutmaßliche Walnuss-Diebe in Fechingen zur Rede.
Die Polizei stellt mutmaßliche Walnuss-Diebe in Fechingen zur Rede. FOTO: Michael Kessler
Kleinblittersdorf. Obst- und Gartenbauer schlagen Alarm: Offenbar kommt es immer häufiger zum Diebstahl von Obst und Nüssen. Die Polizei zeigt daran wenig Interesse. Von Heiko Lehmann

Im ersten Moment hörte es sich wie eine Lappalie an, als die Polizei am vergangenen Freitag meldete, dass in Kleinblittersdorf Wanderer wegen eines Walnuss-Diebstahls angezeigt wurden. Die Nüsse lagen auf dem Boden und waren teilweise verfault, hieß es in der Meldung. Walter Rundstadler ist der Kleinblittersdorfer, der die Anzeige aufgab. „Ich war mit dem Fahrrad auf dem Feld unterwegs und habe beobachtet, wie das Pärchen mit Tüten von Baum zu Baum zog und die Nüsse einsammelte. Als sie auf meinem Grundstück waren, bin ich hin und habe sie angesprochen. Sie waren nicht einsichtig, also habe ich die Polizei gerufen“, erklärt Walter Rundstadler und regt sich auch Tage nach dem Vorfall noch auf. „Es ging schon im Frühsommer los mit Kirschenklau, wobei ganze Äste an Bäumen einfach abgesägt wurden. So gut wie überall wurde Obst in großen Mengen geklaut“, sagt der Streuobstwiesenschützer.


Am vergangenen Montag in Fechingen: Michael Kessler aus Bliesransbach beobachtet zufällig, wie vier junge Männer tütenweise Nüsse aus einem Naturschutzgebiet schleppen und in ein Auto mit Völklinger Kennzeichen laden wollen. „Es waren zwölf große Tüten. Ich schätze, es war mindestens ein Zentner (50 Kilo; Anm. d. Red.). Ein Kilo Bio-Walnüsse kostet mehr als zwölf Euro“, erklärt Kessler, der ebenfalls die Polizei rief und Anzeige erstattete. „Das Betreten landwirtschaftlicher Flächen ist bis 15. Oktober verboten. Das ist eine Ordnungswidrigkeit und kostet 55 Euro. Die Nüsse einfach mitzunehmen ist Diebstahl“, sagt Kessler, der die Polizei nach eigenen Angaben allerdings erst überreden musste, zu diesem Fall nach Fechingen auszurücken.

In Auersmacher wurde direkt am Straßenrand ein Quittenbaum komplett abgeerntet. „Es wird immer schlimmer mit dem Klauen von Früchten. Bei uns war es auch ein weißer Kleinwagen mit Völklinger Nummer. Die Polizei sagte mir, dass es nicht wert sei, einen solchen Fall aufzunehmen“, berichtet Sylvia Dressel aus Auersmacher. Fast täglich werden an der Oberen Saar Nüsse und Früchte geklaut, und die Polizei scheint es nicht sonderlich zu interessieren. Die Pressestelle der Polizei war für eine Stellungnahme in dieser Woche nicht zu erreichen.



„Das Problem ist ein saarlandweites. Es werden überall Nüsse und Früchte in großen Mengen gestohlen. Es geht hier um beträchtliche Summen und um Diebstahl im großen Stil. Ich verstehe nicht, warum die Politik hier nicht in Bewegung kommt“, sagt Monika Lambert-Debong, Geschäftsführerin des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz.

Peter Metzdorf, Vorsitzender des Kreisverbandes Saarlouis der Obst- und Gartenbauern, sagt: „Meinem Bruder wurden in Luxemburg zwei Tonnen Trauben geklaut. Es waren Autos mit Völklinger Kennzeichen.“ Für die Obst- und Gartenbauern, Naturschützer und Grundstücksbesitzer ist der Diebstahl von Nüssen und Früchten keinesfalls eine Lappalie. Sie ermutigen jeden, verdächtige Beobachtungen sofort anzuzeigen. „Wir dürfen keine Personalien von den Dieben aufnehmen. Wir haben nur die Chance, die Kennzeichen der Autos zu fotografieren und damit Anzeige zu erstatten“, sagt Walter Rundstadler, der in Kleinblittersdorf mittlerweile regelmäßig die Felder kontrolliert.

Walter Rund­stadler aus Kleinblittersdorf
Walter Rund­stadler aus Kleinblittersdorf