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Anzeige per Internet
Direkter Draht zu Polizei: Onlinewache im Saarland gestartet

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: dpa / Susann Prautsch
Saarbrücken/Trier. Für die Anzeige einer Straftat muss man nicht mehr zur Polizei gehen. Man kann sie jetzt auch von zu Hause oder unterwegs per Internet in der Onlinewache erstatten. Das Ganze dauert nur wenige Minuten. Von Birgit Reichert, dpa

Anzeigen können bei der Polizei im Saarland und in Rheinland-Pfalz ab sofort übers Internet erstattet werden. Möglich macht das die Onlinewache der Polizei, die am Donnerstag für beide Länder freigeschaltet wurde. Der somit „direkte Draht“ der Bürger zur Polizei per Smartphone, Tablet oder Computer sei „schnell, zeit- und ortsunabhängig und bürgernah“, sagten der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) in Trier.


Anfangs sollen vor allem Diebstähle, Sachbeschädigungen und Betrugsdelikte bei Käufen oder Verkäufen gemeldet werden können. Eingetragen werden könnten aber auch Hinweise wie verdächtige Beobachtungen. Zudem gebe es auch eine Rubrik für Lob oder Beschwerden an die Polizei. Ganz klar: Der digitale Weg sei ein Zusatzangebot. Für Notrufe ist die Onlinewache nicht geeignet. Da gilt immer noch die Rufnummer: 110.

In Rheinland-Pfalz ist die Onlinewache beim Lage und Dauerdienst des Landeskriminalamtes (LKA) angedockt, der rund um die Uhr besetzt ist. Um die Onlineanzeigen bearbeiten zu könne, werde der Dienst um drei Stellen aufgestockt. „Wir gehen davon aus, dass wir täglich mit 80 Anzeigen und 20 Hinweisen rechnen müssen“, sagte LKA-Präsident Johannes Kunz.



Im Saarland laufen die Anzeigen in der Führungs- und Lagezentrale des Landespolizeipräsidiums ein. „Ich bin sehr froh, dass wir heute so modern werden“, sagte Landespolizeipräsident Norbert Rupp beim Startschuss. Er erwartete etwa 20 Vorgänge pro Tag. Sie würden zunächst gesichtet und dann an die zuständigen Polizeidienststellen weitergeleitet - wie auch in Rheinland-Pfalz.

Mit der virtuellen Plattform biete die Polizei „ein in die digitale Zeit passendes Onlineangebot“, sagte Kern. In allen anderen Bundesländern bis auf Thüringen gibt es Online- oder Internetwachen bereits seit langem. Die Erfahrungen der anderen Länder seien bewusst abgewartet worden, um eine „auf die beiden beteiligten Länder zugeschnittenen Lösung“ zu erarbeiten, sagte Kern.

Rupp sagte, er bedauere es nicht, dass die beiden Länder erst jetzt ihre Onlinewache ins Netz stellten. „Auch wenn wir eine der letzten Länder sind, die eine bekommen, ist unsere Onlinewache deutlich moderner als andere.“ Nicht online zur Anzeige gebracht werden können Gewaltstraftaten, Verkehrsunfälle oder Delikte, die einen sofortigen Polizeieinsatz erforderten. Auch anonyme Anzeigen gehen nicht.

Nach Angaben des Leiters der Projektgruppe Onlinewache Rheinland-Pfalz, Magnus Schröder, dauert das Erstellen einer Anzeige in der Onlinewache rund zehn Minuten. „Die Benutzung ist einfach“, sagte er. Nach einer Belehrung müsse man seine persönlichen Daten eingeben, dann Angaben zum Delikt machen. Fertig.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Rheinland-Pfalz stehe der Onlinewache „im Großen und Ganzen positiv gegenüber“, sagte deren Landesvorsitzende Sabrina Kunz. Die virtuelle Plattform dürfe aber nicht dazu führen, dass die Polizei weniger in Dienststellen und in der Fläche präsent sei. Sie könne „maximal ein ergänzendes Instrument sein zu dem, was sie Polizei insgesamt tut“.

Unterm Strich könne das Zusatzangebot auch dazu beitragen, dass mehr Straftaten zur Anzeige gebracht würden, die sonst im „Dunkelfeld“ geblieben wären. Den „mahnenden Finger“ erhebe der GdP aber bei der Beschwerde-Funktion des Portals: „Dabei haben wir die Sorge, dass das missbräuchlich genutzt wird und ausufern könnte“, sagte Kunz.