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Ihre Mission: eine propere StadtWas die Politik zum Thema Müll sagt

Saarbrücken. "Man könnte manchen mit dem Papierkorb nachlaufen - sie würden ihren Müll immer noch daneben werfen": Martina Olusola schüttelt verwundert den Kopf. Die 51-Jährige arbeitet erst seit Anfang des Jahres in diesem Job. Doch das unverbesserliche Verhalten einiger wurde ihr auch in der kurzen Zeit schon sehr bewusst Von SZ-Redakteurin Ulrike Paulmann

Saarbrücken. "Man könnte manchen mit dem Papierkorb nachlaufen - sie würden ihren Müll immer noch daneben werfen": Martina Olusola schüttelt verwundert den Kopf. Die 51-Jährige arbeitet erst seit Anfang des Jahres in diesem Job. Doch das unverbesserliche Verhalten einiger wurde ihr auch in der kurzen Zeit schon sehr bewusst. Olusola, in Neonorange gekleidet und bewaffnet mit einer Handkarre ("Knoddelkarre") mit Mülleimer, Greifzange, Besen, Eimer und Kehrset, ist eine von insgesamt vier Einzelkehrern der Stadtreinigung des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE). Wenn die Kehrmaschinen ihre allmorgendliche Reinigung beendet haben (am Abend fahren sie erneut durch, außerdem leeren andere Teams drei Mal am Tag die Papierkörbe), beginnt für Martina Olusola, Sabine Künzer (30), Christian Brill (40) und Bernhard Pecka (48) die (Fein-)Arbeit. Unter anderem in der Bahnhofstraße, der Reichsstraße, am Hauptbahnhof, in der Kaiserstraße, am Rathaus und auf dem St. Johanner Markt heben jeweils zwei der vier Stadtreiniger (die übrigen sind auf anderen Touren) weggeworfene Kippen und Verpackungen auf, lassen Hundehaufen und Scherben verschwinden, kehren, beseitigen Unkraut und und und. Von Montag bis Samstag sind sie unterwegs, je von 9.30 Uhr bis 18 Uhr. Die SZ wollte von diesen "Müll-Profis" wissen, was sie zum stets viel diskutierten Thema Sauberkeit in der Landeshauptstadt zu sagen haben.Und das ist eine ganze Menge. Von "Brennpunkten" beispielsweise können die vier ein Liedchen singen. "Da ist besonders viel Müll und Dreck zu finden, zum Beispiel, weil die Leute dort essen", erklärt Bernhard Pecka. Solche Stellen gehen er und seine Kollegen mehrfach am Tag ab - fündig werden sie immer. Kollegin Künzer hat direkt ein markantes Beispiel: "In der Katholisch-Kirch-Straße zum Beispiel setzen sich viele hin, wenn sie sich etwas vom Imbiss geholt haben." Doch nach dem Mahl vergessen manche wohl ihre gute Kinderstube: "Da liegen dann besonders viele Kippen und Aluschalen herum." Bei Geschäften sei es um die Bäume herum häufig "katastrophal". Ebenso an markanten Punkten in der Bahnhofstraße, an der Johanneskirche, am Hauptbahnhof. Besonders viel Müll taucht immer zu Monatsbeginn auf, hat Sabine Künzer bemerkt. Martina Olusola hat schon erlebt, dass Jugendliche Müll genau vor ihre Füße warfen und sie aufforderten, ihn aufzuheben. Eine Provokation. Die Antwort darauf ist klar: Ruhe. "Da stelle ich die Ohren auf Durchzug", sagt Bernhard Pecka, der seit etlichen Jahren hier im Einsatz ist, "die Arbeit muss ja gemacht werden." Christian Brill gibt ihm Recht: "Man gewöhnt sich an so was." Warum fordern die Menschen einerseits ein sauberes Saarbrücken, tun aber andererseits nicht immer etwas dafür? Das, schätzt Stadtreiniger Pecka, liegt oft in "Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit" begründet. Da halten auch Bußgelder (siehe Infokasten) viele nicht davon ab, Verpackungsmüll, Kippen oder die Hinterlassenschaften ihres Hundes einfach liegen zu lassen. Sabine Künzer kann dies sogar ein Stück weit nachvollziehen: "Vorher, als ich noch in einem anderen Bereich gearbeitet habe, habe ich vielleicht auch mal etwas achtlos fallen lassen." Doch jetzt, sagt sie und lächelt, "dulde ich so was nicht mehr". Das Lächeln ist kein Zufall, die gute Laune aller nicht aufgesetzt. Das Quartett hat - trotz der Sisyphusarbeit - Spaß bei der Arbeit. Martina Olusola berichtet von vielen positiven Reaktionen und von Schulkindern, die ihr, der "Müllfrau", begeistert nachlaufen. Und Bernhard Pecka betont, als er mit der Zange einen von zig Zigarettenstummeln an diesem Tag zwischen den Pflastersteinen hervorpult und ihn in den Eimer in der anderen Hand wirft: "Saarbrücken ist eine schöne Stadt. Und ich mache diesen Job sehr gerne."Saarbrücken. Hier die Antworten der Parteien zum Thema Müll in Saarbrücken:CDU: "Die CDU fordert von Verwaltung und ZKE wirksame Konzepte für eine saubere Stadt. Dazu gehören auch Bußgelder gegen Verursacher von Verschmutzungen und illegalen Müllablagerungen. Nur gezielte ZKE-Konzepte, der Ordnungsdienst und Eigeninitiativen der Bürger können ein sauberes Saarbrücken zum Wohle aller herstellen."SPD: "Wir wollen die von CDU/FDP blockierte gelbe Tonne in der Innenstadt einführen, um das Chaos mit den gelben Säcken zu beenden. Die kostenlose blaue Tonne ersetzt unansehnliche Papier-Container. Mehr Personal beim Ordnungsdienst und weitere Wertstoffhöfe sagen Müllsündern den Kampf an und verringern illegale Entsorgung."Grüne: "CDU und FDP haben die Aufstockung des Reinigungspersonals systematisch verhindert. Wir wollen mehr Reinigungspersonal und setzen außerdem auf die Müllverwiegung. Erfahrungen aus anderen Kommunen belegen, dass dadurch erhebliche Mengen an Müll eingespart werden. Natürlich ist die Stadt auch auf die Mithilfe aller BürgerInnen angewiesen."FDP: "Das Personal der Stadtreinigung muss zeitlich flexibler eingesetzt werden. Saarbrücken muss in ein Modellprojekt einsteigen, das die Einführung der sogenannten Zebratonne und die maschinelle Trennung von wieder verwertbarem Müll und Restmüll beinhaltet. Ziel: Abschaffung des gelben Sackes, der das Stadtbild verschandelt."Die Linke: "Die Mitarbeiter des ZKE geben sich viel Mühe, die Stadt sauber zu halten. Aufgrund des Personalabbaus sind sie aber nicht in der Lage, Parks, Grünflächen oder alle Straßen sauber zu halten. Die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt sind gefordert, sorgsamer mit ihrer Umwelt umzugehen."Freie Wähler/Bürgerbündnis: "Müllentsorgung als öffentliche Dienstleistung wird häufig falsch verstanden. Viele meinen, ihren Müll wegwerfen zu können, wo sie gehen oder stehen. Dieses Verhalten ist asozial und mit Bußgeld zu ahnden. Allerdings müssen die früher an Haltestellen und Verkehrsschildern befindlichen Abfalleimer wieder montiert werden." up



Auf einen BlickWer in Saarbrücken Abfälle wegwirft oder liegen lässt oder illegal Abfälle ablagert, muss mit einem Bußgeld rechnen. Müllsünder, die eine Zigarettenkippe oder -schachtel, Kaugummis, Flaschen, Dosen oder Verpackungen auf die Straße werfen, zahlen 15 Euro. Ein Hundehaufen schlägt mit 20 Euro zu Buche, wer den gelben Sack zu früh rausstellt oder falsch befüllt, zahlt 30 Euro.