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„Ich will Leute bewegen“

Jochen Alexander Freydank zu Gast in Völklingen. Foto: Karger
Jochen Alexander Freydank zu Gast in Völklingen. Foto: Karger FOTO: Karger
Völklingen. Für seinen berührenden Kurzfilm „Spielzeugland“ bekam Jochen Alexander Freydank 2009 einen Oscar. Einer seiner frühen Kurzfilme lief 2000 beim Ophüls-Festival. Seither ist Freydank dem Saarland verbunden, hat seinen neuen Film hier gedreht. Jetzt kam er zur „Generation Pop“-Ausstellung nach Völklingen, wo er sich auch Zeit für ein Interview nahm. Von SZ-Mitarbeiterin Astrid Karger

. Der Oscar in der Vitrine, der Preisträger daneben. Meinrad Maria Grewenig, Chef des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, denkt in Zusammenhängen und hat Pläne. Der Besuch von Regisseur Jochen Alexander Freydank in der Ausstellung "Generation Pop" bot ihm Gelegenheit, einiges mit dem Filmemacher zu besprechen: die Aufführung seines Oscar-Kurzfilms "Spielzeugland" in der Völklinger Hütte noch in diesem Jahr und eine von Freydank für die Ausstellung kuratierte Filmreihe "großer Pop-Schlüsselfilme". Denkbar sei auch eine Zusammenarbeit mit dem Max-Ophüls-Festival, geplant ist für 2014 eine Aufführung mit Premierencharakter von "Der Bau".

"Der Bau" ist der erste Kinofilm, der vollständig im Saarland gedreht wurde. In den Wintermonaten standen unter anderem Axel Prahl, Robert Stadlober, Devid Striesow und Josef Hader in Völklingen und Göttelborn vor der Kamera. Aus dem Saarland kam nicht nur finanzielle und tatkräftige Unterstützung, Freydank fand hier Drehorte, die, "hätte man sie bauen müssen, einen ruiniert hätten, es war wie Drehen unter Studiobedingungen, nur dass die gigantischen Bauten, die wir brauchten, eben schon da waren".

Dem "Bau" liegt eine Geschichte von Franz Kafka zugrunde, der angstvolle Monolog eines Tieres, vielleicht ein Dachs, der sich in seinem Bau verschanzt und doch verfolgt fühlt. Freydanks Dachs ist ein Mann, gespielt von Axel Prahl, sein Leiden ist "real", erlebbar als großes Kino, das den Vergleich mit Filmen wie "Falling Down" (Michael Douglas) nicht scheut. Eine Geschichte von Abgrenzung und Autarkie, die "in einer großen Endzeitvision" endet - und unterhaltend bleiben soll. Freydank hatte es trotz Oscar schwer, den Film zu finanzieren, weil seine Drehbücher nicht in übliche Schubladen passen.

Komik im Tragischen hatte bereits "Glückliches Ende", ein Kurzfilm, der 2000 beim Ophüls-Filmfestival lief. "Spielzeugland" thematisiert den Holocaust in kunstvollen, aber verständlichen Bildern und erfuhr in Deutschland zunächst wenig Wertschätzung. Für einen Wettbewerbsfilm zu wenig "Rohdiamant", vermutet Freydank. "Ich hätte ‚Spielzeugland' auch schwarz-weiß mit atonaler Musik machen können, so mehr Arthouse, rätselhafter Autorenfilm, aber man will ja auch Leute damit erreichen, bewegen."

Auch intelligenten Gedankengängen zu folgen, könne unterhaltend sein. Freydank verweigert die Trennung von Tiefgang und Spaß: "Es ist so einfach, nur draufzuhauen, nur Drama und offener Bauch". In "Und weg bist Du" erzählte er 2012 den Krebstod einer Mutter - Sat-1- und feuilletongängig! Dem Saarland fühlt der Berliner sich seit der Teilnahme am Ophüls-Festival vor dreizehn Jahren verbunden, spätestens seit seiner Regiearbeit für den Saar-Tatort "Heimatfront" 2010 kennt er sich hier aus, schätzt die "kurzen Wege" und die Lebensart.