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Saarbrücken
Hürden für Behinderte im ÖPNV abbauen

Saarbrücken. Die kostenlose Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist derzeit stark in der Diskussion. Zumindest ein kostenloses Angebot gibt es schon, nämlich den Begleitservice für gehbehinderte Menschen, Mobisaar. Gemeinsam mit neun Partnern bietet die Saarbahn GmbH das Projekt an. Wie Projektleiterin Katharina Meßner-Schalk erklärt, bietet der Begleitservice einen Mehrwert für alle Beteiligten. „Der wachsenden Anzahl mobil eingeschränkter Menschen wird mehr soziale Teilhabe ermöglicht, außerdem bekommen Langzeitarbeitslose eine Perspektive.“ Letztere werden bei Mobisaar überwiegend als Begleiter eingesetzt, daneben leisten auch ehrenamtliche Mitarbeiter den Service. Auch in anderen Bundesländern gibt es einen Begleitservice, sodass vor zwei Jahren eine erste Fachkonferenz verschiedener Verbände in Berlin stattfand. Anschließend wurde das bundesweite Netzwerk Begleit­services im ÖPNV gegründet. Von Sebastian Dingler

Die kostenlose Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist derzeit stark in der Diskussion. Zumindest ein kostenloses Angebot gibt es schon, nämlich den Begleitservice für gehbehinderte Menschen, Mobisaar. Gemeinsam mit neun Partnern bietet die Saarbahn GmbH das Projekt an. Wie Projektleiterin Katharina Meßner-Schalk erklärt, bietet der Begleitservice einen Mehrwert für alle Beteiligten. „Der wachsenden Anzahl mobil eingeschränkter Menschen wird mehr soziale Teilhabe ermöglicht, außerdem bekommen Langzeitarbeitslose eine Perspektive.“ Letztere werden bei Mobisaar überwiegend als Begleiter eingesetzt, daneben leisten auch ehrenamtliche Mitarbeiter den Service. Auch in anderen Bundesländern gibt es einen Begleitservice, sodass vor zwei Jahren eine erste Fachkonferenz verschiedener Verbände in Berlin stattfand. Anschließend wurde das bundesweite Netzwerk Begleit­services im ÖPNV gegründet.


Gestern fand die zweite bundesweite Fachtagung in Saarbrücken statt. Etwa 150 Teilnehmer trafen sich zum Erfahrungsaustausch. Bei ihrer Begrüßung lobte Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD), dass es den Initiatoren von Mobisaar gelungen sei, „ein breites Bündnis aus den Vertretern der Betroffenen, Behörden, Verkehrsunternehmen und -verbünden, den Wohlfahrts- und Sozialverbänden, Bildungsträgern und vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren zu schmieden“. Saarbahn-Chef Peter Edlinger erklärte, dass die Saarbahn sehr erfolgreich mit den Partnern im Projekt Mobisaar an Lösungen arbeite, wie Menschen bis ins hohe Alter mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil sein können.

Der Geschäftsführer des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft, Daniel Bieber, betonte in seinem Vortrag, dass die Begleitdienste „nicht immer wieder ganz oder teilweise in Frage gestellt werden“ dürften und dass sie nicht von Änderungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen abhängig sein sollten. Die Finanzierung von Mobisaar wird zu 59 Prozent vom Bundesforschungsministerium übernommen, den Rest der insgesamt gut acht Millionen Euro, die das Projekt kostet, müssen die Projektpartner aufbringen. 2015 wurde Mobisaar gestartet, bis 2020 soll der Begleitservice laufen. Danach hoffen die Beteiligten, dass aus dem Projekt eine feste Institution wird. Astrid Klug, Abteilungsleiterin im Saar-Wirtschaftsministerium, sieht das auch als Ziel an. „Der politische Wille dazu ist auf jeden Fall vorhanden.“ Man müsse aber die fünf Jahre erstmal abwarten, vor allem auch, wie die noch schwierige Umsetzung des Begleit­services im ländlichen Raum funktioniere. Aus den Erfahrungen heraus könne man entscheiden, „in welcher Konstellation das Projekt fortgesetzt werden kann, soll oder muss und mit welchen Kosten das verbunden ist“. Derzeit decke man mit Mobisaar erst 60 Prozent des Saarlandes ab. Auch wird bislang der Dienst nur an Werktagen von acht bis 18 Uhr angeboten. In einem Positionspapier formulierten die Teilnehmer das Ziel, „dass es möglich wird, ohne Auto quer durch ganz Deutschland zu kommen, auch wenn man mobilitätseingeschränkt ist.“



Hilfebedürftige können unter Tel. (0 68 98) 500 40 00, über die Webseite mobisaar.de oder die Mobisaar-App Begleitpersonen anfordern.