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Gastronomie im Saarland
Hotelliebe auf den ersten Blick

Die Lounge des „Landwerk“ ist der Neubau des Wallerfanger Hotel-Restaurants. Hier kann man mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr Drinks nehmen und Kleinigkeiten essen. Am Wochenende ist bereits ab Mittag geöffnet.
Die Lounge des „Landwerk“ ist der Neubau des Wallerfanger Hotel-Restaurants. Hier kann man mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr Drinks nehmen und Kleinigkeiten essen. Am Wochenende ist bereits ab Mittag geöffnet. FOTO: Iris Maria Maurer
Wallerfangen. Geschichte und Moderne verbindet das neue Hotel-Restaurant „Landwerk“ in Wallerfangen virtuos. Und der junge Küchenchef Marc Pink hat bei den besten Köchen Deutschlands gelernt. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Der Küchenchef, als er noch gar keiner war, machte erst mal den Schröder. „Rundum stand noch der Bauzaun, er aber wollte unbedingt rein“, erinnert sich „Landwerk“-Chefin Christine Honecker, wie sie zu ihrem Koch fand. So wie einst Gerhard Schröder als Juso-Heißsporn an den Gittern des Bonner Kanzleramtes rüttelte. Marc Pink heißt der 27-Jährige, der in Wallerfangen rüttelnd vor den Brettern stand. Und was sagt das über ihn? Zumindest, dass er reichlich Ambition im Blut hat.


Nun wirbelt er drinnen – im neuen, schicken Boutique-Hotel. Seine erste Stelle als Chef. Und was er serviert, von Makrele mit Paprika und Chorizo bis zum „Golden Egg“, einem spektakulären Mango-Schokolade-Champagner-Dessert, lässt ahnen: Er muss ausgezeichnete Lehrmeister gehabt haben. Der Saarbrücker Drei-Sterne-Virtuose Klaus Erfort zählt dazu wie auch Sven Elverfeld, Chef des „Aqua“, ebenfalls ein Drei-Sterne-Tempel, in der Wolfsburger Autostadt. Klar, dass Pink sich nun beweisen will. Selbst wenn er noch tief stapelt: „Die Gäste sollen sich bei uns vor allem wohlfühlen.“ „Casual fine dining“ nennt er das, was er mit seinem Küchen-Quartett offeriert. Gewitzte Kreationen, die aber im legeren Ambiente aufgetischt werden. Mit Stil, doch lässig zu genießen. „Ohne Krawattenzwang“, meint Pink.

Lässigkeit gilt übrigens als Leitmotiv fürs gesamte Haus, das schon im Oktober öffnete. Quasi unbemerkt. Und peu à peu. „Wir hatten Mühe, das passende Personal zu finden“, erklärt Geschäftsführerin Christine Honecker, die als Innenarchitektin auch den Umbau, im Grunde eher ein Neubau, plante und managte. Was eigentlich auch noch untertrieben ist, zeigt sich ihre Handschrift doch wirklich überall bis unters Dach. Ob es die Eingangs-Holztür ist, in die sie graphisch kühne Linien, archaischer Kunst gleich, fräsen ließ. Oder auch bei jeder Lampe, etliche im funktionalen Werkstatt-Design, von denen sie etliche selbst baute. „Hätte ich Kronleuchter bestellt, hätte jeder 3000 Euro gekostet“, sagt sie. So hat die Diplom-Designerin, die aus Wahlschied stammt, mit ihrer Kreativität das Millionen-Vergnügen „Landwerk“ überschaubarer gehalten. Jetzt startet sie mit über 50 noch ins Abenteuer Gastronomie. Über exakte Baukosten aber schweigt sie. Das Geld kommt jedenfalls von den Betreibern der Saarlouiser „MotorLoft“, seit ein paar Jahren eine gute Adresse für sündteure Sportwagen und Autoklassiker.

Aus der „MotorLoft“, mit der es auch gemeinsame Veranstaltungen geben soll, stammt auch die alte Leuna-Zapfsäule im Lounge-Bereich des „Landwerk“, einem lichten, an der Front deckenhoch verglasten Betonkubus, der sich im Sommer zu einer Gartenterrasse hin öffnen lässt. Hier ist Raum für Drinks, gute Gespräche und Musik. Honecker möchte hier, wo man auch kleine Gerichte von Burger bis Salat bekommt, ein bis zwei Mal pro Monat Konzerte anbieten: Jazz und Chanson, von Duo bis Mini-Combo.

Den Altbau, einstmals zum Besitz von Villeroy & Boch gehörend, später wurde ein Restaurant daraus, dann folgte lange Leerstand, hat Honecker auch fast neu aufgebaut. Hand in Hand mit dem Saarbrücker Architekturbüro Marcello Pompa. Kaum einen Stein ließen sie auf dem anderen. Hinter den historischen Mauern, die sich jedoch harmonisch mit der Lounge verbinden, beginnt das Reich von Marc Pink: das Restaurant mit 45 Plätzen. Zwar begegnet man hier der Historie des Hauses auf Schritt und Tritt, doch auch hier arbeitete Honecker viel mit modernen Materialien. Nackter, ungestrichener Beton. Puristisch. Ein Werkstoff, den sie schätzt. Den sie auch mit der Industrie-Geschichte des Saarlandes verbindet. „Viele meinen, Beton sei kalt“, sagt Honecker. So wie sie ihn einsetzt, kombiniert, wirkt er aber warm und einladend.



Im Panoramazimmer des Restaurants, das sich zu einem kleinen Park mit einem Denkmal Nicolas Adolphe de Galhaus hin öffnet, fassen lackierte Spanplatten den Betonerker ein. Schlichtes – jedoch hochveredelt, individualisiert. „Mir ging es darum, etwas zu schaffen, was nicht nach zwei, drei Jahren schon nicht mehr aktuell ist“, sagt die Innenarchitektin, die bereits Privathäuser, aber auch Fitnesscenter gestaltet hat. Das dürfte glücken. Zumal sich dieser Individualitätsanspruch auch in den acht Zimmern des Boutique-Hotels zeigt. Auch hier ein Mix aus Industrie-Zitaten und Wohlfühl-Look.

Rund 145 Euro fürs Doppelzimmer pro Nacht ruft man derzeit auf. Und gleichwohl man fürs Haus bislang noch nicht mal richtig Werbung gemacht habe, laufe der Betrieb schon gut, sagt Honecker. Das Saarland als Ziel für Kurzurlauber, die zu Kulinarik, Kultur und Natur auch noch ein Hotelerlebnis suchen, bescherte ihr schon erfreulich viele Gäste. Doch auch Geschäftsreisende suchten zunehmend das besondere Hotel.

Um ein solches Hotel zu schaffen, waren alles in allem drei Jahre Bauzeit nötig. Und ein Spontanentschluss. Als Christine Honecker vor Jahren an dem Haus in der Wallerfanger Estherstraße mit dem Schild „Zu verkaufen“ vorbeifuhr, sah sie es morgens. Und „nachmittags war es fast schon gekauft“. Eine Hotelliebe auf den ersten Blick also.

Hotel Restaurant Landwerk in Wallerfangen: Christine Honecker.
Hotel Restaurant Landwerk in Wallerfangen: Christine Honecker. FOTO: Iris Maria Maurer
Nicht bloß zu Ostern ein Genuss: Das „Golden Egg“, ein Dessert von Küchenchef Marc Pink.
Nicht bloß zu Ostern ein Genuss: Das „Golden Egg“, ein Dessert von Küchenchef Marc Pink. FOTO: Iris Maria Maurer
Acht Zimmer hat das „Landwerk“ in Wallerfangen, alle sind individuell eingerichtet.
Acht Zimmer hat das „Landwerk“ in Wallerfangen, alle sind individuell eingerichtet. FOTO: Iris Maria Maurer