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Hoffnung allein reicht nicht

Kürzlich unterhielt ich mich mit zwei jungen Saarbrückern, die Musik machen: Sie sind DJs, schreiben ihre eigenen Songs, sind Produzenten und Veranstalter. Kurz: Sie leben von ihrer elektronischen Musik.

Manchmal besser, manchmal schlechter. "Aber meist ist es recht hart, sich als Musikschaffender durchs Leben zu bringen", sagte einer der beiden. Nicht immer segelt ein gut dotierter Auftritt aus den bekannten Clubs Deutschlands ein. Um Geld allein geht es den Jungs auch nicht, sie wollen etwas schaffen: Ihre Musik ist Kunst, ihr Leben und nicht weniger, sagten sie. Ob sie auch auf dem kürzlich stattgefunden Völklinger Magnetic-Festival gespielt hätten?, fragte ich. Sie schüttelten die Köpfe: "Der Deal war nicht okay. Wusstest du, dass alle lokalen DJs, die hier das ganze Jahr die Leute bei Laune halten, kein Geld für ihren Auftritt bekamen und nur eine Eintrittskarte für eine Begleitperson?" Die hohen vier- oder gar fünfstelligen Gagen der berühmten DJs wurden natürlich bezahlt.

"Doch so ein großes Festival, das einem die Möglichkeit bietet, Seite an Seite mit den großen DJs aufzulegen, könnte doch als Sprungbrett für die große Karriere dienen, oder?", fragte ich. Auch da blieben die Gesichter der beiden regungslos. "Klar kann man darauf hoffen, dass es etwas bringt, gemeinsam mit den Großen klein auf einem Flyer zu stehen. Aber wir hätten danach ein Problem gehabt, den Saarbrücker Veranstaltern, die uns mehrmals im Jahr buchen, unter die Augen zu treten. Warum sollen die uns bezahlen, wenn wir's beim Magnetic umsonst machen? Will man das nur mit der eigenen Eitelkeit erklären oder der Hoffnung, dass irgendein Berliner Veranstalter den Flyer in die Hände bekommt und zum Hörer greift?"

Das Festival war ein Erfolg - auch ohne die beiden Saarbrücker DJs; über 10 000 Menschen feierten ein gigantisches Elektro-Festival auf dem Parcours der Völklinger Hütte. Mich freut es, dass das Festival kracht. Es ist gut für unsere Region, zweifelsfrei. Doch auch den Jungs gebe ich recht: Falls irgendjemand ein Kolumnisten-Festival plant und mich mit den großen Namen der Branche lockt wie Harald Martenstein von der Zeit, Axel Hacke von der Süddeutschen oder Sibylle Berg vom Spiegel, sage ich eins vorab: "Mich bekommt ihr nicht umsonst. Schon gar nicht als Anheizer für die berühmten Schreiber." Musik machen ist Arbeit, Schreiben auch. Von Hoffnung allein lebt's sich schlecht!

Wann arbeiten Sie umsonst? Schreiben Sie mir eine Mail an marija.herceg@gmx.de