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"Höfchen" des alten Rentrischer Lottenhammers ist 250 Jahre alt

St. Ingbert. Die starken Frauen der Alten Schmelz - mit diesem Thema befasst sich die Historikerin Susanne Nimmesgern (Foto: mal) von der Initiative Alte Schmelz seit Oktober vergangenen Jahres. Mittlerweile hat sie über Catharina Loth und Sophie Krämer einiges herausgefunden Von SZ-Redakteur Michael Beer

St. Ingbert. Die starken Frauen der Alten Schmelz - mit diesem Thema befasst sich die Historikerin Susanne Nimmesgern (Foto: mal) von der Initiative Alte Schmelz seit Oktober vergangenen Jahres. Mittlerweile hat sie über Catharina Loth und Sophie Krämer einiges herausgefunden. Und verweist in diesem Zusammenhang auf ein besonderes Jubiläum: Vor 250 Jahren ist der letzte bestehende Rest des Lottenhammers (nach Catharina Loth benannt) in Rentrisch, das "Höfchen", erbaut worden. Noch heute ist ein Teil des Gebäudes bewohnt. Alfons Blug vom Vorstand der Initiative kündigt deshalb an: "Wir wollen dazu eine Reihe von Veranstaltungen machen." Nimmesgern konkretisiert: "Wir versuchen eine Genehmigung zu erhalten, das Gebäude von innen zu besichtigen." Im September soll das über die Bühne gehen. Das Höfchen, so Blug, ist im Besitz des Unternehmens Saarstahl.



Die beiden Unternehmerinnen Loth und Krämer verbindet in erster Linie eines: Als Witwen haben sie das St. Ingberter Eisenwerk und den Rentrischer Hammer über eine lange Zeit geleitet. Sie waren beide bemerkenswerte Frauen, die sich in ihrer Zeit durchgesetzt haben. Nimmesgern: "Es ist schon ungewöhnlich, zwei solch herausragende Frauen und Unternehmerinnen vorzufinden." Allerdings, haben ihre Recherchen ergeben, weisen die Kreise ihres Wirkens weit über St. Ingbert hinaus. Zielstrebigkeit und kaufmännische Weitsicht, sagt die Historikerin, hatten beide Unternehmerinnen zudem gemein. Wer sich mit ihrer Geschichte näher befasst, stößt darüber hinaus aber auf viele Unterschiede.

Die Startbedingungen von Loth und Krämer konnten ungleicher kaum sein. Die Vorfahren von Catharina Loth, geborene Gottbill, waren unsesshafte Hammerschiede und Schmelzer, die durch ihren Fleiß aufstiegen und mehrere Hütten im Raum Saar-Hochwald betrieben. Die genauen Lebensdaten, erläutert die Wissenschaftlerin, stehen nicht fest. Loth dürfte 1705 geboren sein, 1762 ist sie gestorben.

Sophie Krämer (1763 bis 1833), geborene Firmond, entstammte dagegen einer reichen St. Johanner Kaufmannsfamilie, die im Saarbrücker Fürstentum eine große Rolle spielte. Während Loth Analphabetin war, hatte Krämer eine hervorragende Ausbildung genossen. Sie expandierte in ihrer Zeit mit dem Kauf von Erzfeldern und Eisenwerken im Mosel- und Eifelraum. Ganz unterschiedlich handhabten die beiden Damen auch ihre Nachfolge: Während Loth die Geschäfte führte, so lange sie konnte, gab Sophie Krämer die Unternehmensleitung in die Hände ihrer Söhne, als die alt genug waren.

Die Initiative Alte Schmelz lädt interessierte Bürger zu einer Tagestour "Auf den Spuren der Catharina Loth" ein. Die Fahrt ist am Samstag, 4. Juli. Infos unter Tel. (06894) 3 46 89.