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Hilfe für die Kinder der Straße

Saarbrücken. Sie leben auf den staubigen Straßen einer vier Millionen Stadt. Sie schlafen unter Marktständen, in Pappkartons, im Müll. Sie sind die Straßenkinder von Atananarivo, kurz Tana, der Hauptstadt Madagaskars. Wie viele es von ihnen gibt, steht in den Sternen. Verbriefte Zahlen existieren nicht. Miarintsoa Razanakiniaina ist Leiterin der Organisation "Manda" Von SZ-Redaktionsmitglied Karoline Maria Roos

Saarbrücken. Sie leben auf den staubigen Straßen einer vier Millionen Stadt. Sie schlafen unter Marktständen, in Pappkartons, im Müll. Sie sind die Straßenkinder von Atananarivo, kurz Tana, der Hauptstadt Madagaskars. Wie viele es von ihnen gibt, steht in den Sternen. Verbriefte Zahlen existieren nicht. Miarintsoa Razanakiniaina ist Leiterin der Organisation "Manda". Die studierte Germanistin und ihre 20 Mitarbeiter betreuen 350 dieser Kinder. "Manda" gibt es seit 1994 und wird vom deutschen Verein "Zaza Faly" mit Sitz in Berlin unterstützt. 80 Prozent der Gelder kommen von "Zaza Faly". Es sind hauptsächlich Spenden aus Deutschland.


Die Saarländerin Sara Mieth hat vor sechs Jahren bei "Manda" ein sechsmonatiges Praktikum gemacht. Heute gehört die Wahlberlinerin dem Vorstand von "Zaza Faly" an. "Ich fand es bedrückend, Kinder im Müll zu sehen. Sie suchen dort Essen oder Dinge, die sie zu Geld machen können. Doch so schlimm die Situation auch ist, die Kinder haben eine unglaublich beeindruckende Lebensfreude", erzählt Mieth, selbst junge Mutter. Inzwischen war sie dreimal in Tana. "Es hat sich vieles verbessert", sagt sie. "Als ich Praktikantin war, haben wir sieben Kinder in eine weiterführende Schule vermittelt, im letzten Jahr waren es bereits 150."

Vier Häuser hat "Manda" für die Kinder gemietet: eine Sozialstation und drei Ausbildungsstätten. "Wenn die Kinder zu uns kommen, sind sie schmutzig und oft auch krank", sagt Razanakiniaina, "auf der Sozialstation können sie erst einmal duschen, ihre Wäsche waschen und zum Arzt gehen." Wer in ein Ausbildungsprojekt von "Manda" aufgenommen wird, hat Glück. Die Angebote variieren je nach Bildungsgrad und Alter der Kinder. "Viele kommen zuerst in die Alphabetisierung", so Razanakiniaina, eine Art Vorschule. "Andere sind schon 13 oder 14 und haben noch nicht einmal die Grundschule absolviert." Für diese Kinder hat "Manda" das Projekt "Asama" eingeführt, in dem sie in einem Jahr den gesamten Grundschulstoff komprimiert lernen. Haben sie das "Asama"-Programm erfolgreich abgeschlossen, bekommen sie ein Diplom. Ohne Diplom werden sie nicht an einer weiterführenden Schule zugelassen. "Manda" versucht mit seinen Bildungsangeboten, den Kreislauf aus Analphabetismus und Armut zu durchbrechen. Für die Straßenkinder ist das die Chance auf ein neues Leben.

Doch für viele reicht der Platz nicht aus. "Nur 50 Kinder können in unseren Häusern schlafen", erklärt Razanakiniaina, selbst Mutter von drei Kindern. "Viele, die in der "Asama"-Maßnahme sind, nicken im Unterricht einfach mal ein, weil sie nachts auf den Straßen nicht richtig schlafen können", erzählt Razanakiniaina. Sie wünsche sich, dass "Manda" mehr Kindern eine Schlafmöglichkeit bieten kann. Geplant sei daher ein weiteres Haus für 30 Kinder. 500 Euro Miete würde das im Monat kosten, inklusive Erzieher und Verpflegung. Auch sei ein erstes, eigenes Haus geplant und die Sozialstation soll doppelt so groß werden. "Die aktuelle schwierige politische Situation erschwert die Arbeit der Helfer", sagt Mieth. Aber das Projekt soll weiterwachsen. Für die Straßenkinder von Madagaskar.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto Nr.: 33 80 200, BLZ: 100 205 00, Kennwort: Straßenkinder Madagaskar.