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Brauchtum geht verloren
Hexenfeuer sind vom Aussterben bedroht

In Oberthal-Güdesweiler pflegt man den Brauch des Maifeuers noch. Rechtzeitig vor der Hexennacht werden die Baumstämme gestapelt, bevor sie am Abend des 30. April in Flammen aufgehen.
In Oberthal-Güdesweiler pflegt man den Brauch des Maifeuers noch. Rechtzeitig vor der Hexennacht werden die Baumstämme gestapelt, bevor sie am Abend des 30. April in Flammen aufgehen. FOTO: Frank Faber
Saarbrücken. Warum wird am Abend des 30. April ein Maifeuer entfacht? Das Wissen um diese Tradition geht zunehmend verloren. Von Antonia Saar

Auch dieses Jahr wird wieder der „Tanz in den Mai“ an vielen Orten der Region gefeiert. Um den Wonnemonat zu begrüßen, wie es der Brauch besagt, wird am Abend des 30. April bis spät in die Nacht ein Maifeuer entfacht. Laut Gunter Altenkirch, Besitzer des Museums des Saarländischen Aberglaubens in Rubenheim, hatte das Hexenfeuer früher noch einen anderen Nutzen. Demnach stellten junge Burschen ihrer Angebeteten eine Birke vor das Haus und setzten sich anschließend mit ihren Kollegen an ein kleines Lagerfeuer. „Die riesigen Feuer, die wir heute kennen, haben also mit den ursprünglichen Bräuchen nichts mehr zu tun.“ Ganz eng damit verbunden sind auch weitere Gepflogenheiten wie zum Beispiel das Maibänkchen, eine oftmals nur provisorisch gebaute Bank, auf der man noch vor 30 Jahren gemeinsam über Gott und die Welt redete.


Doch wie steht es um diese Traditionen im Saarland? „Diese Welt ist heute ganz und gar vergessen“, sagt Altenkirch. Die junge Generation habe kein Interesse mehr daran, sich gemeinschaftlich um die alte Kultur zu kümmern, und somit seien die Hexenfeuer vom Aussterben bedroht.

Heute ist die sogenannte Hexennacht im Saarland vielmehr als Volksfest und Beginn des Frühlings anzusehen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist das „Hexen“ sehr beliebt, da sie so ganz offiziell Unfug treiben dürfen.



In Saarbrücken-Bübingen veranstaltet der Karnevals- und Theater-Verein „Blau Schwarz“ am Montag zum zweiten Mal ein Hexenfeuer. „In der heutigen Zeit, in der viele Kinder und Jugendliche nur noch Handy, Videospiele und Fernsehen kennen, wollen wir das alte Brauchtum wieder aufleben lassen“, sagt Stefan Petry, erster Vorsitzender des Vereins.

Leider nimmt der ein oder andere diese Nacht zum Anlass, auch verbotene Feuer zu entzünden. So musste die Feuerwehr in den vergangenen Jahren etliche Male zu Heckenbränden ausrücken. Im Mettlacher Ortsteil Orscholz wurden letztes Jahr fünf Häuser mit Kunstblut bespritzt, und immer wieder aufs Neue werden Autos verkratzt. „2017 war deutlich mehr los als 2016“, teilte ein Sprecher der Polizei Saarland mit. Im vergangenen Jahr wurden zwölf Fahrzeuge beschädigt, 2016 hingegen nur fünf. Auch die Anzahl der Körperverletzungen und Schlägereien habe deutlich zugenommen. Nach Ansicht der Polizei wird die Grenze eines harmlosen Streichs dann überschritten, wenn fremdes Eigentum beschädigt oder Gefahrenstellen verursacht werden.