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SR-Sendemasten für Mittelwelle
Die Heusweiler Wahrzeichen fallen

Die 120 Meter hohen SR-Sendemasten in Heusweiler sollen am 21. September abgebaut werden.
Die 120 Meter hohen SR-Sendemasten in Heusweiler sollen am 21. September abgebaut werden. FOTO: SZ/FredKiefer / Fred Kiefer
Heusweiler. Am 21. September sind die Tage der SR-Sendemasten bei Heusweiler gezählt: Sie werden abgebaut, weil sie seit dem Ende der Mittelwelle nicht mehr gebraucht werden. Von Fred Kiefer

Das war’s dann: Am Freitag, 21. September, 19 Uhr, beginnen bei Heusweiler die Arbeiten zum Abbau der beiden 120 Meter hohen Sendemasten und des 50-Meter-Mastes des Saarländischen Rundfunks (SR). Einen Tag später soll auch das Abschirmnetz über das nahe gelegene Teilstück der Autobahn 8 abgebaut werden.


Mit den beiden einstigen Mittelwellen-Sendemasten des SR verschwinden die weithin sichtbaren Wahrzeichen der Köllertalkommune. Egal, aus welcher Richtung der Einheimische in seinen Heimatort fährt, wenn er die Sendemasten sieht, weiß er, dass er bald zu Hause ist. Ein Heusweiler Bürger meinte: „Ein solches Wahrzeichen beseitigt man nicht ohne Weiteres.“

„Es gibt keinen Bedarf mehr für die Sendemasten“



Reinhard Donie, Fachbereichsleiter „Programmverbreitung“ des SR, erklärt: „Es gibt keinen Bedarf mehr für die Sendemasten. Sie wurden am 31. Dezember 2015 abgeschaltet, als die Zeit der Mittelwelle in Deutschland endete.“ Auch die frühere Reserveanlage für 1422 kHz, der 50-Meter-Mast, hat ausgedient.

Die beiden 120-Meter-Masten waren zuletzt vom Deutschlandfunk genutzt worden – seit 1. Oktober 1994 bis zum Abschalten der Ausstrahlung seines Mittelwellenprogramms. Obwohl danach nicht mehr in Betrieb, mussten die Sender weiter gewartet werden. Der Versuch des SR, einen Nachmieter für die Sender zu finden, scheiterte, sodass inzwischen nur noch die Demontage übrig bleibt.

In einem Beitrag der Saarbrücker Zeitung hatten wir bereits am 21. Januar 2015 unter dem Titel „Tage des Heusweiler Senders sind gezählt“ berichtet, dass der SR einen Folgemieter suche, doch wenn kein Nutzer gefunden werde, die hohen Masten durch Sprengung der Halteseile „abgebaut“ werden müssten. Es hat drei Jahre gedauert, bis der Termin zur Demontage feststand: Am Freitag, 21. September, um 19 Uhr kommt nun das Ende.

Auch das Gitternetz über der A8 verschwindet

Das stählerne Gitternetz, ein so genannter Faradayischer Käfig, der in den 1970er Jahren über 500 Meter der nahen Autobahn 8 gespannt worden war, um die Fahrzeugelektronik vor der damals sehr starken Sendeleistung abzuschirmen, soll einen Tag später entfernt werden.

In den 70er Jahren musste die Sendeanlage sogar gekühlt werden. Das damalige Heusweiler Freibad wurde mit dem anschließend erwärmten Kühlwasser des Senders beheizt.

Die Heusweiler Sendeanlage war nach der Montage des zweiten 120 Meter hohen Mastes im Jahr 1965 der leistungsfähigste Mittelwellensender in Deutschland. Zwischen 1973 und 1994 diente sie zur Ausstrahlung der Europawelle Saar auf der Frequenz von 1421Kilohertz (kHz) und ab November 1978 auf 1422 kHz. Mit einer Leistung von 1200 Kilowatt (kW), nachts mit 600 kW, strahlte sie bis in den Osten Deutschlands, wo viele, vor allem junge Hörer, der Sendung „Hallo Twen“ mit Moderator Manfred Sexauer lauschten.

Sendemast brachte Beatles und Stones in die DDR

Noch heute erzählen die damaligen Fans der Beatles, Stones, Mamas & Papas oder anderer Beatgruppen, dass ihnen die Titel der damaligen Zeit über die Europawelle Saar bekannt wurden.

Dieter Thomas Heck mit dem Radio „Golf Europa“, das mit einer goldenen Taste zum Einschalten der Europawelle Saar ausgestattet war.
Dieter Thomas Heck mit dem Radio „Golf Europa“, das mit einer goldenen Taste zum Einschalten der Europawelle Saar ausgestattet war. FOTO: Saarländischer Rundfunk