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Name gesucht
Heißt die Großregion bald „Schengen“?

Ben Homan ist ein überzeugter Europäer. Der Bürgermeister von Schengen schlägt vor, die Großregion nach seiner Gemeinde zu benennen.
Ben Homan ist ein überzeugter Europäer. Der Bürgermeister von Schengen schlägt vor, die Großregion nach seiner Gemeinde zu benennen. FOTO: Julien Warnand / dpa
Saarbrücken. Die Gemeinde an der saarländisch-luxemburgischen Grenze hat eine Initiative gestartet. Der Vorschlag hat gute Chancen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Zum Abschluss ihres Gipfels in Schengen verfolgten die Regierungschefs und Minister aus den Teilregionen am 4. Juli noch gebannt die Durchfahrt der „Tour de France“. Als sie anschließend auseinandergingen, war es wie immer: Die Rede war von einer „Modellregion der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“, natürlich fehlten auch Floskeln wie „gelebtes Europa“ nicht. Man kennt das von unzähligen Gipfeln zuvor.



Über ein Thema allerdings, das nach 14 Jahren mal wieder auf der Agenda steht, schwiegen alle: Wie soll die Großregion in Zukunft heißen? Der saarländische Vorschlag „Maas-Mosel-Saar“ war 2003 gescheitert, auch die Vorschläge „Mosel“ des damaligen Mainzer Wirtschaftsministers Hans-Artur Bauckhage (FDP) und „Ardennen-Mosel-Saar“ des früheren belgischen Außenministers Charles-Ferdinand Nothomb hatten keine Chance.

Inzwischen ist bekannt, dass Luxemburg einen neuen Vorschlag auf den Tisch gelegt hat. Die Regierung will, dass das bislang namenlose Gebilde in Zukunft „Großregion Schengen“ heißt. Der Bürgermeister der Mosel-Gemeinde, Ben Homan, sagte der SZ, der Gemeinderat habe der Regierung des Großherzogtums diesen Vorschlag unterbreitet. Und die Regierung habe diese Idee bei den übrigen Teilregionen zur Sprache gebracht.

Offenbar sind die Chancen, dass die Großregion in Zukunft nach dem Grenzort benannt wird, gar nicht so schlecht. Die saarländische Landesregierung hält sich zwar bedeckt. Sie will offensichtlich vermeiden, dass der Luxemburger Vorschlag in der Öffentlichkeit zerredet wird. Allerdings berichtet Bürgermeister Homan, auf deutscher Seite werde der Vorschlag sehr positiv gesehen, inzwischen auch auf französischer Seite, wo es anfangs Widerstände gegeben habe.

Die Gemeinde Schengen (4900 Einwohner) will nun sämtliche Kommunen in der Großregion schriftlich um Unterstützung für ihren Vorschlag bitten. Der Bürgermeister verspricht sich von einer solchen Namensgebung für die Großregion mit rund 220 000 Grenzgängern „weitere Strahlkraft, weil der Name Schengen weltweit bekannt ist“. Schengen liege ja auch geografisch im Zentrum der Großregion. Die Bekanntheit rührt vom Schengener Abkommen, das 1985 auf dem Passagierschiff „Princesse Marie-Astrid“ von zunächst fünf europäischen Staaten geschlossen worden war, um die Personenkontrollen an den Binnengrenzen abzubauen. Mittlerweile haben 26 Staaten das Abkommen unterzeichnet. Homan räumt allerdings ein, es gebe auch Bedenken gegen den Namen „Großregion Schengen“, weil Verwechslungsgefahr mit dem Schengen-Raum bestehe, in dem das Abkommen gilt.

Die luxemburgische Regierung bestätigte zwar, dass sie eine Initiative für eine Namensgebung gestartet hat, will zu konkreten Vorschlägen aber noch keine Stellung beziehen. „Die Diskussionen mit den Partnern der Großregion sind noch nicht abgeschlossen. Es wäre daher verfrüht, sich zu den Vorschlägen zu äußern“, sagte eine Regierungssprecherin.

Die Großregion wird zwar häufig mit dem Begriff Saar-Lor-Lux verbunden, allerdings ist dies nicht ihr offizieller Name. Die Region ist inzwischen deutlich größer, als es die in den 60er und 70er Jahren geprägte Abkürzung für das Montandreieck „Saarland, Lothringen, Luxemburg“ nahelegt. Sie umfasst unter anderem auch das Elsass, Rheinland-Pfalz und Wallonien.

Schengen in Luxemburg
Schengen in Luxemburg FOTO: Astrid Müller / SZ