| 21:14 Uhr

"Hauptsache der Hund hat Spaß"

Furpach. "Schöner Lauf." Noch ganz außer Atem, nehmen Frauchen und Hund Glückwünsche entgegen. Zwar ist Indiana Jones gerade über die falsche Hürde gesprungen und brauchte beim Slalom mehrere Anläufe zum korrekten Einfädeln zwischen den roten und gelben Stäben. Mit 2,75 Metern pro Sekunde ist der Border Collie auch eher geschlendert als gesprintet Von SZ-Mitarbeiterin Anja Kernig

Furpach. "Schöner Lauf." Noch ganz außer Atem, nehmen Frauchen und Hund Glückwünsche entgegen. Zwar ist Indiana Jones gerade über die falsche Hürde gesprungen und brauchte beim Slalom mehrere Anläufe zum korrekten Einfädeln zwischen den roten und gelben Stäben. Mit 2,75 Metern pro Sekunde ist der Border Collie auch eher geschlendert als gesprintet. so dass es am Ende nur zu Platz 18 reichte. Aber wen juckt das schon.Dabei sein ist alles: Das hat nirgends mehr Berechtigung als beim Agilitiy. Überzeugen konnte man sich davon beim traditionellen Agility-Muttertagsturnier des Hundesportvereins Neunkirchen-Furpach. Einen Steinwurf vom neuen Kombi-Bad entfernt, lieferten sich am Samstag und Sonntag jeweils 100 Teams spannende Wettkämpfe um 80 Pokale und 50 Medaillen. Den begehrtesten Preis errang Tess Arkosligeti Magic Eyes Europa. Beim Standard-Lauf in der Königsklasse A3 ließ die Australian Kelpie-Hundedame alle Mitbewerber hinter sich. Zur Freude von Halterin Diana Domokos (Agilityfreunde Kaiserslautern) bewältigte sie die auf 176 Meter verteilten 16 Hindernisse fehlerfrei in 37,67 Sekunden. In der A2 hatte Rhani vom Hümmeroth die feuchte Nase vorn - dank Michelle Schäfer. Lautstark hatte die Elfjährige den Schäferhund ihres Opas angespornt. Zwar wäre es am wichtigsten, "den Hund zu bewegen", meinte Michelle hinterher fachmännisch. "Hauptsache, der Hund hat Spaß." So ein ganz klein wenig sei sie aber doch stolz über den Sieg. Seit zwei Jahren trainiert die bei Koblenz lebende Schülerin mit wechselnden Hunden. Ihr nächstes Turnier hat Profi Michelle schon fest im Blick: "Am Vatertag im Taunus". Was auf dem Platz oft kinderleicht aussieht, ist Schwerstarbeit. Für Mensch und Tier. "Man muss sehr fit sein und oft in Bruchteilen einer Sekunde reagieren", bestätigt Sandra Rammo, Vizevorsitzende des gastgebenden Vereins. Alter, und beim Hund auch Größe und Rasse, sind dagegen egal. "Das geht querbeet", vom Dackel bis zum Labrador. Allen gemein ist "der gute Grundgehorsam". Leine und Halsband haben im Parcours nichts verloren. Aber wie bringt man einen Setter oder Pudel dazu, durch Reifen zu springen und über wackelige Wippen zu balancieren? "Über den Spieltrieb, ohne Druck. Da legen wir großen Wert drauf", betont Sandra Rammo. Die nötige Restmotivation erreicht man mit Spielzeug und Leckerlis. Hans Klinges schätzt Agilitiy vor allem der Kopfarbeit wegen - für seine Australian Shephards Lucy und Ruby. "Durch Joggen kriegt man sie zwar körperlich müde." Damit sie aber zuhause keinen Unfug anstellen, bedarf es zusätzlich geistiger Anstrengung. Dafür opfern der Saarbrücker und Ehefrau Sigrid denn auch ihren Sonntag. "Obwohl man morgens gern mal im Bett bleiben würde. Man hat ja eine Verpflichtung dem Tier gegenüber."



Auf einen BlickDer Hundesportverein SV OG Neunkirchen-Furpach zählt aktuell 95 Mitglieder. Jährlich richtet er zwei Agilitiy und ein Fun-Turnier aus. Trainiert wird täglich auf dem Vereinsgelände an der Lakaienschäferei. Neben Agility-Trainingsgruppen bietet der Verein Dog Dancing, Welpenstunde und die Ausbildung zum Begleithund an. Die bestandene Begleithundeprüfung ist neben 18 Monaten Mindestalter Voraussetzung für die Teilnahme an Agility-Turnieren. Fragen beantwortet Vorsitzender Norbert Becker unter Tel. (06821) 38 16. nig