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Bürger-Initiative kritisiert Verkehrsministerin
Hat das Saarland zu kleine Züge bestellt?

Eine Regionalbahn bei Niedaltdorf.
Eine Regionalbahn bei Niedaltdorf. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken/Überherrn . Eine Bürger-Initiative kritisiert Verkehrsministerin Rehlinger. Das Ministerium kann das nicht verstehen. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Bereits jetzt sind viele Bahnkunden im Saarland mit dem Platzangebot in den Regionalzügen nicht zufrieden. Der Saarbrücker Zeitung sind etwa Protestschreiben von Eltern bekannt, deren Kinder täglich morgens mit dem Regionalzug ab Saarbrücken Hauptbahnhof den Bahnhof Friedrichsthal ansteuern, da sie dort die Montessori-Gemeinschaftsschule besuchen. Wegen zu geringer Platzkapazitäten müssten sich die etwa 200 Schüler wie die Ölsardinen in den Zug quetschen, es gebe Tage, an denen manche Schüler den nächsten Zug nehmen müssten und dadurch zu spät zur Schule kämen, heißt es. Der Tag beginne dann mit Stress, Tränen inklusive.


Erhard Pitzius aus Überherrn vertritt die Bürger-Initiative „Plattform Mobilität Saar-Lor-Lux“ und kennt die Mängel der Regionalzüge. Pitzius kritisiert, dass es auch nach der Neubestellung der Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) bei den Bahnfirmen DB Regio und Vlexx ab Dezember 2019 nicht besser werde. „Erhöhungen der Kapazität wurden bei der Ausschreibung des Ministeriums und der Verkehrsmanagement-Gesellschaft Saar (VGS) nicht berücksichtigt“, sagt Pitzius der SZ.

Die neuen DB-Triebwagen Coradia Continental hätten in der bestellten Ausführung gerade mal 30 Sitzplätze mehr als die Baureihe 425. „Leider werden die Neuen wohl weniger Türen haben, sodass der Fahrgastwechsel komplizierter wird. Auch die Zahl der Fahrradplätze wird nicht wesentlich höher sein“, erklärt Pitzius. Auch bei Vlexx sehe es ab 2019 nicht besser aus. „Aus den vierteiligen 425er der DB werden dreiteilige Talent 3 Triebwagen. Aus 206 Sitzplätzen werden 160 Sitzplätze“, beklagt Pitzius.



Wolfgang Kerkhoff, der Sprecher von Rehlinger, sagt, dass er die Kritik der Bürger-Initiative „nicht ganz nachvollziehen“ könne. Bei der Ausschreibung seien beim Los 1 bis 200 Sitzplätze mindestens 15 Fahrradstellplätze pro Fahrzeug und in Los 2 bis 150 Sitzplätze mindestens neun Fahrradstellplätze gefordert. Die DB Regio stelle in den Corradia Continental 18 Rad-Stellplätze zur Verfügung, Vlexx biete mit dem Talent 3 von Bombadier die geforderten neun Stellplätze pro Fahrzeug. Zusammen des DB-Süwex, der stündlich mindestens 27 Stellplätze bietet, würden auf der Saarstrecke auf dem Streckenabschnitt zwischen Trier und Saarbrücken in Kombination mit dem Stundentakt der RB 71 somit mindestens 45 Fahrradstellplätze pro Stunde angeboten.