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Harte Strafen für Missbrauchstäter

Im früheren Internat des Johanneums wurden Kinder vor mehr als 25 Jahren von zwei Patres sexuell misshandelt. Foto: Heitz/SZ
Im früheren Internat des Johanneums wurden Kinder vor mehr als 25 Jahren von zwei Patres sexuell misshandelt. Foto: Heitz/SZ
Homburg. Zwei Jahre hat es gedauert, jetzt wurden die Strafen gegen zwei Patres, die am Johanneum gearbeitet haben, bekannt. Der Hauptbeschuldigte wird jeglichen Dienstes in der Kirche enthoben. Der andere Pater darf sich Minderjährigen nicht mehr nähern. Von SZ-Redakteur Peter Neuheisel

Homburg. Vor zwei Jahren hielt der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auch die Schulgemeinschaft des Homburger Johanneums in Atem. Die Schule selbst war zwar nicht Ort sexueller Übergriffe, aber das frühere Internat des Gymnasiums. Die Straftaten ereigneten sich allesamt in den 70-er und 80-er Jahren, als Täter wurden schnell zwei Patres der Hiltruper Missionare ausgemacht. Der Herz-Jesu-Orden mit Sitz in Münster hat in den 60-er Jahren das Johanneum gegründet, bis vor 14 Jahren auch das Internat mitgeführt und ist auch heute noch über Stiftung und Schul-gGmbH im Johanneum maßgeblich vertreten. Die beiden Täter legten vor zwei Jahren ein Geständnis ab, das sowohl der Staatsanwaltschaft Saarbrücken als der Glaubenskongregation in Rom zugestellt wurde. Der Generalsuperior des Ordens sitzt in Rom. Vom Zivilstrafrecht her waren die Straftaten längst verjährt, der Gang vor den Richtern blieb den beiden geständigen Partres erspart. Im Kirchenrecht verjähren solche Straftaten allerdings nicht. Dementsprechend haben es die Strafdekrete, die nun von Rom erlassen wurden, in sich.Sie sehen wie folgt aus: Der heute 68-Jährige Missbrauchstäter Pater W., dem die schlimmsten Übergriffe zugeschrieben werden, wird demnach, wie es im Wortlaut heißt, "hiermit dauerhaft jeglichen Dienstes in der Kirche enthoben und ihm geboten, ein Leben des Gebetes und der Buße innerhalb einer Kommunität der Ordensgemeinschaft zu führen, die ihm von seinem Provinzial zugewiesen wird. Pater W. kann die heilige Messe feiern oder konzelebrieren, jedoch ohne Teilnahme der Gläubigen". Das Dekret zum zweiten, heute 75-jährigen Täter Pater R. lautet: "Ihm wird hiermit dauerhaft jeglicher unbeaufsichtigter Kontakt mit Minderjährigen untersagt. Zweck dieser Disziplinarmaßnahme ist es, jedes Ärgernis unter den Gläubigen zu vermeiden und mögliche Gefährdungen für Minderjährige auszuschließen. Pater R. darf lediglich dort eingesetzt werden, wo keine Möglichkeit eines unbeaufsichtigten Kontaktes mit Minderjährigen besteht". Unterschrieben sind die Strafdekrete vom Generalsuperior der Kongregation der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu, Pater Mark McDonald, Rom.

Wie der Provinzial der Herz-Jesu-Missionare und frühere Schulleiter des Johanneums, Pater Werner Gahlen, unserer Zeitung mitteilt, seien die entsprechenden Maßnahmen getroffen und würden befolgt. Pater Gahlen: "Nach Erhalt des Schreibens mit den beiden Strafdekreten habe ich den genannten Mitbrüdern dieses persönlich überreicht. Beide haben das Dekret nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern sind dazu bereit, sich entsprechend zu verhalten."

Der Orden hat bereits vor zwei Jahren nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle beide geständigen Patres von ihren priesterlichen Tätigkeiten suspendiert. Diese Suspendierung sei bis heute nicht aufgehoben worden. Seit einigen Monaten laufen Gespräche zwischen dem Orden und der Opferinitiative, die sich für die Belange der damals missbrauchten Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Ende Februar 2010 wurden die Missbrauchsfälle in ehemaligen Internat der Homburger Schule bekannt. Gahlen hatte daraufhin direkt einen externen Ermittler bestellt, an den sich mögliche Opfer wenden konnten (wir berichteten).

Gahlen: "Im Mai 2010 habe ich dessen Bericht an die Staatsanwaltschaft Saarbrücken und das Generalvikariat in Speyer geschickt, Mitte 2010 auch an unser Generalat in Rom." Von dort aus seien diese Unterlagen an den Heiligen Stuhl, Abteilung Glaubenskongregation, weitergeleitet und bearbeitet worden. Knapp zwei Jahre später liegen nun also die Dekrete aus Rom vor.