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Saarforst
Grüne im Saarland fordern völlig neue Waldpolitik

Saarbrücken. Holzeinschlag im Saar-Wald selbst im Frühjahr während der Brut- und Setzzeit der Tiere, nach China für die Zellstoffproduktion exportierte alte heimische Buchen sowie von Holzerntemaschinen zerstörte Waldwege: So kann es nach Ansicht der Saar-Grünen im Land nicht weitergehen. Von Udo Lorenz

Unter dem Motto „Wald ist mehr als ein Geschäft“ legten Grünen-Landeschef Markus Tressel und Forstexperte Klaus Borger gestern ein neues Positionspapier ihrer Partei vor.


Gefordert werden unter anderem Bürgerbeteiligungsverfahren bei neuen Planungen im öffentlichen Wald und Schutzkonzepte. „Der Saarforst ist nicht der Herr im Wald, sondern der Wald ist Eigentum aller Saarländer, die ihn mit Steuermitteln fördern“, hieß es.

„Wir wollen Druck machen für ein neues Programm, das den Saarwald fit macht für den Klimawandel“, sagte Grünen-Chef Tressel: „Der diesjährige Sommer hat gezeigt, dass hierbei keine Zeit mehr zu verlieren ist.“ Borger, Ex-Umweltstaatssekretär der Jamaika-Koalition, ergänzte: „Jeder Kubikmeter Holz ist klimarelevant und Wald ist im Saarland der größte CO2-Senker.“ Konkret fordern die Grünen, die Holzgewinnung im Saar-Wald zu entindustrialisieren und weniger Holzerntemaschinen einzusetzen. Die Holzvorräte sollten um ein Drittel reduziert und über 140 Jahre alte Buchen sollten überhaupt nicht mehr gefällt werden dürfen. Dazu regen die Grünen an, im Landes- und Kommunalwald ehrenamtliche Beiräte aus Naturschutzvertretern und sachkundigen Bürgern zu bilden, die bei allen Planungen ein Kontroll- und Mitentscheidungsrecht haben. In früheren Zeiten habe es einen Landeswaldbeirat, einen Landesjagdbeirat und einen Landesbeirat für Naturschutz schon einmal gegeben, sagte Borger. Denkbar mit Blick auf eine neue Waldpolitik wäre auch ein runder Tisch mit den Umweltverbänden BUND, NABU und Greenpeace.