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Folgen des Bergbaus
Grubenflutung könnte Radon-Konzentration steigen lassen

Die Gefahr im Blick? Eine Grubengasmessstelle in Quierschied.
Die Gefahr im Blick? Eine Grubengasmessstelle in Quierschied. FOTO: Robby Lorenz
Quierschied/Berlin. Wissenschaftliche Dienste des Bundestages befassen sich mit Belastungen durch radioaktives Gas. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Was tatsächlich passiert, wenn der Bergbaukonzern RAG die Saar-Gruben flutet, beschäftigt viele Saarländer. Müssen sie Beben fürchten, Schäden an Haus und Grund? Droht gar eine Öko-Katastrophe, weil das Grubenwasser krebserregendes PCB nach oben spült? Hydrauliköle, die beim Steinkohleabbau eingesetzt wurden, waren über Jahre mit den polychlorierten Biphenylen versetzt. Und noch immer lagern zig Öl-Fässer untertage.


Das aber sind nicht die einzigen schwer kalkulierbaren Risiken des Bergbauerbes. Der Quierschieder Arzt Dr. Karl Michael Müller warnte unlängst: Durch die Grubenflutungen und die so möglicherweise ausgelösten Erderschütterungen könnte auch verstärkt radioaktives Radon freigesetzt werden (wir berichteten). Das Edelgas, das als Verursacher von Lungenkrebs gilt, kommt natürlich in der Erde vor, strömt mit dem Grubengas nach oben und kann durch winzige Risse etwa in Bodenplatten auch in Häuser eindringen. Der Allgemeinmediziner hatte intensiv Daten des saarländischen Krebsregisters ausgewertet und auf bereits ungewöhnlich hohe Zahlen von Lungenkrebs-Kranken in alten Bergbau-Kommunen wie Quierschied, Friedrichsthal und Schiffweiler hingewiesen.

Der saarländische Bundestagsabgeordnete und FDP-Landeschef Oliver Luksic nahm das zum Anlass, die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages um eine Prüfung zu bitten. Wie steht es um „mögliche Belastung mit Radon“, wenn das Grubenwasser steigt, wollte Luksic wissen. Dazu hat der Dienst vorhandene Expertisen ausgewertet. Teils von der RAG selbst beauftragt, aber auch solche vom Oberbergamt des Saarlandes sind darunter, Einschätzungen des Bundesamtes für Strahlenschutz sowie Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Grünen und Linken. „Die Experten gehen von einem Anstieg der Werte bei einer Grubenwasserflutung aus“, hält nun das 17-seitige Papier, das der SZ vorliegt, als Fazit fest. Problematisch sei überdies, „dass kein Grenzwert für Radon existiert, unterhalb dem es kein Risiko für das Entstehen von Lungenkrebs gibt“. Relativierend heißt es allerdings: Bisherige Messungen hätten ergeben, „dass die Werte zwar „nicht unbedingt in Kellerräumen, zumindest aber in den Aufenthaltsräumen unterhalb des vom Bundesamt für Strahlenschutz empfohlenen Wertes liegen“. Radon ist ein farb- und geruchloses Gas, das sich an der Luft rasch verflüchtigt. Werden Räume jedoch schlecht gelüftet, kann die Gaskonzentration problematisch werden.



FDP-Parlamentarier Luksic sieht RAG und Landesregierung in der Pflicht: „Man braucht einen detaillierten Radon-Untersuchungs- und Überwachungsplan.“ Das sei „das Mindeste, was man für eine Genehmigung des Grubenwasseranstiegs verlangen muss“, so Luksic. Besonderes Augenmerk sollte man „auf die Erkenntnis des Gutachtens legen, dass Erschütterungen die Konzentration von Radon erhöhen können“, sagt er. Da niemand Erschütterungen und Beben aufgrund des Grubenwasseranstiegs ausschließen könne, liege „hier eine besondere Gefährdung der Bevölkerung vor“. Für den FDP-Politiker ist klar: „Man darf das Thema Radon nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

FDP-Chef Oliver Luksic sorgt sich um die Folgen der Grubenflutungen.
FDP-Chef Oliver Luksic sorgt sich um die Folgen der Grubenflutungen. FOTO: Bamberger