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"Große Sorgen" an Grundschulen

Saarbrücken. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband hat sich in "großer Sorge" mit einem regelrechten Brandbrief an die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gewandt. Die Lage an den Grundschulen im Lande werde immer schwieriger, vor allem deswegen, weil man kaum noch Lehrer finde, die Rektor oder Konrektor werden wollten, sagte SLLV-Vizin Lisa Brausch Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Saarbrücken. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband hat sich in "großer Sorge" mit einem regelrechten Brandbrief an die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gewandt. Die Lage an den Grundschulen im Lande werde immer schwieriger, vor allem deswegen, weil man kaum noch Lehrer finde, die Rektor oder Konrektor werden wollten, sagte SLLV-Vizin Lisa Brausch. Und die Rektoren und Konrektoren, die den Job jetzt machten, seien mit Zusatzaufgaben heillos überlastet. "Es darf nicht sein, dass in Deutschland in zunehmendem Maße bei gleicher Arbeit die Höhe der Besoldung davon abhängig ist, in welchem Bundesland man wohnt. Im bundesweiten Vergleich zählen die Saar-Grundschulleiterinnen/Grundschulleiter zu denen mit der höchsten Unterrichtsverpflichtung", heißt es in dem Schreiben an die Ministerpräsidentin, das der SZ vorliegt. Die Aufgaben eines Grundschulleiters hätten sich stetig erweitert. Vor allem in punkto Schulmanagement brauche der jeweilige Rektor die notwendige Zeit dazu. Fast 50 Punkte eines "Anforderungsprofils" für Rektoren sind aufgelistet, wozu Förderausschusssitzungen, Integrationsanträge, Teilnahme an Wettbewerben, Kooperation mit der Nachmittagsbetreuung und Vereinen oder die Schulbuchausleihe zählen. Zudem mangele es an Schulsekretärinnen oder Hausmeistern. "Was habe ich von einer Verwaltungskraft, die nur ein Mal die Woche zwei Stunden da ist und nicht weiß, wo die Aktenordner stehen?", so Brausch.Wie die SZ bereits im August berichtete, hat das Bildungsministerium in diesem Schuljahr nur mit Ach und Krach alle freien Rektorenstellen besetzen können. Von den 13 ausgeschriebenen Konrektorenstellen für Schulen, die mehr als 180 Kinder haben, konnten jedoch nur vier besetzt werden, so der SLLV. "Und wenn dann ein Konrektor die zweieinhalb Jahre ohne Steigerung des Gehaltes durchzieht, kann es trotzdem sein, dass danach die Stelle wieder weg ist, weil die Schule unter die 180-Schüler-Grenze fällt", sagte Brausch.


Manche Rektorin nahm wegen Arbeitsüberlastung ("Burnout") den Hut. "Dass die Bildungsrendite an den Schulen bleibt, ist eine lächerliche Behauptung", so Brausch. Wer Qualität fordere, müsse die Basis dafür schaffen. "Dabei kann man sich auf Dauer nicht auf die prekäre Lage des Saarlandes zurückziehen", musste die Ministerpräsidentin lesen.