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Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Grewenig hält Vorwürfe für bloßes „Geschwätz“

 Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig hört im Juni 2019 auf. Er hätte gerne weitergemacht.
Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig hört im Juni 2019 auf. Er hätte gerne weitergemacht. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Nachdem der Vertrag mit dem Völklinger Weltkulturerbe-Chef nicht verlängert wurde, schildert er nun seine Sicht der Dinge. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Schwer vorstellbar: Da muss einer gehen, aber die Atmosphäre im Aufsichtsrat schildert er als „einvernehmlich“, das Trennungsgespräch als „gut und angenehm“. Von Zerwürfnissen zwischen ihm und seinem Aufsichtsrat kann laut Meinrad Maria Grewenig (64) keine Rede sein. Alles nur „Geschwätz“?


Diesen Begriff verwendet der Generaldirektor des Völklinger Weltkulturerbes in Bezug auf die laut gewordene Kritik aus Aufsichtsratskreisen, er habe als Geschäftsführer ökonomisch fragwürdig und eigenmächtig gehandelt und Spielregeln verletzt. Ihm persönlich habe man solcherart Vorhaltungen nie gemacht, sagte Grewenig gestern der SZ. „In den Aufsichtsratsprotokollen werden Sie dazu nichts finden.“

Die öffentlich gewordenen Vorwürfe sollen allerdings die Entscheidung, Grewenigs im Juni auslaufenden Vertrag nicht noch einmal zu verlängern, maßgeblich befördert haben (die SZ berichtete). Die Entscheidung traf das Kabinett am Dienstag, am Freitag wurde sie Grewenig vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Kultusminister  Ulrich Commerçon (SPD), und Finanz-Staatssekretär Ulli Meyer (CDU) mitgeteilt.



Grewenig verteidigt sich: „Rechtlich ist alles, was ich gemacht habe, durch meine vertraglich fixierten Kompetenzen gedeckt. Es gibt keine Rechtsverstöße, ich habe keine Fehler gemacht und habe mir keine kapitalen  Sünden vorzuwerfen.“ Dies betreffe auch die angeblich nicht mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Personalaufstockung. Grewenig betont, mit Tricksereien, wie sie ihm jetzt angedichtet würden, wäre er nicht 20 Jahre lang im Amt geblieben.

War er unsteuerbar, musste er etwa dazu verdonnert werden, sich um das Thema NS-Zeit und Zwangsarbeiter zu kümmern? „Ich gestalte meine Programme in Eigenverantwortung“, sagt Grewenig dazu. „Ich höre dauernd Vorschläge von Künstlern oder anderen Kreisen, was ich machen soll. Aber rote Schleifchen an die Hütte hängen, das geht mit mir nicht. Industriekultur ist maximal komplex, aber ich kann meinen Job“, so Grewenig.

Er bedauert  den  Trennungsbeschluss: „Ich nehme das professionell, ich akzeptiere es.“ Über Alternativen einer kürzeren Laufzeit sei nie ernsthaft mit ihm verhandelt worden: „Mir lag kein  konkretes Angebot für eine Zweijahres-Verlängerung vor.“

Zur Vermutung, es handele sich bei den Begleitumständen seiner Nichtverlängerung um eine gezielte Diskreditierung, um eine längst beschlossene Sache öffentlich nicht mit Argumenten unterfüttern zu müssen, sagt der Weltkulturerbe-Chef: „Lustig finde ich das nicht. Ich sehe das Ganze im Rahmen eines politischen  Geschäfts, und politische Entscheidungen sind nicht vernünftig.“  Die Gründe für die Trennung kennt er nach eigenem Bekunden nicht, sie seien ihm im Gespräch am Freitag nicht genannt worden.

Auch öffentlich hat Kultusminister Commerçon bisher keine Stellung bezogen. Um einen Kurswechsel im Weltkulturerbe kann es ihm und der Landesregierung schwerlich gehen. Im Mai 2018 hatte Commerçon der SZ versichert, er sehe keine Veranlassung für grundsätzliche Programmänderungen, und auch in den von ihm verabschiedeten „Leitlinien für Industriekultur“ ist davon nichts zu lesen.

Ein neues Konzept sei nicht in Arbeit, heißt es auf SZ-Nachfrage von Commerçon-Sprecherin Marija Herceg. Womöglich bringt es erst ein Nachfolger mit? Die Stelle soll ausgeschrieben werden. Derweil klingt Grewenig, der bis 70 arbeiten will, recht fröhlich. Er habe Angebote, sagt er, doch er erwarte noch mehr: „Ich bin ja gerade erst wieder auf dem Markt.“