| 00:00 Uhr

Gotteshaus hielt allen Krisen stand

Wo bereits die Römer gesiedelt hatten, steht seit 100 Jahren die evangelische Kirche von Bous auf dem „Weizenhübel“. Foto: Johannes A. Bodwing
Wo bereits die Römer gesiedelt hatten, steht seit 100 Jahren die evangelische Kirche von Bous auf dem „Weizenhübel“. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Bous. Wo schon die Römer siedelten, steht seit 100 Jahren die evangelische Kirche von Bous. Sie ist nicht nur ein Symbol des Glaubens, sondern verweist auch auf die durch Industrie hervorgerufenen sozialen Veränderungen. Von SZ-MitarbeiterJohannes A. Bodwing

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein zur evangelischen Kirche in Bous gelegt. Die wichtigsten Angaben dazu hat der Bouser Heimatforscher Alfred Schon in seiner "Bouser Chronographie" zusammengetragen. Darunter auch den Text der damaligen Grundstein-Urkunde. Darin steht: "Im Jahre des Heils 1913, am 15. Juni, dem Tage, an welchem unser vielgeliebter Kaiser und König Wilhelm II. auf eine 25-jährige, an Friedensfrüchten reiche Regierungszeit zurückschauen kann, legen wir in Bous an der Saar den Grundstein zum Neubau einer evangelischen Kirche."

Nachdem schon am 31. Januar 1913 der Spatenstich erfolgt war, stießen die Arbeiter im April auf römische Siedlungsreste. Zwei Jahre später fand die Einweihung der Kirche am 7. Februar 1915 statt. Wesentlich für den Bau war die Entwicklung der evangelischen Gemeinde in Bous. Sie wuchs maßgeblich durch die 1887 entstandenen Röhrenwerke von Mannesmann. 1890 hatte Bous nur 23 evangelische Bewohner, 1895 bereits 125.

Schon 1892 kam die Idee für eine eigene Kapelle auf. Dafür wurde 1900 ein Grundstück auf dem "Weizenhübel" gekauft. Zukäufe vergrößerten die spätere Baufläche zwischen Bahnhof- und Gartenstraße.

1906 ging der Planungsauftrag an den Architekten Carl Schlück, den Erbauer der evangelischen Kirche in Saarlouis. Den Neubau in Bous führte ein einheimischer katholischer Bauunternehmer aus. Maßgebliche Beiträge zur Finanzierung des Gotteshauses kamen von der rheinischen Synode, dem rheinischen Gustav-Adolf-Verein sowie durch Zuschüsse und Spenden der Röhrenwerke.

Die evangelische Kirche Bous weist einen kreuzförmigen Grundriss auf. Sie ist als Saalkirche angelegt, der Turm ist in der westlichen Ecke eingefügt. Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und ist nicht mehr im Originalzustand.

Schon infolge des Ersten Weltkrieges mussten 1917 die Bronzeglocken und Zinnpfeifen abgeliefert werden. 1922 stiftete Mannesmann drei Stahlglocken für die Kirche. Wegen Ruhrkampf und französischer Besatzungsbehörde wurden sie erst 1924 geliefert. Im nächsten Krieg beschädigten Volltreffer das Mauerwerk. Plünderer entwendeten Orgelpfeifen und Bänke, völlig zerstört wurden Inneneinrichtung und Turm. Deshalb fanden nach Kriegsende die Gottesdienste im Schulgebäude statt. Aus Kostengründen bekam der Turm eine niedrigere Spitze.

An Weihnachten 1948 erklangen die Glocken wieder, an Gründonnerstag 1949 zog die Gemeinde in ihre Kirche ein. Aber Gottesdienste fanden erst 1950 wieder statt, 1960 waren alle Kriegsschäden beseitigt. 1986 wurden der Außenbereich und der Innenraum renoviert sowie eine Unterbankheizung eingebaut. 1989 folgte die Weihe der neuen Orgel. Am 16. Juni 2013 feierte die evangelische Kirchengemeinde Bous ihr 100-jähriges Jubiläum.