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Gott versteht Saarbrigger Pladd

Darf man mit Gott Saarbrigger Pladd schwätze? Ihm zum Beispiel sagen: „Herr, du guggschd in misch unn kennschd misch. Ob isch hugge odder uffstehn: Du wääschd's.

Du vástehschd mei Gedangge von weid här"?

Man darf, sagt Peter Eckert. Deshalb hat er diese Sätze aus dem biblischen Psalm 139 ins Saarbriggerische übersetzt. Und nicht nur diese Zeilen. Texte für einen ganzen Gottesdienst hat Peter Eckert in unseren Dialekt übersetzt: Bibelstellen, Liedtexte, eine ganze Predigt. Die wird der "Verteidiger der Mundart" am Sonntag um zehn Uhr in der Ludwigskirche halten. Peter Eckert ist nämlich nicht nur Mundartautor, er ist auch Prädikant, also ein ehrenamtlicher Laienprediger in der evangelischen Kirche.

Als solcher will er die Christen am Sonntag daran erinnern, dass sie getauft sind. "Gedaafd! Nidd vágesse!" lautet der Titel der Predigt und des Mundartgottesdienstes. Der Prediger weiß, dass es nicht jeder ganz so toll findet, dem lieben Gott mit Saarbrigger Pladd zu kommen. Es könnte der Eindruck entstehen, man wolle dem Allmächtigen "die gebotene Ehrfurcht versagen", räumt Eckert ein. Er hält dagegen, dass es ja keine "Zwangsverbindung" der Mundart mit "Witzbolden und organisiertem Frohsinn" geben müsse. Diese Sprache habe ihren Wert.

Die Idee, die Mundart in die Kirche zu bringen, sei nicht seine, sagt Peter Eckert. Den Anstoß habe vor 15 Jahren Wilhelm Otto Deutsch, damals Pfarrer in Klarenthal, gegeben. Seitdem predigt und preist Peter Eckert Gott in einigen saarländischen Gemeinden im Dialekt. Sogar auf dem Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover hat der Prädikant einen Gottesdienst auf Saarbrigger Pladd geleitet. Dass Gott Saarbrigger Pladd versteht, da ist sich Peter Eckert ziemlich sicher. Umgekehrt - also vom Herrn zum Christen - funktioniert die Kommmunikation nicht immer ganz so perfekt. Oder wie es Peter Eckert formuliert: "Awwer wie schwär, Gott, sinn forr misch, dei Gedangge! Es sinn so unbegreiflisch vill!"

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