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Goethes Faust, ein Abend im "Lager des Feindes" - Spannende Tragödie mit Düsternis und Tiefe

St. Wendel. Am Freitagabend gab der Theaterverein Wemmetsweiler Goethes Faust zum Besten. Ich ging der Aufführung mit gemischten Gefühlen entgegen, einerseits, weil ich mich auf eine Theatervorstellung freute, andererseits, weil ich mich als AJGlerin im Cusanusgymnasium befand und auch noch überhaupt keine Vorkenntnisse zu Faust hatte

St. Wendel. Am Freitagabend gab der Theaterverein Wemmetsweiler Goethes Faust zum Besten. Ich ging der Aufführung mit gemischten Gefühlen entgegen, einerseits, weil ich mich auf eine Theatervorstellung freute, andererseits, weil ich mich als AJGlerin im Cusanusgymnasium befand und auch noch überhaupt keine Vorkenntnisse zu Faust hatte.Anfangs hatte ich wenig Lust, mir dieses Stück anzusehen, da ich mir vorstellen konnte, wie wenig ich verstehen würde. Dennoch hat mir das Zusehen viel Freude bereitet, auch wenn die Stühle sehr unbequem waren.



Die Inszenierung fand ich sehr gelungen, da die Requisite sehr wandelbar war und die Schauspieler ihren Text sehr gut beherrschten und auch die Schauspielerei für ein Amateurtheater ausgezeichnet war. Das Stück war mir im Nachhinein sehr verständlich, und ich bilde mir ein, dank dieser Inszenierung einiges verstanden zu haben, was mir später einmal nützlich sein könnte, wenn das Buch im Unterricht behandelt wird.

Schade fand ich, dass einige Szenen aus Zeit- und Darstellungsgründen gekürzt wurden, darunter die Walpurgisnacht, die laut der Aussage eines Schülers die "interessanteste und spannendste Szene im ganzen Stück" gewesen sein soll. Am besten hat mir Mephistopheles - gespielt von Jochen Alt - gefallen, da er meiner Meinung nach am leichtesten vom Text her zu verstehen war und auch am eindrucksvollsten gespielt war. Der Schauspieler gab einem das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist, dass es einige Zeit gedauert hat, bis Action in das Stück hineinkam und es anfangs eher an einem vorbeiplätscherte, statt zu faszinieren. Bis auf einen kleinen technischen Defekt, bei dem die Projektion nicht das anzeigte, was sie sollte und stattdessen eine Fehlermeldung preisgab, was nicht schlimm war und ein Schmunzeln auf alle Gesichter zauberte, habe ich keine weiteren Missgeschicke wahrgenommen.

Besonders schön fand ich die nicht geplante musikalische Untermalung des Stücks durch das leise Prasseln des Regens auf das Dach des Cusanus. Einige mögen das als störend empfunden haben, für mich war es eher ein Tribut an die Düsternis der Tragödie. Ich fand es sehr passend, und auch spiegelte das Wetter in einer gewissen Weise die finstere Romantik wieder.

Mein Resümee dieses etwas anderen Theaterstücks ist, dass es sich durchaus lohnt, die eigenen vier vertrauten Schulwände zu verlassen, und dass es vielleicht besser ist, ein solches Stück unbeeinflusst vom Deutschunterricht zu besuchen, weil man wahrscheinlich mehr begreifen und sich auch besser damit identifizieren kann, wenn man unvoreingenommen ist. Ich persönlich habe von diesem Abend viel mitgenommen, ich bin begeistert von diesem Werk, was man von sonstiger Schullektüre nicht erwartet, weil man sie für die Schule liest. Also empfehle ich allen Schülern, solch eine Vorstellung zu besuchen, und möchte zum Schluss noch ein ganz großes Lob an das Schauspielteam und alle Helfer aussprechen, denn sie haben eine wirklich unglaubliche Leistung - im wahrsten Sinne des Wortes - auf die Bühne gebracht. Hanna Müller, Arnold Janssen Gymnasium, Klasse 9c